So geht Mobilitätswende in Tempelhof-Schöneberg – Der Fußverkehr

Der Fußverkehr ist die Königsdisziplin für lebenswerte Städte! Wir müssen ihn viel mehr ins Zentrum setzen – auch beim Design unserer Straßen und Plätze!

Bezirksstadträtin Saskia Ellenbeck auf X

Die Basismobilität ist leise, langsam, CO2-frei und benötigt keine Hilfsmittel: Der Fußverkehr spielt bei der Mobilitätswende eine wichtige Rolle. In Tempelhof-Schöneberg kann man bereits an einigen Stellen sehen, was das konkret bedeutet. Es geht nicht nur um die Fortbewegung und das Queren von Straßen an sich, sondern auch um Aufenthaltsqualität, Entschleunigung und Naherholung.

Breslauer Platz

Im Januar 2023 wurde die Fußgängerzone – der Teil der Lauterstraße, die über den Platz führt – durch Poller abgesichert, so dass Autos nicht mehr durchfahren und Zufußgehende und spielende Kinder dort nicht mehr gefährdet werden. Anlieferung an drei Tagen pro Woche ist möglich, die Fußgängerzone ist für den Radverkehr freigegeben. Im Herbst 2023 sind vier Jungbäume an den Platzrändern gepflanzt worden, damit es in Zukunft an einigen Stellen mehr Schatten geben wird. Und ein kleines Highlight sind die schön gestalteten Pflanzkübel, die schon lange ein Ärgernis für viele waren, da sie sehr verwahrlost ausgesehen haben. Nun hat das Bezirksamt eine Kooperation mit dem Theater Morgenstern abgeschlossen und dieses hat im Rahmen eines Umweltprojektes mit Kindern den Kübeln ein neues Aussehen gegeben. All das trägt dazu bei, dass die Aufenthaltsqualität auf dem Breslauer Platz erhöht wird – für etwas Naherholung im Kiez.

Schöneberger Norden

Ein Netz aus 14 Jelbi-Punkten ist eingerichtet worden. Jelbi-Punkte sind extra markierte Abstellflächen für Sharing-Zweiräder. Viele nutzen sie für die letzte Meile oder auch um auf längeren Strecken schneller unterwegs zu sein. Für sehr viele Menschen, vor allem solche mit Mobilitätseinschränkungen, stellen vor allem die E-Scooter eine große Gefährdung dar, da nicht nur auf dem Gehweg gefahren wird, sondern die Geräte auch noch kreuz und quer auf den Gehwegen abgestellt werden. In diesem ersten Jelbi-Punkte-Netz ist das Abstellen zwischen den einzelnen Punkten nun nicht mehr möglich. Weitere solcher Netze an vielen Stellen im Bezirk benötigen wir dringend.

Akazien-Kiez & Handjerystraße

Die ersten beiden Kreuzungen – Barbarossastraße Ecke Kyffhäuser Straße sowie Ecke Goltzstraße – werden mit sicheren Querungshilfen für den Fußverkehr ausgestattet. Diese bestehen aus Markierungen, Pollern und Fahrradbügeln und verhindern das gefährliche Eckenparken. Ganze 18 solcher Querungshilfen gibt es nun auch in der Fahrradstraße Handjerystraße. Zufußgehende – insbesondere für Kinder und Senior*innen – können beim Queren der Fahrbahn nun besser in die Straße einsehen und gesehen werden.

Boelckestraße

Im Zuge der Einrichtung einer Radverkehrsanlage entstehen auch zwei neue Zebrastreifen, die vor allem von der ansässigen Grundschule immer wieder gefordert worden sind. Auf diese Weise können alle Kinder – ob auf dem Rad oder zu Fuß – sicher zur Schule kommen.

Die beiden Parkraumbewirtschaftungszonen, die in diesem Jahr eingeführt werden, sorgen dann für weitere Verkehrsberuhigung.

Attilastraße

Auf dem Abschnitt Attilastraße zwischen Ring- und Röblingstraße ist stadteinwärts das halbseitige Gehwegparken abgeordnet worden. Die Gehwege sind dort nun wieder barrierefrei. Zufußgehende können nun auch wieder nebeneinander gehen oder sich überholen.

Schulstraße

Die temporäre Straßensperrung morgens vor Schulbeginn – Schulstraße genannt – ist ein Herzensthema unserer BVV-Fraktion. Seit 2016 setzen wir uns dafür ein. Von April bis Mai im letzten Jahr fand das Projekt berlinweit erstmalig als Pilot in Lichtenrade an der Bruno-H-Bürgel-Grundschule im Rackebüller Weg statt. Bezirksamt und Schulgemeinschaft haben hier eng zusammengearbeitet. Dank der großen Unterstützung in der Elternschaft fanden sich auch jeden Tag ausreichend Eltern, die als Kiezlotsen die beiden Zufahrten zum Rackebüller Weg sperrten und nach 30 Minuten wieder öffneten. Das Ergebnis: Es gab nicht die befürchtete Verkehrsverlagerung. Im Gegenteil: Mehr Kinder kamen zu Fuß, mit dem Rad oder Roller zur Schule. Das Projekt möchten alle Beteiligten sehr gerne verstetigen.

Von Annabelle Wolfsturm
Verkehrspolitische Sprecherin der Grünen Fraktion in der BVV Tempelhof-Schöneberg