Unser Wahlprogramm für Tempelhof-Schöneberg

Kapitel 1 – Unser grüner Bezirk

Unser Bezirk ist mehr als ein Ort zum Wohnen. Er ist unser Alltag, der Weg zur Schule, der Park um die Ecke, der Schatten auf dem Gehweg, die sichere Kreuzung, die Luft, die wir atmen. Genau hier entscheidet sich, ob Klimaschutz spürbar wird – oder eine Debatte bleibt. Wir Grüne machen Politik so, dass sie im Kiez ankommt: konkret, gerecht für mehr Lebensqualität für jeden von uns.

Wir Bündnisgrüne haben in den letzten Jahren für Klima, Natur, Verkehrssicherheit und Lebensqualität und damit für die Menschen in Tempelhof-Schöneberg viel erreicht: Wir haben ein Klimaanpassungskonzept auf den Weg gebracht und tausende neue Straßenbäume gepflanzt. Wir haben Entsiegelung und Versickerung möglich gemacht und setzen diese Arbeit fort. Wir haben sichere Radwege und Fahrradstraßen gebaut, wir haben Schulwege sicherer gestaltet und mit der Parkraumbewirtschaftung den knappen Raum fairer verteilt. Darauf bauen wir auf, denn wir haben noch viel vor. Wir werden Klimaschutz im Bezirk konsequent umsetzen und dafür sorgen, dass Tempelhof-Schöneberg seinen Beitrag leistet, um die Klimaneutralität 2040 zu erreichen – damit unser Bezirk für alle Menschen, in allen Ortsteilen auch morgen lebenswert bleibt.

Unsere Ziele

  • Wir machen Grün zur Infrastruktur, pflanzen mehr Straßenbäume und schaffen und pflegen Grünflächen überall im Bezirk.
  • Wir sorgen für mehr Lebens- und Aufenthaltsqualität, indem wir die Stadtnatur stärken, Parks, Plätze und Wege aufwerten und Natur in der Stadt erlebbar machen.
  • Wir kühlen den Bezirk ab, mit mehr Bäumen und Schatten sowie Trinkbrunnen und kühlen Orten.
  • Wir machen Berlin zur Schwammstadt durch Entsiegelung und Regenwassernutzung gegen Trockenheit und Starkregen.
  • Wir schaffen sicheren, klimafreundlichen Verkehr, mehr Platz und Sicherheit für Fuß- und Radverkehr und einen besseren ÖPNV.

1.1 GRÜN IST INFRASTRUKTUR: BÄUME, PARKS UND GERECHTE VERTEILUNG

Grünflächen und Bäume sind in einer wachsenden Stadt keine Nebensache. Sie kühlen, filtern die Luft, halten Wasser in der Stadt und schaffen Räume, in denen man sich begegnen kann. Doch stehen die meisten unserer Stadtbäume unter Stress: jährlich schlimmer werdende Trockenheit, Baustellen, Feinstaub, Krankheiten und schlechte Standorte setzen ihnen zu. Hinzu kommt für Tempelhof-Schöneberg, dass Grün ist in unserem Bezirk ungleich verteilt ist. Wer in zubetonierten Kiezen wohnt, hat oft weniger Schatten, weniger Parks und weniger Aufenthaltsqualität. Genau deshalb ist Baumpolitik für uns auch soziale Politik: Wer wenig Schatten und wenige Parks hat, braucht zuerst mehr Schutz vor Hitze.

Wir Bündnisgrünen haben in den letzten Jahren geliefert: Allein 2025 haben wir 479 Straßenbäume neu gepflanzt. Zieht man die notwendigen Fällungen ab, ist der Bestand innerhalb eines Jahres um 205 Straßenbäume gewachsen – so stark wie in keinem anderen Berliner Bezirk. Durchschnittlich steht alle 11 Meter ein Straßenbaum in Tempelhof-Schönebergs Straßen. Wir schützen bestehende Bäume aber auch dort, wo Großbaustellen drohen, wichtigen Bestand zu zerstören. So haben wir am Tempelhofer Damm Fällanträge für über 50 Bäume, die teilweise 150 Jahre alt sind, abgelehnt und streiten mit dem Senat für Lösungen, die Baustelle und Baumerhalt zusammenbringen. Dabei machen auch kleine Maßnahmen einen Unterschied: Wir haben über 100 Baumscheiben vergrößert und damit mehr Raum für Wurzeln, Wasser und Wachstum geschaffen. Und wir machen mit Beispielen wie dem Perelsplatz in Friedenau sichtbar, dass grüne Politik Aufenthaltsqualität bedeutet. Damit wir Bäume, Parks und Spielplätze dauerhaft gut pflegen können, brauchen wir ein Grünflächenamt, das handlungsfähig ist. Wir setzen uns daher für mehr Personal ein und stärken die Straßen- und Grünflächenämter durch zweckgebundene Mittel auf Landesebene, damit Pflege, Bewässerung und Instandhaltung zuverlässig direkt vom Grünflächenamt erfolgen kann und nicht an Drittanbieter ausgelagert werden muss.

Wir wollen, dass die Politik Bäume besser schützt, nachpflanzt und pflegt – besonders dort, wo Grün am meisten fehlt. Dazu werden wir gemäß dem BäumePlusGesetz für jeden gefällten Baum drei Bäume nachpflanzen. Zugleich verbessern wir die Pflege und Standorte der Bäume, damit diese bei Umbauten von Anfang an mitgedacht werden. Besonders in stark versiegelten Quartieren bringen wir mehr Grün auf die Straße und setzen dort zuerst an, wo es am heißesten ist und wo Menschen am meisten unter Hitze leiden. Dabei wenden wir den Baumschutz konsequent an, setzen die strengen Fällverbote an besonders heißen Orten strikt um und sorgen auch gegenüber dem Land Berlin dafür, dass Zusagen eingehalten werden und Bäume nicht unnötig gefällt werden. Gemäß ihrem gesetzlichen Anspruch ermöglichen wir allen Bürger*innen die Bepflanzung von Baumscheiben und die Pflege junger Bäume ohne bremsende Bürokratie. Außerdem pflanzen wir mehr Obst- und Beerengehölze im öffentlichen Raum: Das stärkt die Artenvielfalt und macht Grün im Alltag erlebbar.  Wir setzen uns besonders für einheimische Bäume und Sträucher ein. Sie bieten Nahrung und Unterschlupf für Insekten, Vögel und kleine Tiere, verbessern den Boden und lassen Regen besser versickern. Einheimische Arten brauchen weniger zusätzliches Wasser, weniger Dünger und Pflanzenschutz und sind damit günstiger im Unterhalt und machen Städte widerstandsfähiger gegen Schädlinge und Hitze.

1.2 STADTNATUR UND LERNORTE: ARTENVIELFALT ERHALTEN, NATUR ERLEBBAR MACHEN

Die Artenvielfalt geht zurück. Wissenschaftler*innen sprechen von einem Massenaussterben. Wildpflanzen verschwinden, Insekten finden weniger Nahrung, Amphibien und Vögel wiederum finden weniger Insekten und die städtische Natur gerät unter Druck, weil Flächen knapp sind und Nutzung zunimmt. Und auch bei Menschen wächst das Bedürfnis nach einer gesunden, vielfältigen Stadtnatur: Sie wollen Orte, an denen Kinder entdecken können, wie Natur funktioniert. Sie wollen Grün, das beruhigt, schützt und den Alltag besser macht.

Wir Bündnisgrünen haben die Grünräume im Bezirk massiv gestärkt. Der Volkspark Lichtenrade zeigt bürgerschaftliches Engagement, wurde jahrelang von Ehrenamtlichen aufgebaut und gepflegt. Damit der Park gesichert werden kann und beispielsweise die regelmäßige Baumkontrolle vom Bezirk übernommen wird, haben wir uns dafür eingesetzt, dass der Volkspark als Grünanlage gewidmet wurde und ihn damit auch für die Zukunft gesichert. Außerdem haben wir dafür gesorgt, dass die Marienfelder Feldmark zum Landschaftsschutzgebiet entwickelt wurde und als solches ausgewiesen wird. Seltene und seit Jahren in Berlin nicht mehr dokumentierte Insektenarten sind nun dort wieder zu finden.

Wir begrüßen den Vorschlag, das leerstehende Klärwerk im Schichauweg nachhaltig zu entwickeln. Eine Umnutzung zum Beispiel als ökologisches Bildungszentrum, wie es das dort ansässige Unternehmensnetzwerk vorschlägt, unterstützen wir. Wir setzen uns dafür ein, dass der Bezirk mit den Berliner Wasserbetrieben die Voraussetzungen für diese Umnutzung schafft und eine gemeinsame Perspektive entwickelt wird.

Wir wollen Stadtnatur so schützen, dass sie im Alltag sichtbar und erlebbar wird. Das heißt, dass wir gezielt naturnahe Flächen fördern, beispielsweise Wildblumenwiesen, Sträucher und Hecken pflanzen. Diese bieten Insekten, Vögeln und anderen Wildtieren Schutz und Nahrung. Wir schaffen ein grünes Netz aus miteinander verbundenen Lebensräumen, das Tiere und Pflanzen schützt, ihre Wanderung ermöglicht und Isolation verhindert.

Zudem bauen wir Lern- und Naturorte aus und stärken Orte, an denen Kinder, Schulgruppen und alle Interessierten Natur niedrigschwellig und gut erreichbar erleben können. Wir setzen uns dafür ein, dass unsere bereits 100 Jahre alte Gartenarbeitsschule weiter auskömmlich finanziert wird und als Lernort und wunderbares Biotop erhalten bleibt. Auch stärken wir Gemeinschaftsgrünflächen und unterstützen Urban Gardening und gemeinschaftliche Grünprojekte als soziale Orte im Kiez. Dazu gehören auch Gemeinschaftskleingärten, damit mehr Menschen Zugang zu Gartenflächen bekommen – unabhängig davon, ob sie schon lange auf einer Warteliste stehen. Gleichzeitig verteilen wir Grün gerechter und setzen besonders dort an, wo Quartiere heute zu wenig Grün und zu wenig Schatten haben. Und wir sichern die Naturschutzstation Marienfelde dauerhaft und verstetigen Naturranger: So schützen wir Natur, erklären Zusammenhänge und schaffen Ansprechpersonen gerade dort, wo Nutzungskonflikte entstehen.

1.3 KÜHLEN STATT AUFHEIZEN: HITZESCHUTZ UND KLIMAANPASSUNG

Die Sommer werden heißer. Hitze ist dabei nicht nur unangenehm, sie kann gefährlich werden. In Großstädten wie Berlin ist die Belastung besonders hoch. Besonders leiden ältere Menschen, kleine Kinder, Schwangere und Menschen mit Vorerkrankungen. Dicht bebaute und asphaltierte Quartiere heizen sich schneller auf. Kühlende Bäume und schattige, grüne Rückzugsorte fehlen oft. Klimaschutz und Hitzeschutz sind deshalb kein Luxus, sondern Schutz unserer Gesundheit. Unser Ziel ist es, dass kein Mensch in Berlin an den Folgen von Hitze verstirbt.

Wir machen den Klimaschutz konkret und sozial gerecht. Klimaanpassung heißt für uns: Wir entwickeln den Bezirk so weiter, dass alle Menschen gut durch Hitze, Trockenheit und Startregen kommen.

Unser Bezirksbürgermeister hat ein Klimaanpassungskonzept auf den Weg gebracht, das an den Hitzeschutzplan des Berliner Senats anknüpft. Ziel ist es, Tempelhof-Schöneberg hitzeresilient, wassersensibel, grüner und sozial gerecht zu gestalten – durch eine Kombination aus städtebaulichen Maßnahmen, Begrünung und Regenwassermanagement. Dieses Konzept bündelt Maßnahmen und klärt Zuständigkeiten – für schnelle und zuverlässige Hilfe vor Ort. So werden wir die Schöneberger Linse zu einem verkehrsberuhigten Stadtteilzentrum entwickeln und im Akazienkiez für mehr Platz für Fußgänger*innen und eine lebendige Einkaufsstraße sorgen. Das Rathausumfeld haben wir mit Aufenthaltsflächen umgestaltet und wollen einen Südplatz für Menschen schaffen, der den Rudolf-Wilde-Park mit dem John-F.-Kennedy-Platz verbindet.

Wir sorgen dafür, dass Hitzeschutz und Klimaanpassung überall im Bezirk ankommen: auf Plätzen und in Parks, an Schulen, Haltestellen und Spielplätzen. Wir werden für mehr Schatten und Kühlung im öffentlichen Raum sorgen – mit Bäumen, Begrünung und Beschattung – und uns auf Landesebene dafür einsetzen, dass wieder Gelder für die Sanierung von Brunnen bereitgestellt werden. Wir legen die Schwerpunkte dort, wo Hitzeschutz sozial und ökologisch am wichtigsten ist. Damit erreichen wir die Ziele des Klimaanpassungsgesetzes und sorgen für gerechte Kühlung in der Stadt. So wollen wir die Umsetzung des neuen Verkehrskonzepts für das Schöneberger Dreieck vorantreiben und dabei insbesondere die Fritz-Reuter-Straße durch Entsiegelung und Bäume zur Klimastraße umbauen. Durch Verkehrsberuhigung und Schaffung neuer Aufenthaltsbereiche machen wir den Barbarossaplatz klimafit und ermöglichen eine hohe Aufenthaltsqualität für alle. Den Tempelhofer Parkfriedhof entwickeln wir zu einem Hitzeschutzpark mit viel Schatten und kühlen Orten. Wir unterstützen die rasche Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben des Berliner Klimaanpassungsgesetzes, die sicherstellen, dass alle Menschen im Bezirk in kürzester Zeit kühlende Grünflächen erreichen können. Zudem setzen wir uns auf Landesebene dafür ein, dass Trinkbrunnen weiter betrieben werden und das Angebot ausgebaut wird, damit Abkühlung kein Luxus, sondern für alle erreichbar ist. Darüber hinaus verbessern wir Orientierung und Unterstützung beim Thema Hitzeschutz – mit klaren Informationen, gut erkennbaren kühlen Orten und besserer Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen.

1.4 SCHWAMMSTADT: WASSER HALTEN, STARKREGEN ABPUFFERN, KIEZE STÄRKEN

Die Klimakrise bringt nicht nur Hitze und Trockenheit, sondern immer häufiger auch Starkregen mit sich. Dies stellt das bezirkliche Regenwassermanagement vor eine doppelte Herausforderung: Bäumen und Grün fehlt Wasser, bei Starkregen steigen die Risiken von Überflutungen. Dazu kommt, dass viele Flächen versiegelt sind, Wasser kaum versickern kann und die Stadt sich zusätzlich aufheizt. Wir brauchen mehr Flächen, die Wasser aufnehmen können. Wir müssen Regenwasser dort halten, wo es fällt und es dort versickern lassen, wo es möglich ist.

Wir Bündnisgrünen haben bereits Entsiegelung im Straßenland umgesetzt, kleinteilig und dezentral. In Lichtenrade beispielsweise haben wir neue Versickerungsmulden angelegt und in Schöneberg ehemalige Parkbuchten in der Langenscheidtstraße und der Bülowstraße entsiegelt. Das hilft den Bäumen und verbessert den Wasserhaushalt im Kiez.

Wir arbeiten daran, dass Tempelhof-Schöneberg Teil der „Schwammstadt Berlin“ wird. Dafür arbeiten wir enger mit der Regenwasseragentur zusammen. So bringen wir Projekte schneller auf die Straße, von Entsiegelung bis Regenwassernutzung. Das klingt technisch, gemeint ist aber etwas Einfaches: Wir sorgen dafür, dass Regenwasser nicht in der Kanalisation verschwindet, sondern unserem Bezirk beim Kühlen, beim Begrünen und beim Schutz vor Starkregen hilft. Dazu weiten wir die Entsiegelung aus und entfernen, wo es sinnvoll ist, Asphalt oder Beton, sodass Regenwasser wieder in den Boden versickern kann. Um die Zivilgesellschaft zu beteiligen, setzen wir uns für ein „Abpflastern“-Programm im Bezirk ein: mit einem öffentlichen Entsiegelungswettbewerb, einer digitalen Entsiegelungskarte und praktischer Unterstützung für Bürger*innen. Dafür braucht es zweckgebundene Landesmittel für Grünflächenämter – für wirksame Entsiegelung, mehr Stadtgrün und ein besseres Klima im Kiez. Zudem nutzen wir Regenwasser besser und schaffen mehr Anlagen, die Regen sammeln und Grünflächen versorgen, damit Bäume Trockenphasen besser überstehen. Insbesondere unterstützen wir Initiativen bei der Aufstellung von Regenwassertonnen. Kleingewässer in der Stadt müssen geschützt und regelmäßig kontrolliert werden, damit sie stabil bleiben. Sie sind oft sehr artenreich und bieten Amphibien, Insekten und Wasserpflanzen einen Lebensraum. So verbinden sie Grünflächen, erhöhen die Biodiversität und machen die Stadt widerstandsfähiger. Außerdem helfen sie beim Kühlen und nehmen bei Starkregen Wasser auf. In diesem Sinne setzen wir auch die durch den BaumEntscheid verbindlich geregelten Standards zum Ausbau naturnaher Stadtgestaltung konsequent um und etablieren feste Entsiegelungs- und Versickerungsquoten bei allen bezirklichen Baumaßnahmen.

