⁨AG Gegen Rechtsextremismus* kritisiert Berichterstattung zum BB-Hotel und unterstützt Wohnungslosenunterbringungsgesetz

Austausch mit Amaro Foro e. V.

Am 15. Dezember 2025 waren Georgi und Laura von Amaro Foro e. V. zu Gast bei einem Treffen unserer AG Gegen Rechtsextremismus*. Amaro Foro ist ein transkultureller Jugendverband von Romnja und Nicht-Romnja, der sich entschieden gegen Antiziganismus, Diskriminierung und Ausgrenzung einsetzt und für Teilhabe sowie Chancengerechtigkeit kämpft.

Im Mittelpunkt des Austauschs standen die Vorgänge rund um die Wohnungslosenunterkunft (das sogenannte BB-Hotel) in der Fuggerstraße sowie der Umgang von Medien und Behörden mit den dort untergebrachten Menschen.

Mediale Stigmatisierung des BB-Hotels

Georgi und Laura machten deutlich, dass die einseitige und problematische Berichterstattung über das BB-Hotel bereits lange vor der späteren Kontrolle durch das Jobcenter begann. Das Hotel wurde frühzeitig zu einer Projektionsfläche für vermeintliche Kriminalität und soziales Fehlverhalten gemacht. Diese mediale Darstellung reproduzierte antiziganistische Narrative und stigmatisierte die Bewohner*innen öffentlich.

Die spätere Kontrolle des Jobcenters stellt vor diesem Hintergrund keinen isolierten Vorgang, sondern einen Eskalationsmoment innerhalb einer bereits aufgeheizten medialen Dynamik dar.

Jobcenter-Kontrolle und Verletzung von Persönlichkeitsrechten

Unsere AG Gegen Rechtsextremismus* kritisiert die Anwesenheit von Pressevertreter*innen bei der Jobcenter-Kontrolle ausdrücklich. Diese Praxis stellte eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte der betroffenen Bewohner*innen dar und führte zu öffentlicher Vorverurteilung.

In der anschließenden Berichterstattung wurde der Verdacht des Sozialbetrugs erhoben, obwohl nicht alle Leistungsbezieher*innen betroffen waren. Tatsächlich waren bereits zuvor zahlreiche Bewohner*innen behördlich in andere Unterkünfte verlegt worden. Diese Information lag dem Jobcenter nicht vor. Es handelte sich damit um eine Kommunikationspanne zwischen Behörden, nicht um kollektives Fehlverhalten der Betroffenen. Eine öffentliche mediale Richtigstellung dieser falschen Darstellung ist bis heute ausgeblieben.

Menschenunwürdige Unterbringung als strukturelles Problem

Darüber hinaus berichteten Georgi und Laura von menschenunwürdigen Zuständen in vielen Unterkünften für wohnungslose Menschen. Die Unterbringung wird in Teilen als profitorientiertes und ausbeuterisches Geschäftsmodell betrieben: Unterbringungen werden mit bis zu 50 Euro pro Person und Nacht erstattet, während bis zu fünf Menschen in einem Raum untergebracht sind.

Besonders gravierend ist, dass rund ein Drittel der untergebrachten Personen minderjährig ist, ohne dass dem Kindeswohl ausreichend Rechnung getragen wird. In diesem Zusammenhang wurde auch das Versagen des Jugendamtes thematisiert, da notwendige Schutz- und Unterstützungsmaßnahmen vielfach ausbleiben.

Klare Haltung der AG Gegen Rechtsextremismus*

Unsere AG Gegen Rechtsextremismus* weist die mediale Pauschalisierung und Skandalisierung entschieden zurück. Fehlverhalten Einzelner wird auf ganze Gruppen übertragen, während strukturelles, politisches und behördliches Versagen bei der Unterbringung wohnungsloser Menschen ausgeblendet bleibt. Diese Form der Berichterstattung ist diskriminierend und trägt zur Normalisierung antiziganistischer Ressentiments bei. Dem stellen wir uns klar und solidarisch entgegen.

Unterstützung für ein Wohnungslosenunterbringungsgesetz auf Landesebene

Die AG Gegen Rechtsextremismus* unterstützt ausdrücklich die Forderung von Amaro Foro e. V. nach einem Wohnungslosenunterbringungsgesetz auf Landesebene. Ein solches Gesetz muss verbindliche und einheitliche Qualitätsstandards für die Unterbringung wohnungsloser Menschen festlegen und konsequent durchsetzen.

Wir sehen darin einen zentralen politischen Hebel, um:

  • ausbeuterische Geschäftsmodelle zu beenden,
  • menschenunwürdige Unterbringung zu verhindern,
  • und strukturelles Behördenversagen wirksam zu bekämpfen.

* Unser Engagement gegen Rechtsextremismus schließt die Erkenntnis mit ein, dass Rassismus und Antisemitismus in unserer Gesellschaft nicht nur von Rechtsextremen ausgeht. Wir treten genauso gegen Antisemitismus und gegen Rassismen ein, die auch aus der Mitte der Gesellschaft kommen oder von Institutionen ausgehen. Wir sprechen von „Rassismen“ und benennen Antisemitismus extra, damit alle, die Opfer rassistischer, antisemitischer, rechtsextremer Beleidigungen/Übergriffe werden, gesehen werden und Solidarität erfahren.