1.5 DAS TEMPELHOFER FELD: FREIRAUM SCHÜTZEN, STADTKLIMA SICHERN

Das Tempelhofer Feld ist die grüne Lunge Berlins und ein Symbol dafür, was eine Großstadt zum Atmen braucht. Es kühlt die Umgebung, schafft Raum für Sport und Erholung und ist ein großes Kaltluftgebiet, das gerade in heißen Sommern eine spürbare Entlastung bringt. Gleichzeitig steht das Feld immer wieder unter Druck: Pläne für Bebauung werden reaktiviert, das eindeutige Ergebnis des Volksentscheids wird von den Senatsparteien relativiert.

Wir Bündnisgrüne haben uns dagegen klar und sichtbar für den Schutz des Feldes in seiner kompletten Größe ausgesprochen -in Debatten, in der Bezirksverordnetenversammlung, im Abgeordnetenhaus und im Austausch mit Initiativen. Jegliche Bebauung schließen wir aus. Eine Weiterentwicklung des Feldes, beispielsweise eine Erhöhung der Zahl der Bäume sowie der Bänke, ist für uns nur gemäß den Vorgaben des bestehenden Gesetzes zum Erhalt des Tempelhofer Feldes (THF-Gesetzes) denkbar, das das Feld vor Bebauung schützt. Wir arbeiten mit Engagierten zusammen und stützen uns auf das Wissen von Menschen, die das Feld seit vielen Jahren verteidigen und seine Nutzung für Erholung, Natur, Kultur und Sport ermöglichen. Wir haben außerdem begonnen, Freiräume stärker als Infrastruktur zu denken: als Orte, die Gesundheit, Begegnung und Stadtklima schützen.

Wir wollen, dass das Tempelhofer Feld frei bleibt. Wir setzen uns auf allen politischen Ebenen dafür ein, dass die Entscheidung der Berliner*innen beim Volksentscheid respektiert wird und dass Bebauungspläne nicht durch die Hintertür zurückkehren. Wir wollen das Feld als Grün- und Erholungsfläche im Sinne des Pflege- und Entwicklungsplans, der sich auf das THF-Gesetz stützt, weiterentwickeln – klug, fair und ohne seinen Charakter zu verändern. So bleibt das Feld das, was es für viele Menschen heute schon ist: Klimaraum, Freiraum und ein Stück öffentlicher Freiheit. Durch die Nutzung der ehemaligen Eisenbahnbrücke wollen wir einen südlichen Zugang für Fuß- und Radverkehr zum Tempelhofer Feld schaffen. Wir machen uns stark für die Beteiligung der Berliner*innen, unter anderem durch die gewählte Feldkoordination, und setzen uns dafür ein, dass die vielen unterschiedlichen Sportangebote, Bildungs-, Kultur-, Jugend- und weiteren Angebote ihre Arbeit auf dem Feld fortsetzen können.

1.6 SPIELPLÄTZE UND AUFENTHALT: ORTE FÜR KINDER, FAMILIEN UND NACHBARSCHAFTEN

Spielplätze sind Treffpunkte, Bewegungsorte, kleine Oasen und oft der wichtigste öffentliche Raum für Familien und Kinder, besonders in dicht bebauten Quartieren. Viele Spielplätze sind jedoch veraltet oder nicht ausreichend barrierefrei. Gleichzeitig fehlt es oft an Bänken, Schatten und guter Aufenthaltsqualität für Begleitpersonen. Wir wollen, dass Spielplätze im Bezirk sicher, inklusiv und einladend sind.

Wir haben stark an besseren Spielplätzen gearbeitet. Tempelhof-Schöneberg baut viele neue,  saniert viele bestehende Spielplätze und integriert barrierefreie Angebote. Und wir haben gezeigt, dass eine gute Finanzierung möglich ist: Zwei neue Spielplätze in Lichtenrade können wir unter anderem aus den Überschüssen aus der Parkraumbewirtschaftung bauen. Das zeigt, dass gerechte Flächenpolitik allen zugutekommt – auch Kindern und Familien.

Wir Bündnisgrünen wollen, dass Spielplätze zu schönen und sicheren Aufenthaltsorten für alle Familien werden, die Treffpunkt der Nachbarschaft und Platz zum Austoben sind. Gemeinsam entwickeln wir Spielplätze nach Bedarf, besonders dort, wo viele Kinder leben und wo Wohnungen eng sind. Zudem stärken wir Inklusion und denken Barrierefreiheit von Anfang an mit. Außerdem sorgen wir für mehr Schatten und Sitzplätze, damit Spielplätze auch an heißen Tagen gut nutzbar sind. Dazu gehört auch eine gute Beteiligung, die dafür sorgt, dass Menschen aus allen Ortsteilen mitreden können und Entscheidungen transparent sind. Wir bauen gemeinsam mit den Berliner Wasserbetrieben nach und nach Trinkbrunnen neben Spielplätzen im Bezirk. Das leicht zugängliche saubere Trinkwasser unterstützt Kinder, Familien und Jugendliche an heißen Tagen, reduziert Müll durch Einwegflaschen und hilft beim Geldsparen.

1.7 SAUBERER, SICHERER, KONFLIKTÄRMER: ÖFFENTLICHER RAUM, DER FUNKTIONIERT

Lebensqualität zeigt sich im Alltag auch daran, ob der Park sauber ist, ob der Winterdienst funktioniert, ob der Hundeauslauf klappt und ob sich alle im öffentlichen Raum wohl und sicher fühlen. Gerade dort, wo viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen, braucht es klare Regeln und gute Lösungen, die nicht gegen einzelne Gruppen arbeiten, sondern das Zusammenleben erleichtern.

Wir haben die Strukturen gestärkt, die den öffentlichen Raum praktisch besser machen. Unsere Parkläufer*innen sind dafür ein gutes Beispiel: Als Ansprechpersonen für alle Menschen in den Parks zeigen sie regelmäßig Präsenz, können Konflikte früh deeskalieren, Regeln verständlich vermitteln und bei Problemen wie z. B. Müll, Lärm oder Vandalismus schnell zu Lösungen führen. Sie sprechen Probleme früh an, vermitteln und helfen dabei, dass Parks Orte bleiben, an denen sich alle sicher fühlen. Dieses Angebot wollen wir verstetigen, u. a. im Volkspark Mariendorf.

Wir Bündnisgrünen wollen den öffentlichen Raum weiterentwickeln, ihn sauberer, sicherer und zugänglicher gestalten. Für mehr Sauberkeit setzen wir uns für Angebote wie eine jährliche kostenfreie Sperrmüllabholung pro Haushalt, dezentrale Sperrmülltage in allen Ortsteilen und BSR-Kieztage ein, damit Müllentsorgung im Alltag einfacher wird. Zur Vermeidung von Verpackungsmüll fördern wir Mehrwegangebote und setzen uns für eine berlinweite Steuer auf Einwegverpackungen, -geschirr und -besteck ein.

Außerdem braucht es eine stärkere Unterstützung des Senats für den Ausbau kostenloser öffentlicher Toiletten im Bezirk. Das gilt insbesondere für Sitztoiletten, die barrierearm zugänglich und mit kostenlosen Menstruationsprodukten ausgestattet sein müssen. Gleichzeitig setzen wir uns für die verlässliche Instandhaltung dieser Anlagen und für bessere Arbeitsbedingungen sowie eine faire Bezahlung des Reinigungspersonals ein.

Nicht zuletzt denken wir Tierschutz mit und sorgen für gute Hundeauslaufflächen und ihre Ausstattung im Kiez, damit Grünflächen entlastet werden und Konflikte abnehmen. Ergänzend stärken wir Reparatur- und Wiederverwendungs-Initiativen wie Repair-Cafés, Umsonstläden und Tauschbörsen: Wer repariert und teilt, spart Müll, Geld und Ressourcen – und stärkt das Miteinander im Kiez.

Der letzte Winter hat gezeigt, dass nicht alle Grundstückseigentümer*innen ihren gesetzlichen Verpflichtungen beim Winterdienst nachkommen. Daher setzen wir uns auf Landesebene für eine zentrale Räumung der Gehwege und Hochbordradwege durch die BSR ein. Tausalz ist keine Option und der private Einsatz zu Recht verboten, da es Baumwurzeln schädigt, Boden und Grundwasser belastet und Pfoten von Tieren angreift. Es braucht die rechtzeitige und systematische Räumung mit Einsatz von geeigneten Streumitteln.

1.8 SICHER UNTERWEGS: VERKEHR FAIR ORDNEN, UNFÄLLE VERMEIDEN, RECHT UMSETZEN

Der öffentliche Raum ist knapp – und vielerorts ungerecht verteilt. Kraftfahrzeuge beanspruchen den größten Teil der Flächen sowohl für das Fahren als auch das Parken. Für den Fuß- und Radverkehr bleibt oft zu wenig Platz. Das gefährdet insbesondere Kinder auf dem Schulweg, ältere Menschen, Menschen mit Kinderwagen oder Rollstuhl. Sie alle brauchen Platz und Sicherheit. Wo ausreichend breite und sichere Wege fehlen, entstehen häufig gefährliche Situationen – besonders dort, wo motorisierter Verkehr auf Fuß- und Radverkehr trifft. Unser Ansatz ist klar: eine gerechte Verteilung des öffentlichen Raumes und klare Regeln. Wir machen Straßen sicher und stellen dabei die Verkehrssicherheit der schwächsten Verkehrsteilnehmer*innen konsequent an erste Stelle. In der Vision Zero wird das Ziel beschrieben, dass niemand im Straßenverkehr stirbt oder schwer verletzt wird. Wir Grüne richten unsere Verkehrspolitik an Vision Zero aus, um diesem Ziel möglichst schnell näher zu kommen.

Wir Bündnisgrünen haben in Tempelhof-Schöneberg konkret an der Infrastruktur gearbeitet und gehören beim Radverkehr wieder zu den Top 3 der Bezirke. Wir haben wichtige Fahrradwege und Fahrradstraßen geschaffen oder weiterentwickelt – etwa in der Grunewaldstraße, der Boelckestraße, dem Mariendorfer Damm und dem Tempelhofer Damm, der Monumentenstraße, der Langenscheidtstraße und der Belziger Straße. Die Umgestaltung der Grunewaldstraße zu einer modernen Stadtstraße zeigt als Modellprojekt, wie sich unterschiedliche Interessen vorbildlich vereinbaren lassen: Sichere Radwege, bessere Bedingungen für Fußgänger*innen und zahlreiche gut angelegte Lieferzonen bringen Mobilität, Sicherheit und Wirtschaftsverkehr in Einklang miteinander. Mit dem Abfräsen des Kopfsteinpflasters am Priesterweg haben wir Neuland betreten: Die Nord-Süd-Radroute wurde deutlich komfortabler, das historische Pflaster blieb erhalten und Regenwasser kann weiter versickern. Das Projekt gilt inzwischen bundesweit als Blaupause und soll an weiteren Stellen im Bezirk folgen. Außerdem haben wir über 1.000 Fahrradstellplätze gebaut, damit sichere Wege auch sichere Ziele haben.

Die Bahnhofstraße in Lichtenrade ist historisch gewachsen: Leider ist aber die Infrastruktur im Boden nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Den nötigen Umbau nutzen wir, um die Straße in Zukunft noch ansprechender zu machen –mit barrierefreien Bushaltestellen, neuen Bäumen, Radwegen, Fußgängerüberwege und deutlich mehr Platz auf dem Gehweg. Beim Fußverkehr haben wir die Schulwegsicherheit ins Zentrum gestellt: Im Umfeld von neun Schulen haben wir den Verkehr beruhigt und es übersichtlicher gemacht, die Straßen zu überqueren. Besonders hervorzuheben ist die berlinweit erste erfolgreich erprobte Schulstraße an der Bruno-H.-Bürgel-Grundschule: Eine zeitlich begrenzte Sperrung der Straße, um den Elterntaxiverkehr zu reduzieren und Kindern einen sicheren, stressfreien Schulweg zu ermöglichen. Zudem haben wir die Parkraumbewirtschaftung ausgebaut. Mit neuen Zonen in der Gartenstadt Tempelhof und rund um das Krankenhaus St. Joseph sind alle Ortsteile innerhalb des S-Bahn-Rings nun parkraumbewirtschaftet. Wir führen den Ausbau der Parkzonen auch außerhalb des S-Bahn-Rings gezielt fort. So entsteht mehr Raum für klimafreundliche Mobilität und sichere Wege. Gleichzeitig wird die Luftqualität verbessert und der Parkdruck spürbar gesenkt. Das schafft mehr Ordnung und eröffnet Spielräume – für Bäume, sichere Querungen, Lieferzonen, bessere Haltestellen und Radwege.

Außerdem verankern wir neue Mobilitätsangebote und wollen Fahrrad-, Lastenrad und Car-Sharing Angebote gezielt ausbauen. Darüber hinaus setzen wir uns für die Einführung einer digitalen Parkraumüberwachung durch Scan-Cars ein und entlasten so die Ordnungsämter. Unser Bezirk ist dafür bereit und kann mit der digitalen Parkraumüberwachung unmittelbar starten, sobald der Senat die Voraussetzungen dafür schafft. Wir Bündnisgrünen wollen, dass das Mobilitätsgesetz insgesamt konsequenter umgesetzt wird, weil es genau das fordert, was Menschen im Alltag brauchen: sichere Wege und eine faire Verteilung des Straßenraums.

Wir Bündnisgrünen wollen, dass das Mobilitätsgesetz insgesamt konsequenter umgesetzt wird, weil es genau das fordert, was Menschen im Alltag brauchen: sichere Wege und eine faire Verteilung des Straßenraums.

Wir setzen uns auf Landeebene dafür ein, autozentrierte Strukturen im Bezirk wie dem Bundesplatz, dem Friedrich-Wilhelm-Platz, den Kreuzungsbereichen Alt-Mariendorf oder An der Urania perspektivisch zurückzubauen. Wir wollen am Innsbrucker Platz ein sicheres, bequemes Umsteigen zwischen Bahn und Bus sowie einen sicheren Rad-und Fußverkehr fördern. Wir wollen erreichen, dass diese und andere Plätze menschenfreundlicher, urbaner und grüner werden. Dabei arbeiten wir, wie zum Beispiel am Friedrich-Wilhelm-Platz, eng mit lokalen Initiativen zusammen. Hier setzt sich die Initiative für eine Wiederherstellung des Friedrich-Wilhelm-Platzes in seiner ursprünglichen Qualität sowie für eine sichere und sinnvollere Verkehrsführung um den Platz herum mit weniger Autoverkehr ein.

Sicher zu Fuß

Um Vision Zero mit Leben zu füllen, bauen wir unter anderem sichere Schulwege aus und machen Schulstraßen, gute Querungen und klare Sichtbeziehungen zum Standard. Gleichzeitig stärken wir die Infrastruktur für den Fußverkehr: mehr Bänke, öffentliche Toiletten und gut gestaltete, sichere Wege – denn zu Fuß unterwegs zu sein gehört für die meisten Menschen selbstverständlich zum Alltag. Dazu gehört für uns auch, dass Gehwege wirklich frei bleiben: ohne parkende Autos, abgestellte E‑Scooter oder andere Hindernisse, die den Platz zum Gehen einschränken oder zu unnötigen Stolperfallen werden. Auch bei Ampeln setzen wir auf Sicherheit: Wir setzen uns für längere Grünphasen an Fußgänger*innenampeln ein, damit auch, wer langsamer geht, sicher rüberkommt.

Ein besonderer Schwerpunkt ist der Schulcampus Marienfelde, den wir als Modellprojekt für mehr Schulwegsicherheit entwickeln wollen. Darüber hinaus richten wir neue verkehrsberuhigte Zonen ein, zum Beispiel als Spiel-, Nachbarschafts- oder Sommerstraßen. So entsteht mehr Platz für Begegnung und Sicherheit. Und wir wollen, dass Kreuzungen sicherer umgebaut werden: Unfallschwerpunkte wie Alt-Mariendorf, Attilaplatz, Friedrich-Wilhelm-Platz oder der Innsbrucker Platz müssen entschärft werden. Dabei bauen wir Kreuzungen weiter barrierefrei um: Absenkungen, sichere Querungen und klare Wege helfen allen, besonders aber Älteren und Menschen mit Einschränkungen.

Sicher mit dem Rad

Wir Grünen schließen die Lücken im Radwegenetz und schaffen sichere Verbindungen. Darüber hinaus setzen wir uns für getrennte Ampelschaltungen für Kraftfahrzeuge sowie den Fuß- und Radverkehr ein, um Verkehrsunfälle mit rechtsabbiegenden Kraftfahrzeugen zu vermeiden und die Sicherheit nachhaltig zu erhöhen. Wo das Fußverkehrsaufkommen gering ist, setzen wir auf den grünen Rechtsabbiegerpfeil für Radfahrende, um Wartezeiten zu verkürzen und das Radfahren attraktiver zu machen. Außerdem öffnen wir geeignete Einbahnstraßen für den Radverkehr in Gegenrichtung – das macht Wege kürzer und sorgt für klare, sichere Routen im Kiez. Nach der Monumenten-, der Langenscheidt- und der Belziger Straße wollen wir weitere Fahrradstraßen einrichten – genau dort, wo schon heute viele Menschen bereits mit dem Rad unterwegs sind. Unser Ziel ist klar: In jedem Ortsteil des Bezirks entsteht mindestens eine weitere, neue Fahrradstraße. So machen wir das Radfahren sicherer, attraktiver, gewinnen Raum für alle und stärken die Lebensqualität vor Ort.

Ein wichtiger Baustein der Mobilitätswende ist die Teltowkanalroute als Radschnellverbindung (RSV 6): Der schwarz-rote Senat hat die Planungen jedoch auf Eis gelegt. Wir setzen uns für die Wiederaufnahme ein, beteiligen uns aktiv an der Planung und treiben die Umsetzung voran. Zudem wollen wir eine weitere Radschnellverbindung vom Süden in den Norden prüfen lassen. Zudem setzen wir uns für den konsequenten Ausbau geschützter Radwege auf Hauptachsen wie der Marienfelder Alle, dem südlichen Abschnitt des Mariendorfer Damms sowie dem Lichtenrader Damm ein -für mehr Sicherheit, Komfort und eine klimafreundliche Mobilität. Zusätzlich schaffen wir neue Abstellmöglichkeiten für Fahrräder, auch für Lastenräder. Gehwege bleiben dabei für Fußgänger*innen frei. Unter anderem bauen wir das Angebot an Fahrradbügeln an bezirklichen Gebäuden deutlich aus. Die geschützten Fahrradboxen am Rathaus Schöneberg oder die Schließanlage am U-Bhf Alt-Mariendorf zeigen, wie moderne Abstellanlagen aussehen können. Wir setzen uns für Fahrradparkhäuser an stark frequentierten Bahnhöfen ein, etwa am Bhf-Südkreuz, um den Umstieg auf nachhaltige Mobilität zu erleichtern. Gleichzeitig schaffen wir zusätzliche Fahrradabstellflächen so, dass Gehwege frei bleiben – Radparken darf nicht auf Kosten von Menschen zu Fuß gehen. Deshalb haben wir auch mehr Fahrradbügel an bezirklichen Abstellmöglichkeiten geschaffen – mit Pilotbetrieb seit Ende 2022 am Rathaus Schöneberg, seit Anfang 2024 auch in Alt-Mariendorf. Weitere sind bereits in Planung.

Sicher unterwegs mit Bus, Bahn und Auto

Wir Bündnisgrünen wollen, dass Menschen im Alltag verlässlich unterwegs sind – mit einem starken ÖPNV, gut kombinierbaren Angeboten und klarer Ordnung im Straßenraum. Deshalb richten wir Jelbi-Standorte an allen S- und U-Bahnhöfen im Bezirk ein, damit der Umstieg klappt. Gleichzeitig schaffen wir klar ausgewiesene verkehrsberuhigte Kieze mit mehr Ruhe und mehr Aufenthaltsmöglichkeiten sowie sichere Wege vor allem für Kinder und ältere Mitmenschen gemeinsam mit Anwohner*innen. Die von den Bewohner*innen eingebrachten Anträge für Kiezblocks im Schöneberger Dreieck, dem Akazienkiez, dem Monumentenzugkiez, dem Tempelhoferkiez sowie rund um den Friedrich-Wilhelm-Platz und den Barbarossaplatz setzen wir weiterhin entschlossen um. In der Gartenstadt Neu-Tempelhof haben wir ein Modellvorhaben mit flächendeckender Verkehrsberuhigung gestartet, um zu zeigen, wie mehr Ruhe, Sicherheit und Lebensqualität zusammengehen.

Für mehr Sicherheit gehen wir konsequent gegen Raserei vor, besonders dort, wo viele Kinder unterwegs sind, und setzen uns für Tempo 30 ein, wo es Sicherheit und Lärmschutz verbessert – wenn fachlich möglich auch auf Hauptstraßen. Dazu gehört auch Ordnung im Straßenraum: Wir sorgen für Ordnung, denn Falschparken und zugeparkte Gehwege gefährden Menschen, besonders Senior*innen und Kinder sowie Menschen mit Mobilitätseinschränkungen wie blinde Personen. Auch das Parken von E-Scootern regeln wir konsequenter und gehen gegen das ordnungswidrige Abstellen von E-Rollern auf Gehwegen vor.

Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass das Land Berlin die bestehenden Konzessionen für E Scooter Sharing im Jahr 2027 nur dann verlängert, wenn klare Bedingungen erfüllt sind. Dazu gehört für uns vor allem als erster Schritt, dass insbesondere in Kiezen, wo wenig öffentlicher Raum zur Verfügung steht, E-Scooter und Leihräder nur noch an festen Stationen abgestellt werden. Auch außerhalb dieser Bereiche werden wir dafür sorgen, dass nicht ordnungsgemäß abgestellte Leihräder und E-Scooter für die Anbieter nicht ohne Konsequenzen bleiben. Dafür schaffen vor allem zusätzliche Jelbi Punkte geordnete, sichere Abstellmöglichkeiten, entlasten Gehwege und ermöglichen eine verlässliche Integration verschiedener Mobilitätsangebote. Wir setzen uns dafür ein, dass E-Scooter-Verleiher an der Finanzierung der Infrastruktur beteiligt werden.

Beim Land setzen wir uns für eine Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs ein, mit besserer Taktung, verlässlichen Busverbindungen und mehr Komfort, zum Beispiel durch Bänke an Haltestellen. Außerdem fordern wir ein Angebot wie den BVG-Rufservice Muva zurück, ein Fahrservice für mobilitätseingeschränkte Menschen, der im Frühjahr 2026 eingestellt wurde,  damit alle gut angebunden sind, auch ohne eigenes Auto.

Gegen den Tramstopp des schwarz-roten Senats setzen wir uns mit aller Kraft für den weiteren Ausbau des Straßenbahnnetzes ein. Konkret fordern wir eine Tramverbindung vom Potsdamer Platz über die Haupt-/Rheinstraße bis Rathaus Steglitz sowie eine weitere Tramverbindung von Alt-Mariendorf bis nach Lichtenrade , um den Süden des Bezirks leistungsfähig und klimafreundlich anzubinden. Zugleich wollen wir die Anbindung insgesamt stärken: Am S-Bahnhof Buckower Chaussee soll auch die Regionalbahn halten, und am Kamenzer Damm braucht es eine neue S-Bahn-Haltestelle.

Auch der Wirtschaftsverkehr – die Anlieferung von Waren und die Mobilität verschiedener handwerkliche Betriebe, die auf Kraftfahrzeuge angewiesen sind – profitieren von einer konsequenten Mobilitätswende ohne Stau auf den Straßen. Wie beim Bau des Fahrradweges am Tempelhofer Damm werden wir auch zukünftig dort, wo es notwendig ist, Ladezonen für Lieferfahrzeuge einrichten. Dabei unterstützen wir auch den Umstieg auf E-Fahrzeuge, bauen Ladepunkte aus, verbessern Park&Ride dort, wo es sinnvoll ist, und schaffen klare Lieferzonen in Geschäftsstraßen. Das entlastet Gehwege, hält Radwege frei und macht Lieferverkehr planbarer.

GRÜNE POLITIK, DIE IM KIEZ ANKOMMT

Wir Bündnisgrünen zeigen: Klima, Natur und Verkehr sind keine getrennten Baustellen. Sie gehören zusammen, weil unser Alltag zusammengehört. Hitzeschutz ist Gesundheitsschutz. Bäume sind Kühlung und Luftfilter. Sichere Radwege und gute Wege zu Fuß sind Klimaschutz und Schutz vor Unfällen zugleich und machen auch denen das Leben einfacher, die mit dem Auto fahren und keine Angst vor Unfällen mit Fahrrädern und Fußgänger*innen haben müssen. Und öffentliche Freiräume wie das Tempelhofer Feld sind der Ort, an dem Stadt lebenswert bleibt.

Wir Bündnisgrünen haben geliefert: mit Klimaanpassungskonzept, mit neuen Straßenbäumen, mit einem gesicherten Volkspark Lichtenrade, mit Entsiegelung und Versickerung, mit neuen Radachsen, mit über 1.000 Fahrradstellplätzen, mit Schulwegsicherheit an neun Schulen und mit einer faireren Verteilung des Straßenraums durch sichere Geh- und Radwege, Parkzonen und Entsiegelungen.

Nach dem Vorbild anderer Bezirke wollen wir die Gründung eines bezirklichen Klima-Beirats voranbringen. Der Klima-Beirat ist ein unabhängiges Gremium aus Vertreter*innen von Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Verwaltung sowie des Kinder- und Jugendparlaments. Er berät den Bezirk bei der Planung und Umsetzung von Klimaanpassungs- und Klimaschutzmaßnahmen. Aufbauend auf dem Klimaanpassungskonzept werden wir ein integriertes Klimaschutzkonzept entwickeln, das die notwendigen Maßnahmen für ein klimaneutrales Tempelhof-Schöneberg bis 2040 aufzeigt.

Davon unterstützt, werden wir in den nächsten fünf Jahren weiterhin dafür sorgen, dass der Bezirk abkühlt, statt sich aufzuheizen. Wir ordnen den Verkehr, statt Konflikte laufen zu lassen. Und wir schützen Freiräume, statt sie Stück für Stück zu verlieren. Unser Grüner Bezirk ist kein Fernziel. Er ist eine Entscheidung von den Menschen, die hier leben – jeden Tag, hier vor Ort.

Kapitel 2 – Unser Bezirk, der alle mitnimmt

Tempelhof-Schöneberg ist ein Bezirk der Vielfalt, des Zusammenhalts und der gelebten Solidarität. Wir Bündnisgrüne setzen uns dafür ein, dass alle Menschen hier sicher, selbstbestimmt und sichtbar leben können – unabhängig von Geschlecht, sexueller Identität, Herkunft, Alter, Behinderung oder sozialem Status.

Als Bezirk sind wir selbstverständlich ein Teil der europäischen Metropole Berlin mit seinen über 577.000 Europäer*innen, davon 272.000 EU-Bürger*innen, die hier wählen dürfen. Seit 1989 wächst mit Ost- und Westberlin auch Europa zusammen und Berlin ist ein besonderer Anziehungspunkt für Europäer*innen und Menschen aus der ganzen Welt: Wir fühlen uns hier zu Hause und als Teil einer gemeinsamen europäisch-internationalen Zivilgesellschaft. Wir begreifen diese Vielfalt als eine große Bereicherung für den Bezirk und nutzen sie als Chance, die Beziehungen zwischen Tempelhof-Schöneberg und Europa noch enger zu knüpfen. Für uns steht Europa für Frieden, gemeinsame Werte, Freizügigkeit und Solidarität sowie Klimaschutz und Nachhaltigkeit in einer globalisierten Welt.

Ein gutes Leben für alle braucht wirksamen Schutz vor Gewalt, niedrigschwellige soziale und gesundheitliche Angebote sowie verlässliche Unterstützung für Menschen in schwierigen Lebenslagen. Zentrale Voraussetzung dafür sind gute Bedingungen für Kinder und Jugendliche, ein selbstbestimmtes Leben im Alter, barrierefreie Zugänge und echte Teilhabe in allen Lebensbereichen. Eine vielfältige, diskriminierungssensible Verwaltung schafft dabei Vertrauen und stellt sicher, dass Leistungen für alle zugänglich sind.

Wir Bündnisgrüne stellen uns den zunehmenden demokratiefeindlichen Tendenzen entschieden entgegen. Wir verteidigen Menschenwürde und Vielfalt gegen Hass, Ausgrenzung und rechtsextreme Hetze und stärken Zivilgesellschaft, Prävention und Erinnerungskultur. So gestalten wir Tempelhof-Schöneberg als einen Bezirk, der zusammenhält – gerecht, vielfältig und zukunftsfest.

Unsere Ziele:

  • Wir verteidigen unsere Demokratie und Vielfalt entschlossen gegen Gewalt, Hass und jede Diskriminierung.
  • Wir ermöglichen Teilhabe für alle und stehen für eine vielfältige und gleichberechtigte Gesellschaft.
  • Wir kämpfen für soziale Sicherheit, die niemanden zurücklässt – unabhängig von Lebenslage, Alter und Einkommen.
  • Wir kämpfen für bezahlbare Wohnungen und gegen Verdrängung.
  • Wir stärken die gesundheitliche Prävention und bauen die Versorgung aus, weil Gesundheit eine Frage der Gerechtigkeit ist.
  • Wir stellen sicher, dass Menschen in jedem Alter selbstbestimmt und würdevoll leben können.

2.1 DEMOKRATIE VERTEIDIGEN – SOLIDARISCH, ANTIFASCHISTISCH, ENTSCHLOSSEN

Tempelhof-Schöneberg steht für Vielfalt, Offenheit und Solidarität. Diese Haltung ist keine Selbstverständlichkeit – sie braucht Mut. Denn auch in unserem Bezirk werden rechte Ideologien, Ausgrenzung und Hass wieder lauter, rechtsextreme Straftaten, antisemitische und antimuslimische Angriffe erreichen neue Höchststände, Dem stellen wir uns weiterhin konsequent entgegen und setzen uns für eine starke Prävention, konsequente Strafverfolgung und den Schutz von Betroffenen ein.

Wir beziehen klar Position gegen Rassismus, Antisemitismus, Queerfeindlichkeit, Antifeminismus, Ableismus und jede Form von Diskriminierung. Alle Menschen sollen in unserem Bezirk leben können – ohne Angst vor Einschüchterung, Hass oder Gewalt. Dazu hat unser Bezirksbürgermeister die bezirkliche Stelle des Beauftragten gegen Rechtsextremismus und gegen Antisemitismus gestärkt.

Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit, sie will gelernt und verteidigt werden. Deshalb stärken wir Demokratiebildung und Prävention im Bezirk – in Schulen, in der Jugendarbeit und in Angeboten für Erwachsene. Wir ermutigen alle Menschen dafür einzutreten, dass die Würde des Menschen und der gegenseitige Respekt unantastbar bleiben. Unser Bezirksbürgermeister hat den bezirklichen Präventionsrat weiterentwickelt. Wir setzen auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen allen Trägern der Prävention und den Strafverfolgungsbehörden. Wir unterstützen Schulen bei ihrer engagierten Arbeit gegen  Diskriminierung an Schulen . Das Thema geht uns alle an, auch über Generationen hinweg. So stärken wir auch Bildungsangebote für ältere Menschen als Teil einer wehrhaften Demokratie.

Auf Landesebene kämpfen wir weiter für ein Demokratiefördergesetz, das zivilgesellschaftliches Engagement dauerhaft absichert und den Vereinen, Verbänden und Initiativen einen klaren, sicheren Rahmen gibt. Im Bezirk setzen wir das Bundesprogramm “Gemeinsam in Tempelhof-Schöneberg – Demokratie leben!” konsequent um. Im Jahr 2026 fördern wir so zivilgesellschaftliche Projekte zur Stärkung der Demokratie vor Ort. Der Jugendfonds wird dabei eigenständig vom Kinder- und Jugendparlament entschieden, das wir ebenfalls stärken.

Die Registerstelle Tempelhof-Schöneberg, die extrem rechte und diskriminierende Vorfälle im Bezirk dokumentiert, und Beratungsstellen für Opfer rechter Gewalt sind wichtige Anlaufstellen, die zunehmend von Kürzungen bedroht sind. Diese stärken wir, damit sie ihrer wichtigen Arbeit nachkommen und Opfer unterstützen können.

Erinnerung ist Verantwortung. Wir sichern und entwickeln die Erinnerungs- und Gedenkkultur im Bezirk weiter, machen Geschichte im eigenen Kiez sichtbar und arbeiten koloniale Kontinuitäten auf.

So zeigen wir klar: Tempelhof-Schöneberg steht für ein solidarisches und demokratisches Miteinander – heute und in Zukunft

2.2 QUEERES LEBEN STÄRKEN – SICHER UND SICHTBAR IM GANZEN BEZIRK

Im Regenbogenkiez rund um den Nollendorfplatz schlägt das Herz der Regenbogenhauptstadt – historisch einzigartig, Sehnsuchts- und Zufluchtsort und bis heute prägend für den Bezirk. Doch Angriffe auf queere Menschen oder das queere Mahnmal am Nollendorfplatz machen deutlich, dass queeres Leben und queere Gedenkorte zunehmend unter Druck stehen. Für uns ist klar: Wir schützen unseren vielfältigen Bezirk.

Um queere Menschen, queere Lebensentwürfe, queere Einrichtungen und Gedenkorte zu schützen, sichern wir die Präventionsarbeit, verlässliche Unterstützung für Betroffene sowie starke Schutz- und Beratungsstrukturen. Rund um den Regenbogenkiez bauen wir niedrigschwellige soziale Kiezprojekte wie die Nachtlichter aus, stärken die Arbeit des bezirklichen Präventionsbeauftragten und arbeiten eng mit Initiativen, Gastronom*innen und Anwohnenden zusammen. Diese Schutzstrukturen strahlen auf die ganze Stadt aus. Deshalb erwarten wir vom Land Berlin auch ein klares Bekenntnis, vor allem durch eine dauerhafte und verlässliche Finanzierung.

Sicherheit entsteht dort, wo Menschen gemeinsam Verantwortung übernehmen. Wir wollen mit Projekten wie dem „Nachtbürgermeister“, „Noteingänge“ und dem „Nachtcafé“ als sozialarbeiterischen Raum dafür sorgen, dass den Menschen vor Ort geholfen wird. Den Einsatz der mobilen Nachtlichter als Ansprechpersonen im öffentlichen Raum wollen wir verstetigen und die Zusammenarbeit mit L-Support, MANEO und der Gastronomie vor Ort absichern und ausbauen.

Unser Bezirksbürgermeister und unsere Stadträtin haben dafür gesorgt, dass queeres Leben im Schöneberger Norden so sichtbar wie nie zuvor geworden ist: die Aufstellung von Regenbogenbänken, Parkscheinautomaten mit der Pride Flag und Pride Flags im Pride Month in der Motzstraße sind nur einige Beispiele dafür. Wir haben außerdem den Preis für queere Lebensweisen ins Leben gerufen.

Queeres Leben braucht aber auch Orte der Begegnung und Unterstützung. Bildungs- und Beratungsangebote, die Arbeit mit queeren Jugendlichen und die Beratung von Regenbogenfamilien geben Halt in ganz unterschiedlichen Lebenslagen. Daher ist das queere Jugendzentrum in Tempelhof einer unserer größten Erfolge der letzten fünf Jahre. Unser nächstes Ziel ist ein zweites queeres Jugendzentrum weiter südlich im Bezirk. Den Regenbogenkiez entwickeln wir weiter als Wirtschafts-, Kultur- und Communitystandort – offen, vielfältig und einladend für alle. Ein Schwerpunkt unserer Arbeit liegt dabei auf dem Kampf gegen Verdrängung. Immer mehr Institutionen des Kiezes müssen wegen Immobilieninvestor*innen schließen – so beispielsweise auch das Café Berio. Deshalb tun wir alles im Rahmen unserer bezirklichen Möglichkeiten, um die queere Kiezkultur zu erhalten und auch auf Landesebene werden wir eine starke Stimme für eine zielgenaue Regulierung bei den (Gewerbe-)Mieten und der Wirtschaftsförderung sein.

Seit mittlerweile drei Jahren ist Tempelhof-Schöneberg mit einem eigenen Wagen beim Christopher Street Day vertreten. Das zeigt: Vielfalt, Sichtbarkeit und queeres Leben gehören selbstverständlich zu unserem Bezirk.

Queere Geschichte ist fester Bestandteil unseres Bezirks. Gemeinsam mit Initiativen aus der Community sichern, pflegen und erweitern wir queere Gedenkorte und verankern queere Erinnerungskultur nachhaltig in Tempelhof-Schöneberg. Wir werden einen offiziellen Erinnerungsort zum Gedenken an die Menschen schaffen, die an den Folgen von AIDS gestorben sind.

Lesbische Sichtbarkeit stärken wir im gesamten Bezirk weiter. Auch der Regenbogenkiez ist männlich geprägt. Wir wollen in den nächsten fünf Jahren dafür Sorge tragen, dass es neben der BEGINE einen weiteren Frauen- und Lesbentreffpunkt geben wird. Das Café „Romeo und Romeo“ , das wir mit großer Zuneigung unterstützen, ist eine Selbstverständlichkeit. Daneben muss aber ein Restaurant oder Treffpunkt „Julia und Julia“ Wirklichkeit werden. Es darf nicht sein, dass Frauen sich ins Private zurückziehen. Sie haben den gleichen berechtigten öffentlichen Anspruch wie schwule Männer.

Queere Lebensrealitäten verändern sich mit dem Alter – deshalb sichern und fördern wir Orte und Veranstaltungen für Lesben in jedem Alter. Mit Angeboten für Teilhabe, Austausch zwischen den Generationen und Begegnung im Kiez wirken wir der Einsamkeit älterer queerer Menschen entgegen.

Mit Fortbildungen und der Weiterentwicklung der Initiative „Berlin tritt ein für Selbstbestimmung und Akzeptanz geschlechtlicher und sexueller Vielfalt“ (IGSV) wird eine queer-sensible Verwaltung im Bezirk spürbar.

So schaffen wir ein Tempelhof-Schöneberg, in dem queere Menschen sichtbar und ohne Angst leben können.

2.3 GLEICHSTELLUNG LEBEN – SCHUTZ UND SELBSTBESTIMMUNG FÜR MÄDCHEN UND FRAUEN

Der Alltag von Frauen in Tempelhof-Schöneberg ist vielfältig. Feministische Bezirkspolitik heißt für uns, Tempelhof-Schöneberg so zu gestalten, dass Frauen hier selbstbestimmt leben können – frei von Gewalt, Diskriminierung und sozialer Ausgrenzung. Dafür arbeiten im Bezirk engagierte Beratungsstellen, Initiativen und die bezirkliche Gleichstellungsarbeit eng zusammen.

Ein zentrales Anliegen bleibt der Schutz vor Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Wir setzen uns weiterhin dafür ein, die bestehenden Angebote im Gewaltschutz verlässlich zu stärken und konsequent weiterzuentwickeln.

Wir stärken bezirkliche Einrichtungen wie die Frauenberatung TARA für gewaltbetroffenen Frauen und das interkulturelle Frauenzentrum S.U.S.I. für Frauen mit Migrations- oder Fluchterfahrung. Sie leisten unverzichtbare Arbeit für Schutz, Beratung und Selbstbestimmung von Frauen. Wir setzen uns zusätzlich für Präventionsprogramme ein, in denen Kinder und Jugendliche altersgerecht erlernen, unterschiedliche Formen von Gewalt nicht zu normalisieren, und ermutigt werden, Hilfe und Rat einzuholen. Wir wollen ihre Angebote sichern, stärken und weiter ausbauen – damit Tempelhof-Schöneberg ein Bezirk bleibt, in dem Frauen Unterstützung finden, ihre Rechte wahrnehmen können und Solidarität konkret erlebbar ist.

Dazu gehört, mehr Plätze in Frauenhäusern und Schutzwohnungen zu schaffen und Prävention dort auszubauen, wo sie Frauen konkret erreicht. Mit einem bezirklichen Aktionsplan zur Umsetzung der Istanbul-Konvention sorgen wir dafür, dass Schutz, Beratung und Prävention besser ineinandergreifen und Frauen schneller und wirksamer unterstützt werden.

Auch für Sexarbeitende kämpfen wir für Schutz, bessere Arbeitsbedingungen und verlässliche Unterstützung. Beratung, Gesundheitsvorsorge und aufsuchende Sozialarbeit sind dabei zentrale Bausteine. Die Maßnahmen des “Runden Tisch Sexarbeit” müssen mit Unterstützung der Landesebene weiter umgesetzt werden. Vor allem trans Sexarbeitende sind einem erhöhten Risiko von Gewalt ausgesetzt. Wir setzen uns daher weiter für die Einrichtung eines sozialen Nachtcafés, eine bessere Straßenbeleuchtung sowie ausreichend sanitäre Angebote ein, um die Situation rund um die Kurfürstenstraße für Sexarbeitende und Anwohnende spürbar zu verbessern und Konflikte im Alltag zu entschärfen.

Frauen tragen noch immer den größten Teil der Fürsorgearbeit in Familien – viele von ihnen als Alleinerziehende sogar ganz alleine. Mit dem Ausbau der bezirklichen Angebote für Alleinerziehende sorgen wir dafür, dass sie echte Unterstützung finden angesichts der täglichen Belastung, wie sie Erwerbs- und Fürsorgearbeit vereinbaren können.

Gleichzeitig wissen wir, dass Armut, unsichere Lebenslagen und Wohnungslosigkeit Frauen besonders hart treffen. Frauen in der Obdachlosigkeit bleiben dabei oft unsichtbar. Wir nehmen sie gezielt in den Blick, stärken präventive Ansätze und entwickeln Unterstützungsangebote weiter, die im Alltag ankommen und Frauen frühzeitig Stabilität geben. Dazu bauen wir auch die Angebote des Bezirksamtes zur finanziellen Bildung von Frauen weiter aus, die im Frauenmärz begeistert angenommen wurden und die Frauen bei der Sicherung ihrer finanziellen Unabhängigkeit unterstützen.

Ein gutes Leben braucht gleichberechtigten Zugang zu Gesundheit, Bildung und Beratung. Wir bauen Beratungsangebote aus, setzen uns für Familienzentren als niedrigschwellige Anlaufstellen ein und fördern niedrigschwellige Bildungsangebote. Außerdem setzen wir neue Impulse bei der Frauengesundheit an der Volkshochschule und in spezialisierten Beratungsstellen. Auch die Arbeit der Stadtteilmütter gehört zu den tragenden Säulen einer feministischen Infrastruktur, die wir verlässlich weiterentwickeln.

 Besonders TINA-Personen (trans*, intergeschlechtliche, nicht-binäre und agender Personen) erleben in Gesundheitseinrichtungen noch immer Diskriminierung und mangelnde Sensibilität. Wir setzen uns deshalb im Bezirk für mehr Aufklärung, Sensibilisierung und Fortbildung von medizinischem Personal ein, damit gesundheitliche Versorgung für alle geschlechtergerecht, respektvoll und diskriminierungsfrei zugänglich ist.

Die Bündnisgrüne Fraktion setzt sich dafür ein, dass Menstruationsprodukte in öffentlichen Einrichtungen des Bezirks kostenlos bereitgestellt werden. Besonders an Schulen sollen kostenlose Periodenartikel verfügbar sein.

Unsere feministische Bezirkspolitik hat Mädchen und Frauen in Tempelhof-Schöneberg in jeder Lebenslage und in jedem Alter im Blick. Wir orientieren uns an einem intersektionalen Ansatz, der Frauen mit verschiedenen Diskriminierungserfahrungen in den Blick nimmt. Von der Förderung von Mädchen und jungen Frauen mit bewährten Formaten wie dem Girls Day und dem Weltmädchentag, die Mut machen und Perspektiven eröffnen. Bis hin zu Maßnahmen gegen Einsamkeit, die speziell an den Bedürfnissen älterer Frauen ausgerichtet sind.

Wir unterstützen gezielt Frauen auf dem Weg in die Selbstständigkeit und setzen uns für eine gleichberechtigte Wirtschaftsförderung ein. Zugleich gestalten wir den öffentlichen Raum so, dass Frauen sich darin wiederfinden und ihn selbstverständlich nutzen können – sichtbar in Straßennamen, geschützt etwa durch eigene Schwimmzeiten für Frauen. Dazu gehört auch eine bessere und sichere Beleuchtung von Straßen, wichtigen Durchwegungen in Parks und dunklen Wegen im gesamten Bezirk, damit FLINTA-Personen jeden Alters sich angstfreier im öffentlichen Raum bewegen können. Beim Ausbau achten wir auf naturfreundliche Beleuchtung mit geringem Ultraviolett- und Blauanteil, um die Tierwelt in unseren Grünanlagen wirksam zu schützen.

Für ein selbstbestimmtes und sicheres Leben für alle Frauen in Tempelhof-Schöneberg.

2.4 TEILHABE ERMÖGLICHEN – ANKOMMEN, MITGESTALTEN UND GEHÖRTWERDEN

Tempelhof-Schöneberg ist ein Bezirk, in dem viele Menschen neu ankommen und ihr Leben neu aufbauen. Migration und Vielfalt gehören zum Bezirk – den Kiezen, Schulen, Vereinen und Betrieben. Entscheidend für Teilhabe ist, dass alle Menschen hier mitreden und Perspektiven entwickeln können.

Für uns ist klar: Menschenwürde und Menschenrechte gelten für alle. Damit Teilhabe gelingt, sichern und stärken wir Erstorientierung, soziale Beratung und niedrigschwellige Anlaufstellen für Menschen mit Migrations- und Fluchtgeschichte. Diese Angebote sind mehrsprachig, wohnortnah und nah an den Lebensrealitäten der Menschen.

Um die Orientierung in der ersten Zeit nach der Ankunft zu erleichtern, verbessern wir die Erreichbarkeit und Bekanntheit bestehender Beratungsstellen. Wir stärken die bezirkliche Beratung durch Menschen mit eigener Migrationsgeschichte.

Sprache ist der Schlüssel zur Teilhabe. Und auch wenn zahlreiche Organisationen und Vereine im Bezirk mit kostenlosen Deutschkursen niedrigschwellige Zugänge ermöglichen, muss die Finanzierung von Sprachkursen auf allen Niveaus nachhaltig gesichert werden.

Geflüchtete Kinder und Jugendliche brauchen von Anfang an faire Bildungschancen. Daher setzen wir uns dafür ein, dass geflüchtete Kinder schnellstmöglich eingeschult werden. Wir wollen eine schnelle Einschulung und einen möglichst frühen Wechsel von Willkommens- in Regelklassen. Schulen, die trennen anstatt zu verbinden, wie die Container-Schule am Tempelhofer Damm, müssen aufgelöst werden.

Teilhabe bedeutet auch berufliche Perspektiven. Wir verbessern berufliche Chancen für Geflüchtete, indem wir Projekte zur Qualifizierung und zum Übergang in den Beruf fördern und Kooperationen mit der Wirtschaft stärken. Besonders wichtig sind dabei lokale Unternehmensnetzwerke.

Ein starkes Fundament für Teilhabe bildet die Zivilgesellschaft. Ehrenamtliches Engagement – etwa durch Lesepatenschaften mit Geflüchteten oder Patenschaften für gegenseitigen Kulturaustausch – schafft Begegnung und Vertrauen. Orte wie das Interkulturelle Haus ermöglichen Beratung, Bildung und Austausch und stellen dafür bereits heute kostenfrei Räume und Infrastruktur zur Verfügung. Räume sind leider knapp- wir kümmern uns darum, dass bezirkliche Gebäude vielfältig genutzt werden können.

Wir unterstützen soziale Projekte für Geflüchtete – etwa Gemeinschaftsgärten, Sport- und Bewegungsangebote für jugendliche Geflüchtete oder andere soziale Projekte, die Begegnung ermöglichen und Stabilität im Alltag schaffen.

Bei der Unterbringung setzen wir auf dezentrale Lösungen statt Massenunterkünfte. Geflüchtete sollen bei der Wohnungssuche unterstützt werden, Notunterkünfte für Wohnungslose müssen endlich auf Qualitätsstandards verpflichtet und weiterentwickelt werden. Wir wollen Unterkünfte, die sauber sind, in denen alle ausreichend Platz haben und es sozialarbeiterische Unterstützungsangebote gibt. Der flächendeckend installierte WLAN-Ausbau in Gemeinschaftsunterkünften verbessert den Zugang zu Information, Bildung und Kontakt.

Der Bedarf an medizinischer und psychosozialer Versorgung ist hoch. Überfüllte Praxen und drohende Kürzungen verschärfen die Lage. Deshalb soll in der Geflüchtetenunterkunft im ehemaligen Flughafen Tempelhof ein sogenannter Medipoint eingerichtet und so die psychosoziale Versorgung Geflüchteter gestärkt werden.

Eine Bezahlkarte für Asylbewerberleistungen in Tempelhof-Schöneberg lehnen wir ab.

Partizipation schafft Zusammenhalt – und aus Tempelhof-Schöneberg einen Bezirk, in dem alle dazugehören und die Zukunft miteinander gestalten.

2.5 SELBSTBESTIMMT LEBEN – BARRIEREN ABBAUEN, TEILHABE SICHERN

Inklusion zeigt sich im Alltag: Ob ein Kind auf dem Spielplatz mitspielen kann, ob der Schulweg barrierefrei ist, ob ein Amtstermin verständlich abläuft. In Tempelhof-Schöneberg schaffen wir einen Bezirk, in dem Menschen mit Behinderungen ihr Leben selbstbestimmt führen können.

Dazu gehört selbstbestimmtes Wohnen. Wir unterstützen den Ausbau eigenständiger Wohnformen für Menschen mit Behinderung und setzen das Bundesteilhabegesetz im Bezirk konsequent um. Wir sehen das geplante “Haus der Teilhabe” – als zentralen Baustein: ein leicht zugänglicher, sichtbarer Ort als feste Ansprechstelle für Beratung, Vernetzung und Unterstützung gerade auch für junge Menschen mit Behinderung.

Damit Teilhabe nicht am Behördendschungel scheitert, wollen wir Anträge und Formulare reduzieren und Nachweispflichten durch Stichproben ersetzen. Wir setzen auf einfache Wege, auch über Behörden hinweg, sowie die Nutzung Leichter Sprache bei der Kommunikation mit der Verwaltung.

Auch der öffentliche Raum muss für alle nutzbar sein. Wir bauen Barrieren ab – an Baustellen, im ÖPNV und in öffentlichen Gebäuden. Abgesenkte Bordsteine, Blindenleitsysteme und verlängerte Ampelphasen sorgen dafür, dass Wege sicher und barriereärmer werden. Außerdem setzen wir uns dafür ein, dass der Senat flächendeckende Signalgeber an Ampeln für sehbehinderte und blinde Personen im Bezirk installiert.

Für Kinder heißt Inklusion: gemeinsam spielen und lernen. Deshalb schaffen wir mehr inklusive Spielplätze und bauen bestehende entsprechend um. Schulen entwickeln wir als inklusive Bildungsorte weiter – mit barrierefreien Gebäuden, Hörschleifen, Leitsystemen und der Stärkung von Lehrkräften. Damit Teilhabe nicht am Schulweg scheitert,  setzen wir auf den grundlegenden Abbau von Hürden und setzen die Finanzierung von Fahrdiensten für Schüler*innen mit Behinderung fort.

 Mit dem Grünen Bezirksbürgermeister als Schirmherr des bewährten Fachgesprächs „Irre gut wohnen für alle“ setzen wir uns für ein Tempelhof-Schöneberg ein, das für alle zugänglich, lebenswert und gerecht ist.

2.6 GUTE SOZIALPOLITIK FÜR EIN GUTES LEBEN IN TEMPELHOF-SCHÖNEBERG

Ein gutes Leben in Tempelhof-Schöneberg braucht eine verlässliche und unterstützende Sozialpolitik. Viele Menschen stehen vor Herausforderungen durch steigende Mieten, Armut, Einsamkeit oder eine plötzlich auftretende Pflegesituation. Der soziale Kahlschlag des schwarz-roten Senats ist auch in unserem Bezirk deutlich spürbar. Deshalb übernehmen wir Verantwortung und gestalten soziale Sicherheit aktiv.

Ein starkes Sozialamt ist dafür zentral. Dem seit Jahren bestehenden Personalmangel begegnen wir mit konsequenter Personalgewinnung und -entwicklung, dem Ausbau von Fort- und Weiterbildungsprogrammen sowie gestärkten Quereinsteiger*innen-Programmen. Wir bauen Bürokratie ab, gestalten Verfahren verständlicher und verbessern den Zugang zu Informationen. Mit aufsuchender, serviceorientierter Beratung sorgen wir dafür, dass Unterstützung im Alltag ankommt. Besonders berücksichtigen wir die Bedürfnisse von Menschen mit geringer Lese- und Schreibsicherheit– durch Beteiligung an Alpha-Bündnissen und Amtsschreiben in leichter Sprache.

Für mehr Chancengerechtigkeit stärken wir Beratungs- und Unterstützungsangebote für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, insbesondere aus benachteiligten Gruppen. Wichtige Themen sind dabei finanzielle Absicherung, Wohnungssuche und die berufliche Orientierung, Gleichzeitig ist ein zentraler Baustein die Bekanntmachung bestehender Angebote. Wir verbessern den Zugang zu Leistungen, beispielsweise des Bildungs- und Teilhabepakets (BuT), indem wir sie aktiv und zielgruppengerecht bewerben – beispielsweise durch mehrsprachiges Infomaterial in Stadtteilzentren und Geflüchtetenunterkünften.

Um Obdachlosigkeit strukturell zu lösen, setzen wir auf mehr Unterstützungsangebote, 24-Stunden-Unterkünfte, den Ausbau von Housing-First-Ansätzen, barrierefreie Plätze sowie einen verbesserten Hitze- und Kälteschutz. Die zentrale Herausforderung ist hier die Raumknappheit in Berlin. Darum setzen wir uns berlinweit dafür ein, den landeseigenen Wohnungsbestand konsequent sozial auszurichten.

Zum guten Leben gehört auch, dass Fürsorgearbeit nicht überfordert. Pflege ist für viele Familien Teil des Alltags. Wir setzen uns gezielt für die Entlastung pflegender Angehöriger ein. Wir bauen einen Pflegestützpunkt im Süden des Bezirks, etwa in Lichtenrade, auf und stärken gut erreichbare und verständliche Beratungsangebote. Mit einer integrierten, leicht nutzbaren Informationsplattform schaffen wir Orientierung und leichtere Zugänge.

Soziale Sicherheit entsteht im Miteinander im Kiez. Doch steigende Mieten gefährden zunehmend die Arbeit sozialer Träger. Wir setzen uns dafür ein, dass landeseigene Immobilien sozialen Trägern Vorrang bei der Vermietung einräumen. Dem sozialen Kahlschlag des schwarz-roten Senats setzen wir im Bezirk eine soziale Ausrichtung entgegen. Soziale Leistungen und Angebote gehen vor– auch in finanziell angespannten Zeiten.

So ermöglichen wir ein gutes Leben für alle und ein solidarisches Miteinander – für einen Bezirk, der niemanden zurücklässt.

2.7 BEZAHLBARES WOHNEN FÜR ALLE

Wohnen ist ein Grundrecht – doch in Tempelhof-Schöneberg wird es für immer mehr Menschen zum Luxus. Unser Bezirk ist zunehmend von steigenden Mieten, Verdrängung und Leerstand betroffen. Wir Grüne kämpfen für ein Tempelhof-Schöneberg, in dem alle ein sicheres und bezahlbares Zuhause finden. Dafür braucht es starke Regeln, mutige Entscheidungen und eine Verwaltung, die entsprechend ausgestattet und gestärkt konsequent für die Menschen im Bezirk arbeiten kann. In Tempelhof-Schöneberg werden die Mieten immer weiter erhöht – besonders in beliebten Kiezen wie rund um den Viktoria-Luise-Platz, den Nollendorfplatz oder in Friedenau. Doch während große Wohnungsunternehmen Rekordgewinne einfahren, kämpfen Mieter*innen um ihre Existenz. Wir Grüne sagen: Das darf nicht sein. Wir fordern ein bezirkliches Mietmonitoring, das Transparenz schafft und überhöhte Mieten sichtbar macht. Wir setzen uns auf Landesebene für ein Bezahlbare-Mieten-Gesetz ein, das überhöhte Mieten und spekulative Geschäftsmodelle wirksam bekämpft. Wo Vermieter*innen gegen geltendes Recht verstoßen, müssen harte Konsequenzen folgen – bis hin zur Zwangsverwaltung von Wohnungen.

Doch Kontrolle allein reicht nicht. Wir wollen kostenlose Beratungsangebote für Mieter*innen flächendeckend ausbauen und besser zugänglich machen. Wir setzen uns dafür ein, dass die landeseigene Mietpreisprüfstelle auch in Tempelhof-Schöneberg mit einem gut erreichbaren Standort vertreten ist. Betroffene sollen bei Verdacht auf Mietpreisüberhöhung, Mietwucher oder rechtswidrige Mieterhöhungen schnell und unbürokratisch Hilfe erhalten. Verfahren gegen überhöhte Mieten wollen wir gezielt unterstützen, um mehr Rechtssicherheit zu schaffen und die Durchsetzung für Mieter*innen und Verwaltung zu erleichtern. Sobald der von uns geforderte Mietendeckel auf Bundesebene umgesetzt wird, sind wir so startbereit, seine Einhaltung zu überprüfen. Vulnerable Gruppen – wie Alleinerziehende, Senior*innen oder Menschen mit Behinderungen – brauchen besonderen Schutz. Wir setzen uns dafür ein, dass sie bei Wohnungsverlust durch Eigenbedarfskündigungen oder Verdrängung gezielte Unterstützung erhalten und im Notfall bei den Landeseigenen Wohnungsunternehmen prioritär Ersatzwohnraum erhalten.

Während tausende Menschen in Tempelhof-Schöneberg verzweifelt nach einer Wohnung suchen, stehen Häuser aus Spekulation monatelang leer oder es werden dort Ferienwohnungen vermietet. Wir wollen Leerstand konsequent ahnden und setzen uns auf Landesebene für ein stärkeres Zweckentfremdungsverbot ein: Wer Wohnraum länger als sechs Monate leer stehen lässt, muss mit Zwangsverwaltung rechnen. Wer Wohnraum ausschließlich als Ferienwohnungen vermietet, soll hohe Bußgelder zahlen.

Ein großes Problem auf dem Wohnungsmarkt sind die möblierten Vermietungen auf Zeit. Diese überteuerten Wohnungen werden dem regulären Wohnungsmarkt entzogen. In den Vermietungsportalen machen diese möblierten Wohnungen über die Hälfte der Angebote aus. Wir werden auf Landesebene möbliertes Wohnen auf Zeit stark eindämmen, damit die entsprechenden Wohnungen wieder unmöbliert dem normalen Wohnungsmarkt zugeführt werden.

Die Arbeitswelt hat sich verändert, viele Menschen arbeiten statt im Büro aus dem Homeoffice. Das hat zu einem extremen Leerstand von Büroflächen geführt. Wir wollen Pilotprojekte initiieren, um diese Potenziale in Mischgebieten auch für Wohnraum zu nutzen– ohne neue Flächen zu versiegeln. Gleichzeitig setzen wir uns dafür ein, dass leerstehende Ladenlokale an soziale Träger, Kulturinitiativen oder Nachbarschaftsprojekte vermietet werden – zu fairen Konditionen.

Beim Neubau und bei Nachverdichtung sichern wir bezahlbaren Wohnraum durch soziale Wohnungsbauquoten nach dem Berliner Modell sowie zusätzlichen bezahlbaren Wohnraum für Menschen ohne Wohnberechtigungsschein. Doch Neubau allein löst das Problem nicht: Wir brauchen mehr genossenschaftlichen Wohnraum, der dauerhaft bezahlbar bleibt. Genossenschaften schaffen und halten verlässlich bezahlbaren Wohnraum in ihren Beständen. Wir werden uns deshalb in den Gremien der Landesebene (Rat der Bürgermeister, Stadträterunden) für die stärkere Förderung und Unterstützung von Genossenschaften einsetzen. Wir setzen uns dafür ein, dass landeseigene Grundstücke — wie in der Neuen Mitte Tempelhof — bevorzugt von Genossenschaften bebaut werden.

Doch auch bei bestehenden Wohnungen müssen wir handeln. In Tempelhof-Schöneberg gibt es aktuell zehn Milieuschutzgebiete (soziale Erhaltungsgebiete), in denen Luxusmodernisierungen und der Abriss von Wohnraum versagt und Umwandlungen nur restriktiv genehmigt werden. Wir wollen weitere Gebiete prüfen lassen, ob die Zusammensetzung der Wohnbevölkerung dort gefährdet ist. Ebenfalls wollen wir in Milieuschutzgebieten die Praxis der befristeten und möblierten Vermietung einschränken und unerlaubte Vermietungen konsequent verfolgen, um der Ausnutzung von Schlupflöchern im Mietrecht etwas entgegenzusetzen. Wir setzen uns auf Landesebene dafür ein, dass wir gegen rechtswidrige Verdrängungspraktiken entschlossener vorgehen können. Gleichzeitig unterstützen wir Wohnungstausch-Modelle, um Menschen mit für ihre jeweilige Lebenssituation passendem Wohnraum zu versorgen. Dabei wollen wir vor allem prüfen, inwieweit generationsübergreifende Modelle auch sozial begleitet werden können, um so neue Gemeinschaften zu entwickeln.

Um Mieter*innen, insbesondere in Milieuschutzgebieten, vor steigenden Öl- und Gaspreisen zu schützen, schaffen wir auf Landesebene Anreize für energetische Sanierungen, welche mit gezielter Förderung warmmietenneutral umsetzbar sind. Neue Fenster, Sonnenschutz und Dämmung ermöglichen ganz nebenbei auch kühlere Wohnungen in heißer werdenden Sommermonaten. Zur Information, Beratung und Umsetzung der kommunalen Wärmeplanung, bieten wir ein Wärmewendemanagement an. Damit unterstützen wir die Umsetzung von dezentralen Wärmenetzen und effizienten Quartierslösungen für eine klimaneutrale und bezahlbare Wärmeversorgung im gesamten Bezirk.

Wir unterstützen die Initiative Deutsche Wohnen & Co enteignen in Tempelhof-Schöneberg und Berlin und fordern die Umsetzung des Volksentscheids von 2021 als Ausdruck eines klaren demokratischen Auftrags der Berliner*innen.

Bezahlbares Wohnen ist mehr als nur vier Wände – es bedeutet auch, in einem lebendigen Kiez zu leben, mit guter Infrastruktur, Grünflächen und sozialen Treffpunkten. Wir setzen uns dafür ein, dass bei Neubauprojekten von Anfang an Kitas, Schulen, Kulturorte, Grünflächen und weitere soziale Infrastruktur mitgeplant werden. Besonders in schnell wachsenden Gebieten wie dem Südkreuz oder rund um den Tempelhofer Hafen muss die soziale Infrastruktur Schritt halten.

Wir Bündnisgrüne kämpfen für ein Tempelhof-Schöneberg, in dem niemand aus seinem Zuhause verdrängt wird, in dem Mieten bezahlbar sind und Kieze lebendig bleiben. Gemeinsam gestalten wir unseren Bezirk gerechter, grüner und sozialer – für ein Zuhause für alle.

2.8 GESUNDHEIT FÜR ALLE – GERECHT, PRÄVENTIV, SOLIDARISCH

Gesundheit beginnt da, wo Menschen sich täglich aufhalten: im Kiez, auf dem Schulhof und im Schatten von Bäumen. Saubere Luft, Stadtnatur und wenig Lärm fördern ein gesundes Leben. Deshalb gestalten wir den öffentlichen Raum und die Gesundheitsangebote sozial und gerecht, von der Prävention bis zur Versorgung vor Ort.

Ein leistungsfähiger Öffentlicher Gesundheitsdienst ist dafür unverzichtbar. Wir setzen uns dafür ein, seine Strukturen weiterzuentwickeln, bewährte Angebote zu sichern und gezielt zu stärken – insbesondere im Kinder- und Jugendgesundheitsdienst.

 Wissen ist ein wichtiges Fundament für eine starke Gesundheit. Deshalb bauen wir Gesundheitsbildung und Gesundheitskompetenz systematisch aus – zu Ernährung, Bewegung, psychischer Gesundheit und Suchtprävention, ergänzt durch digitale Gesundheitskompetenz. Gesundheitsbildung muss dabei immer die individuellen Lebenslagen berücksichtigen und einbeziehen — wer sich beispielsweise um die nächste Miete sorgen muss, hat weniger Kapazitäten und Ressourcen eine Mitgliedschaft im Sportverein zu erwägen.

Für eine gute Gesundheit von Anfang an fördern wir Gesundheitswissen in Kitas, Schulen und Jugendzentren. Wir nehmen Stoffwechselerkrankungen wie z.B. Diabetes sowie die Zahngesundheit gezielt in den Blick, verankern Präventionsangebote fest in den Institutionen und stärken die Zusammenarbeit zwischen Gesundheitsamt, Einrichtungen und Eltern.

Gesundheit muss für alle erreichbar sein – deshalb fördern wir Gesundheitsangebote insbesondere für Menschen ohne Krankenversicherung und für Menschen in prekären Lebenslagen. Das gilt besonders für die geflüchteten Menschen, die im ehemaligen Flughafen Tempelhof untergebracht sind. Hier kämpfen wir für einen sogenannten Akut-Medipoint, der den Menschen hilft, bis die Gesundheitskarte den Zugang zur Regelversorgung ermöglicht.

Wir unterstützen integrierte Gesundheitsangebote, in denen medizinische Versorgung, Sozialberatung und Therapie Hand in Hand gehen. Daher setzen wir uns nachdrücklich für ein integriertes Gesundheitszentrum im ehemaligen – heute zu großen Teilen leerstehenden — Wenckebach-Klinikum ein.

Psychische Erkrankungen werden zu oft übersehen – mit schwerwiegenden Folgen. Deshalb stärken wir die psychosoziale Prävention und Versorgung durch die Träger der Gemeindepsychiatrie im Bezirk. Verlässliche Kontakt- und Beratungsstellen mit auskömmlicher Finanzierung geben Halt, Betroffenen und Angehörigen gleichermaßen.

Gesundheitsschutz braucht auch Klimaschutz. Hitze und schlechte Luft können krank machen – besonders Menschen mit geringem Einkommen haben wenig Rückzugsräume und können sich nur schwer schützen. Deshalb entwickeln wir den „Hitzeschutzplan 2024“ zu einer bezirklichen Hitzeschutzstrategie weiter. Wir denken Gesundheit bei der Gestaltung des öffentlichen Raums konsequent mit und fördern Lärmschutz und Luftreinheit. Wir orientieren unsere Gesundheitsprävention direkt an den Zielvorgaben des Klimaanpassungsgesetzes, um hitzebedingte Todesfälle in dicht bebauten Quartieren zu vermeiden. Wir werden Grünflächen erhalten, ökologisch aufwerten und ausbauen, mehr Bäume pflanzen und das Tempelhofer Feld als Erholungsort und Kaltluftschneise erhalten.

Mit Prävention statt Wegschauen, mit starken öffentlichen Strukturen statt Kürzungen und mit einer Politik, die die Menschen in den Mittelpunkt stellt, kämpfen wir für Gesundheit und gute Lebensbedingungen in Tempelhof-Schöneberg.

2.9 SUCHTHILFE UND AUFKLÄRUNG – UNTERSTÜTZUNG STATT AUSGRENZUNG

Auch in Tempelhof-Schöneberg ist Drogensucht in manchen Kiezen alltäglich sichtbar. Dennoch fehlen gut erreichbare Hilfsangebote. Wir stellen die Menschen in den Mittelpunkt, nehmen individuelle Lebenslagen ernst und setzen auf akzeptierende Hilfen.

Daher setzen wir uns für den Erhalt von Beratungsangeboten und des Berliner Krisendienstes ein. Wir wollen einen Drogenkonsumraum in Schöneberg schaffen und beziehen bei der Planung frühzeitig die Anwohnenden ein. Ergänzend soll das Drogenmobil des Berliner Senats wieder in unseren Kiezen halten und niedrigschwellige Unterstützung dort anbieten, wo feste Angebote fehlen. Wir haben als Gesellschaft Verantwortung für obdachlose Menschen, die konsumieren – aber auch für Konsument*innen, die versteckt abhängig sind.

Präventionsangebote und Suchthilfe stärken wir, insbesondere durch aufsuchende Angebote und eine enge Zusammenarbeit mit weiterführenden Schulen. Wir wollen junge Menschen frühzeitig erreichen und sie auch zu den Gefahren von Alkohol, Nikotin und Mediensucht umfassend beraten.

Als der queere Bezirk Berlins wollen wir unter anderem auch das Thema Chemsex und entsprechende Präventionsarbeit stärker in den Fokus nehmen.

Abhängigkeitserkrankungen, psychische Erkrankungen und Wohnungslosigkeit sind oft eng miteinander verknüpft. Mit Housing First und dem Ausbau aufsuchender Sozialarbeit werden sowohl schnelle als auch nachhaltige Lösungen geschaffen.

Indem wir Prävention, Beratung und akzeptierende Hilfsangebote gemeinsam weiterentwickeln und Anwohnende aktiv einbeziehen, leben wir gesünder, sicherer und solidarischer in unserem Bezirk. Wir grenzen nicht aus, wir unterstützen und stärken.

 Durch unseren politischen Schwerpunkt beim Thema Drogenprävention wollen wir auch dem Umstand Rechnung tragen, dass Sucht und Kosum immer alltäglicher wird. Wir haben als Gesellschaft Verantwortung für obdachlose Menschen, die konsumieren – aber auch für Konsument*innen, die versteckt abhängig sind. Als der queere Bezirk Berlins wollen wir deshalb unter anderem auch das Thema Chemsex und entsprechende Präventionsarbeit stärker in den Fokus nehmen.

2.10 EIN GUTES LEBEN IN JEDEM ALTER – TEILHABE UND UNTERSTÜTZUNG SICHERN

Ein langes Leben mit Respekt und Eigenständigkeit, das wünschen sich alle. In Tempelhof-Schöneberg sorgen wir dafür, dass Menschen auch im höheren Alter gut unterstützt, sichtbar und eingebunden bleiben.

Wichtige Anker im Kiez sind die Freizeitstätten 60+. An den Erfolg eines vielfältigeren Programms knüpfen wir an: Wir erhalten die Freizeitstätten 60+, entwickeln ihre Angebote weiter, modernisieren die Ausstattung Schritt für Schritt und sorgen dafür, dass sie besser sichtbar und leichter zugänglich werden. Ganz konkrete Verbesserungen wirken im Alltag: im Nachbarschaftstreffpunkt Huzur für ältere Menschen mit Migrationshintergrund kann die erneuerte Küche genutzt werden und dank Hitzeschutz noch angenehmer.

Auch digitale Teilhabe gehört heute für Senior*innen dazu. Die WLAN-Ausstattung in den Freizeitstätten 60+ wurde bereits verbessert und soll weiter ausgebaut werden – ebenso in Gesundheitszentren, Senior*innenclubs und stationären Pflegeeinrichtungen.

Angebote wie die Berliner Hausbesuche sind ein wichtiges Instrument, um der Einsamkeit im Alter vorzubeugen und Senior*innen zu unterstützen – wir wollen sie ausbauen und stärken. Sich unterhalten oder zwischendurch ausruhen, mit den neuen Bänken im Kiez geht das wieder besser und wir wollen noch mehr.

Besonders wichtig sind uns generationenübergreifende Angebote. Wenn Jung und Alt sich begegnen, gemeinsam aktiv sind oder voneinander lernen, entsteht Nähe statt Einsamkeit. Deshalb fördern wir solche Projekte, öffnen Freizeitstätten 60+ für andere Generationen und stärken gemeinsame Bewegungs- und Begegnungsangebote.

So entsteht ein starker Zusammenhalt zwischen den Generationen – im Kiez und in ganz Tempelhof-Schöneberg.

Kapitel 3 – Unser Bezirk, der funktioniert

Für ein gutes Leben muss unsere Wirtschaft resilient und zukunftsfähig sein. Dazu gehört ein nachhaltiger Wohlstand ohne ökologische und soziale Ausbeutung.
 Die Grundlage dafür ist ein verantwortungsvoller Umgang mit unseren Ressourcen. Mit innovativen Unternehmensnetzwerken, fairem Handel und der Förderung erneuerbarer Energien machen wir unseren Bezirk wirtschaftlich stark und krisenfest. Unsere Verwaltung wollen wir digitaler gestalten und den Einsatz künstlicher Intelligenz ausbauen, damit Dienstleistungen für die Bürgerinnen und Bürger besser und schneller erbracht werden können. Dafür braucht es gute Rahmenbedingungen durch das Land Berlin.

Unsere Ziele:

  • Wir machen Tempelhof-Schöneberg wirtschaftlich stark, nachhaltig und krisenfest.
  • Wir stehen für eine nachhaltig denkende Wirtschaftsförderung, die Unternehmen vernetzt und erneuerbare Energien fördert.
  • Wir schaffen bezahlbaren Wohnraum und neue Quartiere mit vielfältiger Nachbarschaft und kurzen Wegen.
  • Wir stellen den Bezirk finanziell und personell gut auf und machen ihn handlungsfähiger.
  • Wir gestalten eine moderne und digitale Verwaltung mit schnellerem und besserem Service für alle Bürger*innen.

3.1 WIRTSCHAFT UND HANDEL IM BEZIRK NACHHALTIG WEITERENTWICKELN

Tempelhof-Schöneberg ist ein attraktiver Standort für viele Unternehmen. Die hohe Branchenvielfalt spricht für sich. Doch die lokale Wirtschaft steht vor Herausforderungen: 

Hohe fossile Energiepreise, steigende Gewerbemieten, belastete Lieferketten und eine schwächelnde lokale Nachfrage in Zeiten steigender Lebenshaltungskosten sorgen für eine ganze Reihe an Herausforderungen. Einzelne Unternehmen berichten davon, dass Menschen für neue Jobs nach Berlin ziehen und nach sechs Monaten wieder kündigen müssen, weil sie keine langfristige Unterkunft finden. Wir denken lokales Wirtschaften über verschiedene Zusammenhänge hinweg. Wir machen uns stark für den Schutz von lokalem Einzelhandel und Gastronomie — zum Beispiel, indem wir uns auf allen Ebenen gegen hohe Gewerbemietpreise einsetzen, um eine Verdrängung durch große Konzerne zu verhindern. Den notwendigen Umbau der Bahnhofstraße in Lichtenrade nutzen wir, sodass in Zunkunft in dieser wichtigen Geschäftsstraße wieder mehr Platz für reges Treiben ist.

Wir verbessern die Aufenthaltsqualität in den großen Einkaufsstraßen wie dem Tempelhofer Damm und der Hauptstraße mit Verkehrsberuhigung und mehr Grün. Und wir adressieren das übergreifende Problem des Mangels an bezahlbarem Wohnraum.

Wir stärken die Wochenmärkte im Bezirk, unterstützen den neuen Bauernmarkt in Lichtenrade und werden in Tempelhof einen neuen Wochenmarkt einrichten.
Um die Attraktivität unserer Einzelhandelszentren durch Aufenthaltsqualität, Sauberkeit und kulturelles Leben nachhaltig zu sichern, unterstützen wir Händler*innen, Dienstleistungs- und Gastronomiebetriebe, die sich dafür in lokalen Interessensgemeinschaften organisieren. Dazu gehören auch die Möglichkeiten des neuen Berliner Immobilien- und Standortgemeinschaften-Gesetzes, die Eigentümer*innen der dortigen Gewerbeimmobilien zur Finanzierung solcher Maßnahmen in Verantwortung zu nehmen.

Wie Pakete und Waren auf der „letzten Meile“ ohne Abgase und ohne die Straßen zu verstopfen zu den Empfänger*innen gebracht werden können, macht der Microhub am Tempelhofer Damm vor. Das ist ein kleiner Umschlagpunkt, mit emissionsfreien Fahrzeugen wie klimafreundlichen Lastenrädern. Mit uns werden solche emissionsfreien Wege verstärkt ausgebaut. Ein neuer Standort am Innsbrucker Platz mit einer Jelbi-Station ist schon geplant.

3.2 EINE WIRTSCHAFTSFÖRDERUNG, DIE KLIMAORIENTIERT DENKT UND VERNETZT

Unter Grüner Verantwortung leistet die Wirtschaftsförderung weiterhin einen zentralen Beitrag zur wirtschaftlichen Stärke unseres Bezirks. Sie vernetzt kleine und mittlere Unternehmen, macht ihre Leistungen sichtbar und initiiert Formate, die Innovation ermöglichen —von Unternehmer*innenfrühstücken über Standortkonferenzen bis hin zu aktiven Unternehmensbesuchen. Diese kontinuierliche Arbeit schafft Vertrauen, Kooperation und neue Impulse für Tempelhof-Schöneberg.

Die bezirkliche Wirtschaftsförderung pflegt seit vielen Jahren eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den großen Unternehmensnetzwerken am Südkreuz, in der Großbeerenstraße und in der Motzener Straße. Diese kontinuierliche Vernetzung stärkt die wirtschaftliche Entwicklung im gesamten Bezirk. Gemeinsam wollen wir ein neues Unternehmensnetzwerk am Teltowkanal aktiv unterstützen und mit dem Unternehmensnetzwerk Lichtenrade die Kooperation festigen. Besonders wichtig ist uns zudem die Unterstützung des Unternehmerinnennetzwerks Tempelhof-Schöneberg, das einen wertvollen Beitrag zur Sichtbarkeit von Frauen in der Wirtschaft leistet.

In den letzten Jahren haben wir erfolgreich Projekte unterstützt, die Klimaschutz und Erneuerbare Energien vorantreiben: So hat das Unternehmensnetzwerk Motzener Straße das digitale Vernetzungsprojekt „Grüne Kraftwerk“ entwickelt mit der die dezentral erzeugte erneuerbare Energie im Unternehmensverbund sichtbar wird.
 Dieses Projekt fand weit über den Bezirk Tempelhof-Schöneberg hinaus Anerkennung. Mit der bezirklichen Nachhaltigkeits-Charta „Grüner Hirsch“, die wir als erste in Berlin etabliert haben, verpflichten sich die unterzeichnenden Unternehmen und Akteur*innen freiwillig, nachhaltige Prinzipien in ihrer wirtschaftlichen und sozialen Tätigkeit umzusetzen.

3.3 DIE INTEGRATION IN DEN ARBEITSMARKT ERHÖHEN

Geflüchtete Menschen haben es auf unserem Arbeitsmarkt schwer, weil Sprachbarrieren, lange Anerkennungsprozesse für Abschlüsse oder bürokratische Hürden den Einstieg erschweren. Weil eine gelungene Integration uns Grünen am Herzen liegt, hat unser Bezirksbürgermeister Jörn Oltmann 2025 den ersten Fachtag zur Arbeitsmarktintegration ins Leben gerufen. Ziel ist es, dass geflüchtete Menschen sich mit ihren beruflichen Erfahrungen und Qualifikationen einbringen können und bessere Chancen auf Teilhabe erhalten. Dies stärkt gleichzeitig den Wirtschaftsstandort Tempelhof-Schöneberg. Auch künftig soll dieser Fachtag regelmäßig stattfinden und die Integration geflüchteter Menschen in den lokalen Arbeitsmarkt ausgebaut werden.

3.4 FAIREN HANDEL UND ERNEUERBARE ENERGIEN FÖRDERN

Fairer Handel gehört zu einer sozialen Wirtschaft dazu – das ist für uns selbstverständlich und für den Bezirk eine Erfolgsgeschichte. 2024 wurde Tempelhof-Schöneberg zum vierten Mal als „Fairtrade Town“ ausgezeichnet. Das internationale fairtrade-Netzwerk engagiert sich für nachhaltige Produktion und faire Entlohnung. Klar ist auch: Kinderarbeit, Ausbeutung und Raubbau an der Natur werden entschieden abgelehnt. Die über zehn Jahre alte Initiative für diese Bewerbung geht auf uns Bündnisgrüne zurück. Nicht nur die Bezirksverwaltung, sondern auch viele Unternehmen, Vereine, Schulen oder Kirchengemeinden beteiligen sich seitdem aktiv daran. Diese achten darauf, dass erworbene Produkte fair gehandelt und nachhaltig produziert wurden. Unter Grüner Verantwortung werden wir dieses Engagement erfolgreich fortsetzen.

Mit dem Green Buddy Award macht unser Bezirk seit nunmehr 15 Jahren Innovationen für Klimaschutz und nachhaltiges Wirtschaften sichtbar und stärken den Wettbewerb um die besten Ideen. Der Green Buddy ist der einzige Preis seiner Art in ganz Berlin und entfaltet entsprechend hohe Strahlkraft über den Bezirk hinaus. Der Preis wird gemeinsam mit Partnerinnen und Partnern aus der Wirtschaft vergeben und umfasst inzwischen sechs Kategorien. Unser Bezirksbürgermeister hat dabei mit der neuen Kategorie „Erneuerbare Energien“ einen zusätzlichen Schwerpunkt gesetzt. Durch den begleitenden „Partnering Event“ bringen wir fünf Berliner Hochschulen, Unternehmen, Initiativen und die Verwaltung zusammen, fördern Kooperationen und sorgen dafür, dass gute Ideen dauerhaft Wirkung entfalten.

3.5 GUTE ARBEIT

Viele Arbeitnehmer*innen stehen bei Fragen zu Lohn, Arbeitsbedingungen oder Kündigungen ohne ausreichende Unterstützung da. Deshalb wurde 2026 das Modellprojekt „Gute Arbeit in Tempelhof-Schöneberg – Beratung und Training für Deine Rechte im Job“ gestartet. Es bietet eine kostenlose, niedrigschwellige Arbeitsrechtsberatung – mit mobilen Sprechstunden in Sozialräumen und Workshops zur arbeitsrechtlichen Grundbildung. Gemeinsam mit Gewerkschaften stärken wir so insbesondere prekär Beschäftigte und Auszubildende. Denn gute Arbeit braucht faire Bezahlung, Tarifbindung und starke Sozialpartner. Das Angebot wollen wir ausbauen und dauerhaft Strukturen schaffen, die Beschäftigte im Bezirk wirksam bei der Wahrnehmung ihrer Rechte unterstützen.

Unternehmen spielen eine Rolle dabei, bei der gerechten Aufteilung von Care-Arbeit zu unterstützen. Care-Arbeit ist keine Aufgabe von Frauen allein, sondern muss auch von Männern mitgedacht und mitübernommen werden. Wir wollen, dass es in Unternehmen selbstverständlicher wird, dass Männer Verantwortung für Kinder und Familie übernehmen. Wir Grüne bestärken Unternehmensführungen darin, hier umzudenken – und Vereinbarkeit aktiv zu ermöglichen statt sie zu behindern.

Wir machen uns stark für eine Kooperation zwischen dem Netzwerk Ausbildung, der Jugendberufsagentur, dem JobCenter und der Berufsagentur, um die berufliche Verbundausbildung zu stärken. Die Ausbildungsmesse „Mach dein Ding!“ verzeichnet jedes Jahr höhere Zahlen an teilnehmenden Firmen und Schüler*innen. Das Marketing stammt von Jugendlichen für Jugendliche. Sie können auf der Messe direkt mit Ausbildungsbetrieben ins Gespräch kommen und sich über Ausbildungs- und Praktikumsangebote informieren.

3.6 STÄRKUNG EINES SANFTEN UND NACHHALTIGEN TOURISMUS

Tempelhof-Schöneberg ist ein Magnet für Tourist*innen aus aller Welt. Durch seine historische Bedeutung während des Kalten Krieges und als Ort urbaner Vielfalt ist unser Bezirk attraktiv für Kulturfans und Partyfreund*innen. Wir setzen uns für einen sanften und nachhaltigen Tourismus in Tempelhof-Schöneberg ein, um Menschen unseren schönen Bezirk nahezubringen und die lokale Wirtschaft zu stärken. Dabei werden wir historisch bedeutsame Orte wie das Rathaus Schöneberg und die Museen und Galerien im Bezirk überregional bewerben und mit Veranstaltungen Besucher*innen anlocken. Um Tourist*innen die Orientierung im Bezirk zu erleichtern, wollen wir eine interaktive Karte mit Sehenswürdigkeiten, Gastronomie und Events herausgeben.

Der Regenbogenkiez im Schöneberger Norden hat eine Anziehungskraft für die queere Community weit über die Grenzen Berlins und Deutschlands hinaus. Wir wollen zusammen mit den Gewerbetreibenden der „Schwulen Wirte“ den Schöneberger Norden stärker touristisch bewerben und dafür die Mittel der Wirtschaftsförderung nutzen.

Auch das Tempelhofer Feld mit dem alten Flughafengebäude zieht jährlich unzählige Besucher*innen aus der ganzen Welt an, das durch seine einzigartige Geschichte, als Sehnsuchtsort und Beispiel für Freiräume im Großstadtdschungel Menschen fasziniert und begeistert. Wir setzen uns gegen eine Bebauung des Feldes ein und für den Erhalt der Gedenkstätten, Sportanlagen und Freizeitstätten – für Besucher*innen und Berliner*innen gleichermaßen.

3.7 STADTENTWICKLUNG: SOZIAL UND KLIMAGERECHT

Wir setzen uns für eine Stadtentwicklungspolitik ein, die kooperativ ist und bei der Menschen — von Jung bis Alt – im Mittelpunkt stehen und nicht der schnelle Gewinn. Zukunftsweisenden Quartieren wie dem EUREF-Campus in Schöneberg-Süd, der für die Energiewende, nachhaltige Mobilität und Innovationen steht, geben wir politischen Rückenwind.

Ein Leuchtturm-Projekt ist auch das Quartier rund um die Alte Mälzerei in Lichtenrade. Wir Grüne haben Planungs‑ und Förderentscheidungen mit gestaltet und aktiv begleitet. Heute ist das Quartier ein soziales, lebendiges Herzstück für Lichtenrade und Vorbild für die Zusammenarbeit von Bezirk und privaten Investoren. Die Alte Mälzerei beherbergt nach der umfassenden Sanierung heute komplett neu gestaltete öffentliche Angebote wie etwa die wunderschön hergerichtete Bibliothek, die Musikschule, die Volkshochschule sowie ein Kinder-und Jugendmuseum mit freiem Eintritt und breiten Mitmach- Angeboten.

Bezahlbaren Wohnraum schaffen und dabei kurze Wege und Vielfalt mitdenken


Es gibt viel zu wenig bezahlbare und soziale Wohnungen, während überteuerte Luxuswohnungen zunehmen. Besonders beim Neubau haben die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften, Genossenschaften und auch private Vermieter*innen eine wichtige Aufgabe: Sie müssen dafür sorgen, dass die Nachbarschaften sozial und vielfältig bleiben. In den letzten Jahren sind einige wichtige Neubauprojekte wie die Marienhöfe, der Lichterfelder Ring und die Friedenauer Höhe gestartet. . Wo immer es nötig ist, nehmen wir die Akteure in die Pflicht, für sozialen und bezahlbaren Wohnraum einzustehen. Bürger*innen sollen sich als Betroffene an Neubauvorhaben beteiligen können.
Wir werden uns für eine zügige Umsetzung der Neuen Mitte Tempelhof einsetzen. Damit sichern wir den Bau von bezahlbaren Wohnungen und die Entwicklung eines zukunftsfähigen, nachhaltigen Tempelhofer Zentrums als Ort von Kultur, Bildung und einer bürgernahen, leistungsfähigen Verwaltung.
Das Mariendorfer Ortszentrum und den Nahverkehrsknoten U-Bahnhof Alt-Mariendorf werden wir weiter voranbringen und die Situation für Fuß- und Radverkehr verbessern.

Die Idee einer Stadt der kurzen Wege wollen wir stärken. Im Bezirk stehen wir für Quartiere, in denen Wohnen, Arbeiten, soziale Infrastruktur, Kultur und Gemeinschaft räumlich eng beieinander liegen. Wie das die Lebensqualität umfassend verbessert, kann man im Quartier rund um die Alte Mälzerei in Lichtenrade erleben.

Für Berlin sind im Stadtentwicklungsplan ausreichend geeignete Bauflächen ausgewiesen, wie zum Beispiel die Neue Mitte Tempelhof. Über das strategische Flächenmanagement wollen wir diese Potenziale im Bezirk aktiv entwickeln. Es ist sinnvoller, diese Bauprojekte endlich umzusetzen, anstatt das Tempelhofer Feld zu bebauen. Das Tempelhofer Feld ist ein einmaliger Ort der Naherholung, für Sport und Freizeit, für soziales Miteinander sowie für Umwelt, Natur und Stadtklima. Wir wollen, dass das so bleibt.

Öffentliche Räume gehören allen. Stadtplanung soll Orte schaffen, an denen Menschen sich begegnen, austauschen und Gemeinschaft erleben können. Indem wir das berücksichtigen, fördern wir das demokratische Miteinander. In den letzten Jahren hat unsere grüne Stadträtin die Idee temporärer und gemeinschaftlich organisierter Spielstraßen ausgeweitet. Hier wird wie früher auf den Straßen Platz gemacht für hüpfende Kinder und tratschende Nachbarn, den Austausch zwischen Bekannten und gemeinsamen Spielen. Besonders wichtig sind solche Möglichkeiten dort, wo die Wohnungen klein und der öffentliche Raum sonst eng ist. Auch Nachbarschaftsfeste wie am Rathaus Schöneberg bieten Raum für soziales Miteinander. 


Flächen effizienter nutzen und bestehende Gebäude erhalten

Bestehende Flächen werden oft nicht effizient genutzt. Wer zum Beispiel an eingeschossige Supermärkte mit den oft großen Vorplätzen zum Parken denkt, merkt schnell, wie viel Fläche hier versiegelt und vergeudet ist. Mit den privaten Eigentümer*innen haben wir daher Gespräche geführt, um diese Lücken im Stadtbild nachhaltig zu füllen. Wir Bündnisgrüne setzen uns auch weiterhin dafür ein, dass eingeschossige Gebäude überbaut werden. Hier ist noch viel Potenzial zu heben. Eine Bebauung von Grünanlagen und Naherholungsflächen lehnen wir stattdessen klar ab. Bei der behutsamen Nachverdichtung von bestehenden Quartieren wollen wir die vorhandene Wohnbevölkerung von Beginn an in die Entwicklung der Nachverdichtungskonzepte einbinden. Eine Weiterentwicklung der grünen und sozialen Infrastruktur sowie tragfähige Mobilitätskonzepte zusammen mit den Bewohnenden sind für uns unbedingte Voraussetzung.

Den Bau tiefer Unterkellerungen und weitreichender Tiefgaragen prüfen wir auf Stadtverträglicheit. Solche Bauwerke durchschneiden die natürlichen Grundwasserströme massiv und verschärfen die lokale Bodentrockenheit. Bäume und Sträucher vertrocknen, der öffentliche Raum heizt sich auf und kann nicht mehr abkühlen. Der Schutz des unterirdischen Wasserhaushalts hat für uns daher Vorrang vor der Schaffung von privatem Parkraum unter der Erde.

Bestehende Gebäude wollen wir erhalten und umbauen – und nicht einfach abreißen. Denn Abriss ist oft teuer und verschwendet Ressourcen. Spekulativer Leerstand soll in unserem Bezirk keinen Platz haben. Wir haben das Thema in den vergangenen Jahren immer wieder in der Bezirksverordnetenversammlung thematisiert, zum Beispiel mit Blick auf die „Flora“ in Friedenau. Der Bestand muss vor Luxusbau geschützt werden.

Gerade bei der Umwandlung ehemaliger Bahn- oder Industrieflächen sind uns die Notwendigkeiten eines transparenten Umgangs mit historischen Altlasten von Krieg und fossilien-basierter Industrie bewusst. Wir setzen uns für eine schrittweise, lückenlose Bodensanierung und den Schutz unseres Grundwassers vor Schadstoffeinträgen ein. Dabei werden Investor*innen genau so in die Pflicht genommen wie Land und Bund, die mit ihren Altlastensanierungsfonds dabei helfen müssen, Gesundheitsgefahren für die Bewohner*innen auszuschließen.

Gewerbeflächen identifizieren und nachhaltig nutzen

Die Corona-Pandemie hat die Arbeitswelt verändert. Viele Menschen arbeiten mehr im Homeoffice als früher. Eine Folge ist, dass viele Büroflächen in Berlin leer stehen. Gleichzeitig ist der Bedarf an Wohnungen hoch. Für eine soziale Stadtentwicklung ist uns wichtig, dass Gewerbe und Handwerk auch zukünftig ihren Platz mitten im Bezirk haben und nicht in Randgebiete verdrängt werden. Die Trennung von Gewerbe- und Wohngebieten halten wir weiterhin für sinnvoll, um Anwohnerinnen und Anwohner vor Lärm, Gerüchen, Schadstoffen und erhöhtem Verkehrsaufkommen zu schützen. In Mischgebieten kann der Umbau von Büroimmobilien in Wohnungen zudem ein Weg sein, um mehr Wohnraum zu schaffen.

Innerhalb der bezirklichen Möglichkeiten setzen wir uns für preisgünstige Gewerbeeinheiten ein und wirken darauf hin, dass kleine und mittlere Betriebe nicht durch steigende Mieten verdrängt werden. Sozialunternehmen, gemeinnützige Betriebe und Gewerbegenossenschaften haben es auf dem Immobilienmarkt besonders schwer. Deshalb sichern wir für sie Flächen und Räume. Bei der Vergabe von öffentlichen Gewerbeflächen verfolgen wir weiter das Modell der „Konzeptvergaben“, bei denen der soziale und ökologische Mehrwert den Ausschlag gibt. Ein wichtiges Entwicklungsprojekt ist das Gelände der Marienhöfe in Tempelhof. Im November 2025 wurde dort der Grundstein für das nördliche Wohnquartier gelegt, in dem rund 900 Wohnungen entstehen.Wir wollen unsere Gewerbe- und Industriegebiete zu Vorreitern der sozial-ökologischen Transformation machen. Orte wie der Marienpark sollen zeigen, wie erfolgreiches Flächenrecycling funktioniert: Historische Industrieanlagen werden für Start-Ups, Handwerk und kreative Unternehmen ressourcenschonend umgenutzt. Es entstehen wertvolle Reallabore, in denen junge, nachhaltige Geschäftsmodelle erprobt werden. 
Als „Kreative Eco-Industrial-Parks“ wollen wir diese Orte gezielt fördern. Wir setzen uns dafür ein, sie planungsrechtlich vor der Verdrängung durch Bodenspekulation zu schützen. Gewerbeansiedlungen binden wir an ein hohes Maß an Flächen- und Energieeffizienz, Begrünung, Zero Waste und Kreislaufwirtschaft. 
Gleichzeitig stärken wir den Verdrängungsschutz für das klassische produzierende Handwerk und Gewerbe, um die soziale Mischung und kurze Wege für die Menschen vor Ort zu erhalten.

Das gesamte Areal des ehemaligen Güterbahnhofs umfasst etwa 100.000 Quadratmeter und wird zu einem urbanen Quartier mit Raum für Wohnen, Gewerbe, Dienstleistungen und Gastronomie entwickelt. Auch eine nachhaltige, klimaneutrale Energieversorgung gehört zum Konzept des Quartiers.

Im südlichen Teil des Areals ist ein weiteres zukunftsweisendes Vorhaben geplant: der HOGA-Campus. Dieses Branchenprojekt des Hotel- und Gaststättenverbands soll Ausbildung, Weiterbildung und Innovation im Hotel- und Gastgewerbe stärken und die Fachkräfteentwicklung in dieser wichtigen Branche voranbringen. Ziel ist ein integriertes Bildungs- und Innovationszentrum für Gastronomie, Hotellerie und Tourismus.

Für die Realisierung dieses Projekts setzen wir Grüne uns mit Nachdruck ein. Wenn der HOGA-Campus umgesetzt wird, kann hier ein Leuchtturmprojekt entstehen – für unseren Bezirk und für den Wirtschafts- und Bildungsstandort Berlin insgesamt.

Nicht nur langfristige Vorhaben wie diese wollen wir auf den Weg bringen. Für Kunst, Kultur und Nachbarschaftsangebote wollen wir leerstehende Gewerbeflächen auch für kurze Zeit zur Zwischennutzung vermitteln.

Auf Landesebene fordern wir eine Mietpreisbremse für Gewerberäume, Milieuschutz auch für Gewerbemieter*innen und eine Reform des Gewerbemietrechts, damit Mieter*innen Gewerberäume langfristig zu gleichbleibenden Konditionen nutzen können und einen echten Kündigungsschutz erhalten. Dieser Schutz ist zentral, um die einmalige Atmosphäre wie beispielsweise in der Akazienstraße in Schöneberg zu erhalten: Mit abwechslungsreichem Gewerbe, Inhaber*innen-geführten Läden und einem unverwechselbaren Angebot, jenseits von Franchise-Ketten.

3.8 Gut gewappnet im Ernstfall

Bürger*innen müssen sich darauf verlassen können, dass sie auch im Krisenfall gut geschützt sind und der Bezirk für den Notfall vorbereitet ist. Mit den Stromausfällen in Köpenick im September 2025 und Steglitz Zehlendorf im Januar 2026 konnten wir in jüngster Zeit einen Eindruck bekommen, was passiert, wenn der Strom großflächig ausfällt. Von Ampeln bis Zentralheizungen war die Infrastruktur betroffen, Pflegeeinrichtungen mussten notversorgt werden und die Menschen mussten ohne Netz überhaupt erst mal an Informationen kommen. Berlin ist für hybride Angriffe auf unsere kritische Infrastruktur nicht ausreichend vorbereitet. Das gilt auch für klimabedingte Extremsituationen wie etwa Starkregen, die zu ähnlichen Krisen führen können. Auf Landesebene setzen wir uns unter anderem dafür ein, dass das Zuständigkeitswirrwarr von derzeit 37 zuständigen Behörden geregelt wird und endlich eine einheitliche Koordinierung stattfindet. Das ist notwendig, damit die Bezirke im Ernstfall effektiv und schnell handeln können. 

In Tempelhof- Schöneberg wollen wir noch besser vorbereitet sein. Fehlende ressortbezogene Gefährdungsabschätzungen und Katastrophenschutzpläne müssen schnell erstellt werden damit klar ist, wie die Gefährdungslage in den verschiedenen Zuständigkeitsbereichen ist und wie Abhilfe geschaffen werden kann. Mit dem Klimaanpassungskonzept des Bezirks ist der Bereich Extremwetter bereits abgedeckt und wir werden die Umsetzung weiter verfolgen. Weitere Fallgestaltungen, beispielsweise mit Gesundheitseinrichtungen und lokalen Unternehmen, müssen folgen. Die sogenannten Katastrophenschutz- Leuchttürme, in denen die Bevölkerung im Krisenfall Informationen und Hilfe bekommen kann, müssen beispielsweise mit Notstromaggregaten ausgerüstet und aktiv sein. Neben den bereits geplanten drei Leuchttürmen wollen wir prüfen, wo auch Schulen als solche ertüchtigt und genutzt werden können. Katastrophenschutz-Informationspunkte wollen wir ausbauen: hier kann man sich über die Lage sowie über Unterstützungsmöglichkeiten informieren und sie fördern die gegenseitige nachbarschaftliche Hilfe. Denn gerade in der Krise sehen wir, wie solidarisch Nachbarschaften sein können.

 Die (freiwillige) Feuerwehr, Polizei, THW und Hilfsorganisationen sind das Rückgrat der Krisenreaktion. Ihnen gebührt nicht nur unser Dank sondern auch die notwendige Unterstützung ihrer Arbeit. Ein großer Teil dieser wertvollen Arbeit wird von Ehrenamtlichen getragen, deren Engagement wir weiterhin durch die Verleihung von Ehrenamtskarten würdigen wollen, wodurch sie vielfältige Vergünstigungen bekommen.

 Jede*r soll wissen, wo man im Notfall Hilfe findet und wie man selbst am besten vorsorgt. Dafür wollen wir Informations- und Schulungsangebote für die breite Bevölkerung stärken. Regelmäßige Übungen für Verantwortliche in Bezirk und Hilfsorganisationen sollen dafür sorgen, dass jede*r weiß, was im Notfall zu tunist und voll einsatzbereit ist. Gleichzeitig ist vielen sozialen Einrichtungen, Unternehmen und Institutionen noch nicht klar, was ein Krisenfall für sie bedeutet. Hier wollen wir vernetzen und Zugang zu konkreten Informationen und Austauschformen bieten um Synergien zu schaffen. Die jüngsten Vorfälle haben gezeigt, dass die Hilfsbereitschaft im Krisenfall steigt. Um diesen sozialen Zusammenhalt zu wahren, werden wir gut vorsorgen.

3.9 DEN BEZIRK FINANZIELL UND PERSONELL GUT AUFSTELLEN

Tempelhof-Schöneberg hat in den letzten Jahren gut gewirtschaftet und regelmäßig Jahresüberschüsse erzielt, d.h., es wurde weniger Geld ausgegeben als dem Bezirk zur Verfügung stand. Diese solide, vernünftige und verlässliche Haushaltspolitik ist ein großes Verdienst unseres Grünen Bürgermeisters.

Leider hat sich aber die Berliner Haushaltslage insgesamt unter dem schwarz-roten Senat dramatisch verschlechtert, weswegen auch die Zuweisungen des Landes an die Bezirke nicht mehr ausreichen. Deswegen mussten in unserem Bezirkshaushalt Stellen gestrichen und schmerzhafte Einschnitte an wichtigen Projekten vorgenommen werden.

Das kann so nicht weitergehen. Das Land muss die Bezirke bedarfsgerecht finanzieren. Diejenigen, die Aufgaben beschließen, sollen auch für deren Kostendeckung verantwortlich sein. Zusätzliche Aufgaben dürfen nur mit den nötigen finanziellen und personellen Ressourcen für die Bezirke übertragen werden.  Als Bündnis 90/Die Grünen haben wir im Rahmen der Verwaltungsreform erfolgreich dazu beigetragen, dass das sog. Konnexitätsprinzip, d. h. der Grundsatz „Wer bestellt, bezahlt.“, in der Berliner Landesverfassung verankert wurde. Dieses Prinzip muss nun auch konsequent angewandt werden, damit die Aufgaben der Bezirke ausfinanziert sind.

Die Haushaltsplanung soll konsequent Klimaschutz und Geschlechtergerechtigkeit berücksichtigen. Auf Landesebene möchten wir das Gender-Budgeting weiterentwickeln und Mitarbeitende gezielt dafür schulen.

Für eine effektive Verwaltung, die mit der Zeit geht, brauchen wir ausreichend und qualifizierte Mitarbeitende. Aus diesem Grund haben wir für die Beschäftigten des Bezirksamtes ein Quereinsteigerprogramm geschaffen, das wir in den nächsten Jahren ausbauen wollen. In der Personalentwicklung wurden umfangreiche interne Schulungen gemacht. Diese und ein umfassendes Gesundheitsförderprogramm machen das Bezirksamt zu einem attraktiven Arbeitgeber. Wir stärken die Mitarbeiterbindung durch die Qualifizierung von Führungskräften und ein breites Fortbildungsangebot.

3.10 DEN BEZIRK DIGITALER AUFSTELLEN

Die Verwaltung muss immer für die Bürger*innen und Unternehmen da sein. 

In den Zeiten des Fachkräftemangels muss sich die Verwaltung stärker digitalisieren. Der vermehrte Einsatz der landeseigenen KI BärGPT stellt hier für die öffentliche Verwaltung eine Chance dar, um Verwaltungsprozesse für die Bürger*innen in Tempelhof-Schöneberg zu vereinfachen und beschleunigen. Bei der Weiterentwicklung der landeseigenen KI-Anwendung muss darauf geachtet werden, dass diese keine strukturellen Diskriminierungen reproduziert. Vor dem Einsatz zusätzlicher KI-Anwendungen steht aber immer eine Prüfung der jeweiligen technischen Voraussetzungen und ihren Auswirkungen.

Und natürlich muss es für diejenigen, die ihre Angelegenheiten nicht digital erledigen wollen oder können, auch weiterhin die Möglichkeiten geben, dies auf klassischem Wege zu tun. Gerade durch Automatisierung im Hintergrund soll Personal entlastet werden, das dann zur Begleitung und Beratung zur Verfügung steht.

Auf Landesebene setzen wir uns dafür ein, dass ergänzend ein digitales Bürger*innenamt eingerichtet wird. Hier sollen Verwaltungsdienstleistungen per Videoberatung und digitaler Assistenten angeboten werden. Ergänzend dazu werden wir uns auf Bezirksebene weiterhin für einen mobilen Bürgeramtsstandort einsetzen, damit Menschen unkompliziert und wohnortnah Dienstleistungen in Anspruch nehmen können. Außerdem soll die Digitalisierung dazu genutzt werden, um die Ämter transparenter zu machen. Daten, die bereits vorliegen sollen einfach und verständlich zugänglich gemacht werden. Der Kontakt zu Ämtern soll vermehrt automatisch über Schnittstellen ablaufen, statt manuell über Formulare.

 Glasfaserausbau ist ein wichtiger Standortfaktor. Tempelhof-Schöneberg ist dabei schon vorne mit dabei. Die weißen Flecken wollen wir schließen. Dabei setzen wir uns für digitale Verfahren ein, die eine einfache und schnelle Abwicklung sicherstellen. Neubaugebiete sollen gleich mit Glasfaseranschlüssen ausgestattet werden.

Digitale Dienste und Systeme sind angreifbar. Wir schützen sie, indem wir Bedrohungen der digitalen Sicherheit wie Hackerangriffe, Systemausfälle oder Datendiebstahl mit verbesserten IT-Sicherheits- und Notfallkonzepten aktiv entgegentreten.

3.11 STÄDTEPARTNERSCHAFTEN MIT LEBEN FÜLLEN

Der Bezirk hat aktuell 15 Städtepartnerschaften, darunter mit Nahariya in Israel und Mykolajiw in der Ukraine. Regelmäßig finden Besuche in die Partnerorte und zu uns statt. Ein echter Höhepunkt war das Fußballturnier in 2024, bei dem über 300 Jugendliche aus allen Partnerschaften teilgenommen haben. In Zukunft möchten wir unsere Städtepartnerschaften ausbauen und beispielsweise anhand solcher Turniere – wie zu Pfingsten 2026 bereits erfolgt – mit Leben füllen.

Kapitel 4 – Unser lebenswerter Bezirk

Ob es um unsere Schulen, Kultureinrichtungen oder Sportanlagen geht: Alle Menschen in unserem Bezirk sollen in einem Umfeld leben, das attraktiv ist, niemanden ausschließt und dazu einlädt, sich am öffentlichen Leben zu beteiligen. Unser Ziel: Wir möchten die Jugendarbeit verstetigen, unsere Schulen zukunftsfest machen und unsere Sportflächen sichern. Unseren Kindern und Jugendlichen wollen wir die bestmögliche Bildung vermitteln. Dafür brauchen wir gut ausgestattete Schulen und ausreichend Schulplätze in allen Ortsteilen. Kulturelle Angebote und Orte der Wissensvermittlung wollen wir den Menschen überall im Bezirk zur Verfügung stellen. Die Menschen in Tempelhof benötigen außerdem eine moderne Infrastruktur, die ihnen ohne Barrieren die Teilhabe am sozialen und politischen Leben ermöglicht. Öffentliche Gebäude wollen wir modernisieren, damit sie künftig allen Menschen offenstehen. Und nicht zuletzt ehren wir das Ehrenamt: Die Ehrenamtlichen in Tempelhof-Schöneberg leisten unverzichtbare Arbeit für unser Gemeinwohl – wir werden sie dabei unterstützen.

Unsere Ziele:

  • Wir schaffen Beteiligungsmöglichkeiten und soziale Räume für Kinder und Jugendliche.
  • Wir sanieren Schulen und sichern Schulplätze für ein gutes Lernen im Bezirk.
  • Wir modernisieren öffentliche Gebäude und Sportanlagen und sorgen für eine gerechte Sportstättenvergabe.
  • Wir finanzieren Kultur- und Bildungsorte auskömmlich und stärken die Erinnerungs- und Gedenkkultur.
  • Wir unterstützen das Ehrenamt und stärken den Zusammenhalt für eine lebendige Gemeinschaft.

4.1 MEHR RAUM FÜR KINDER UND JUGENDLICHE

Für eine zielgenauere kommunale Jugendhilfe benötigt unser Bezirk dringend einen Jugendhilfeplan. Grundsätze, die die Entscheidungsfindung im Jugendamt erleichtern, sind in Zeiten knapper Kassen wichtiger denn je. Wir werden deshalb weiterhin auf die zügige Aufstellung eines Jugendhilfeplans drängen.

Vor dem Hintergrund zunehmender queerfeindlicher Angriffe sind Rückzugsräume für queere Jugendliche wichtiger denn je. Dank unserer Beharrlichkeit wurde in Tempelhof ein queeres Jugendzentrum etabliert. Damit erreichen wir weit über den Süden unseres Bezirks hinaus Jugendliche aus ganz Berlin und machen ihnen ein Angebot.

Unsere Jugendeinrichtungen brauchen moderne Gebäude, in denen man sich gerne aufhält. Nach Jahrzehnten des Sparens ist die Bausubstanz unserer Jugendeinrichtungen allerdings stark angegriffen. Zudem fehlen uns für die Jugendarbeit noch immer bezirkseigene Räume, die unabhängig vom Mietenmarkt sind. Auch dank unseres Engagements wurden mit dem Lortzingclub in Lichtenrade und der Friedenauer Burg als erster Schritt zwei sanierungsbedürftige Jugendclubs in die Investitionsplanung aufgenommen. Dennoch existiert noch immer kein Sanierungsprogramm auf Landesebene. Der „Boseclub“ in Tempelhof erhält weniger Geld und in der Prioritätensetzung des Bezirks sind die Jugendfreizeiteinrichtungen weiter nach unten gerutscht. Dieser Entwicklung stellen wir uns gemeinsam mit unseren Abgeordneten auf der Landesebene entgegen. Auch die Finanzierung des Kindercircus‘ in der UfaFabrik wurde durch die Sparpolitik der Senatsverwaltung gestrichen. Dank unserer Politik was es uns möglich, den Circus durch Überschüsse aus der Parkraumbewirtschaftung kurzfristig für 2025 zu retten. Langfristig muss die Finanzierung aber wieder vom Land übernommen werden. Hierfür setzen wie uns ein.

Damit „Potse“ und „Drugstore“ endlich wieder eine Heimat bekommen, unterstützen wir nach wie vor den Bau des lange geforderten „Hauses der Jugend“. Dabei ist uns der Dialog mit den Anwohner*innen wichtig. Darum werden wir den Lärmschutz sehr ernst nehmen und Perspektiven für gemeinsame Formate  erarbeiten.

Durch den Rückgang der Geburtenrate leidet Tempelhof-Schöneberg mittlerweile nicht mehr unter einem Mangel an Kita-Plätzen. Bei weniger Einnahmen hat sich der Sanierungsbedarf an Kita-Immobilien gleichzeitig drastisch erhöht. Wir werden uns dafür stark machen, den Betrieb unserer kommunalen Kitas zu sichern und auf eine solide finanzielle Grundlage zu stellen.

Spätestens seit der Corona-Krise leiden Kinder und Jugendliche zunehmend unter Einsamkeit. Um für junge Menschen zusätzliche Begegnungsorte zu schaffen, setzen wir uns deshalb weiterhin für den Ausbau kostenfreier Spiel- und Sportmöglichkeiten ein, insbesondere im Süden des Bezirks. Unter Federführung unserer Grünen Stadträtin haben wir deshalb in Lichtenrade zwei neue Spielplätze errichtet. Weitere Spielplätze sind in Planung. Des Weiteren leiden Kinder und Jugendliche immer mehr an mentalen und psychischen Problemen, im Bezirk sollen deswegen Beratungs- und Unterstützungsangebote ausgebaut und gefördert werden. Des Weiteren setzt sich dieser für eine Stärkung von Sozialarbeiter*innen an allen Schulen ein, sowie einer Sensibilisierung von Lehrkräften.

Um am öffentlichen Leben teilnehmen zu können, benötigen Jugendliche außerdem zusätzliche Beteiligungsmöglichkeiten. Neben dem großartigen Kinder- und Jugendparlament fordern wir deshalb weitere Beteiligungsformate, die einen Austausch verschiedener Altersgruppen und deren Beteiligung am Gemeinwesen ermöglichen. Wir werden deshalb prüfen, ob wir für unseren Bezirk ein selbst verwaltetes Jugendbudget verwirklichen können. Darüber hinaus setzen wir uns für weitere Beteiligungsformate ein. Kinder und Jugendliche sollen noch stärker mitsprechen und mehr bindende Entscheidungen treffen können.

Des Weiteren möchten wir die Möglichkeiten unseres Kinder- und Jugendparlaments erweitern, indem äquivalent zum Jugendhilfeausschuss ein beratendes Mitglied für den Schulausschuss vorschlagen werden kann. Ein niederschwelliges Teilnahmeangebot für Kinder und Jugendliche kann durch quotierte Schulnominierungen und Öffnung der Sitzungen für alle Kinder und Jugendlichen unabhängig von Nominierungen erfolgen. Die Umsetzung der Nominierungen durch Kinder- und Jugendeinrichtungen wollen wir verbessern, damit alle Teile unseres Bezirks bestens vertreten sind. Selbstwirksamkeit der Teilnehmer*innen am Kinder- und Jugendparlament ist uns besonders wichtig. Deshalb unterstützen und stärken wir weiterhin die Autonomie und Entscheidungsfähigkeit des Kinder- und Jugendparlaments.

4.2  Die beste Schule für alle – gerecht, inklusiv, zukunftsfest

Tempelhof-Schöneberg soll ein Bezirk sein, in dem jedes Kind unabhängig von Herkunft und Lebenslage gleiche Chancen auf hochwertige Bildung erhält. Schulen sind nicht nur Lernorte, sondern soziale Räume, in denen Vielfalt geschützt, Sicherheit gewährleistet und demokratische Teilhabe erlebt wird.

Dazu braucht es ein verlässliches Schulmonitoring, das Bedarfe frühzeitig erkennt und vorausschauende Planung ermöglicht. Schulplätze müssen wohnortnah und bedarfsgerecht zur Verfügung stehen, ohne zulässige Klassengrößen zu überschreiten. Aufnahmeverfahren sind transparent und effizient zu gestalten, inklusive verbindlicher Beratung und frühzeitiger Vergabe der Schulplätze.

Die Qualität schulischer Bildung hängt auch von den baulichen Rahmenbedingungen ab. Sanierung und Modernisierung der Schulgebäude bleiben zentrale Aufgaben. Bauprozesse sollen den Unterricht möglichst wenig beeinträchtigen und geeignete Ausweichstandorte bereitstehen. Angesichts der Klimakrise gewinnen energetische Maßnahmen und Klimaanpassung sowie die Entsiegelung an Bedeutung. Der Ausbau von Photovoltaik, die Verbesserung des Raumklimas und die Begrünung von Schulhöfen als Beitrag zur Vegetations- und Gewässerinfrastruktur sind wesentliche Bausteine. Die Reinigungssituation an Schulen ist weiterhin unbefriedigend, besonders bei den Toiletten. Wir setzen uns für die Rekommunalisierung ein, um verlässliche Qualitätsstandards sicherzustellen.

Ein zukunftsfähiges Bildungssystem ist inklusiv. Statt Selektion braucht es Strukturen für gemeinsames Lernen und individuelle Förderung. Gemeinschaftsschulen leisten hierzu einen wichtigen Beitrag. Die Friedenauer Gemeinschaftsschule ist ein etabliertes Vorzeigeprojekt. Die Johanna-Eck-Schule und die Mascha-Kaléko-Schule wollen wir weiterentwickeln. Ein zusätzlicher Standort, etwa an der Halker Zeile in Lichtenrade, soll das Angebot im Süden ergänzen.

Die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention ist handlungsleitend. Eine bedarfsgerechte Ressourcensteuerung, multiprofessionelle Teams, ausreichend Schulhelfer*innen und verlässliche sonderpädagogische Förderung stellen sicher, dass Unterstützung dort ankommt, wo sie benötigt wird. Schulstationen leisten einen wichtigen Beitrag, indem sie niedrigschwellig beraten und frühzeitig intervenieren. Deshalb setzen wir uns für ihren Erhalt und ihre personelle Absicherung ein. Zugleich wollen wir die Kooperation zwischen Kitas und Schulen sowie die Vernetzung mit Jugendfreizeiteinrichtungen stärken, damit Bildungsverbünde zur Regel werden.

Auch für neu zugewanderte und geflüchtete Kinder gilt: Bildungsgerechtigkeit entsteht durch Teilhabe von Anfang an. Dafür braucht es eine schnelle Aufnahme in den Regelunterricht, ergänzt durch systematische Sprachförderung und individuelle Unterstützung. Willkommensklassen in Außenstellen staatlicher Schulen, die ausschließlich von Geflüchteten besucht werden, dürfen nur eine befristete Notlösung sein, solange Schulen in erreichbarer Nähe keinen Platz haben. In diesen Fällen sind besondere Anstrengungen zur Integration erforderlich. Separierende Beschulungen wollen wir schnellstmöglich beenden.

Demokratische Kompetenzen entwickeln sich durch Mitwirkung. Deshalb stärken wir Beteiligungsformate wie den Schüler*innen-Haushalt und setzen auf verbindliche Mitbestimmung. Ein ausgewogenes, regionales und biologisches Schulessen stärkt das Wohlbefinden. Schüler*innen sollen wieder an Verkostungen teilnehmen und bei der Auswahl der Caterer mitentscheiden.

Außerschulische Lernorte ergänzen schulische Bildung um praxisnahe Erfahrungsräume. Die Gartenarbeitsschule vermittelt ökologische Zusammenhänge und nachhaltiges Handeln und ist ein wichtiger Baustein der Umweltbildung. Ihre finanzielle und personelle Absicherung sowie die Weiterentwicklung der Angebote wollen wir sichern. Auch die Jugendverkehrsschule ist Teil moderner Bildungsinfrastruktur. Sie fördert sichere Teilnahme am Straßenverkehr und eigenständige Mobilität. Die Standorte am Sachsendamm und in Mariendorf sollen dauerhaft gesichert und im Süden des Bezirks ausgebaut werden.

Die Rahmenbedingungen für den Schwimmunterricht müssen verbessert werden, insbesondere durch mehr Schwimmzeiten, qualifiziertes Personal und eine verlässliche Organisation der Wege. Schulwegsicherheit ist dabei ebenso zentral. Schulstraßen tragen zur sicheren Gestaltung des Verkehrsraums bei, das Modellprojekt an der Bruno-H.-Bürgel-Schule wollen wir verstetigen. Auch die Digitalisierung der Schulen treiben wir weiter voran – mit verlässlicher IT-Betreuung, modernen Endgeräten sowie Weiterbildungsangeboten für Lehrkräfte, Eltern und Schüler*innen.

4.3 BEZIRKLICHE GEBÄUDE FÜR DIE ZUKUNFT FIT MACHEN

Tempelhof-Schöneberg verfügt über zahlreiche Schulen, Verwaltungsgebäude und weitere öffentliche Liegenschaften. Deren Entwicklung wollen wir konsequent an den Zielen der Klimaneutralität, der sozialen Gerechtigkeit und der Barrierefreiheit ausrichten. Ebenso berücksichtigen wir die Funktion öffentlicher Gebäude als Schutzraum und Anlaufstelle im Katastrophenfall.

Bei der Nutzung erneuerbarer Energien muss das Bezirksamt seiner Vorbildfunktion gerecht werden. Neben dem weiteren Ausbau von Photovoltaik, idealerweise in Kombination mit Gründächern und Stromspeichern, ist dafür die Umstellung der Wärmeversorgung auf erneuerbare Energien ein wichtiger Baustein. Unter Berücksichtigung der Ende Juni feststehenden kommunalen Wärmeplanung nutzen wir für bezirkseigenen Liegenschaften ohne Fernwärmeanschluss gezielt vorhandene Wärmequellen wie Abwärme aus Abwasser und Rechenzentren oder Erdwärme. Besonders in Hinblick auf heißer werdende Sommer können dabei sogenannte Kalte Nahwärmenetze eine entscheidende Rolle spielen, welche zum Kühlen und Heizen eingesetzt werden können. Zur Initierung und Koordination von Nahwärmenetzen und effizienten Quartierskonzepten stellen wir Personal für Wärmewendemanagement ein und sichern die Finanzierung dazu auf Landesebene ab. Um den Aufbau von Wärmenetzen zu ermöglichen, werden wir bezirkliche Liegenschaften als Ankerkunden oder bei geeigneten Wärmequellen auch als Produzenten einbringen. Gemeinwohlorientierte Initiativen, Vereine und Genossenschaften, die im Bereich Wärmewende aktiv sind, wie z. B. der Quartiersrat Schöneberger Norden oder die Bürgerinitiative Wärmewende Friedenau, unterstützen wir aktiv, um effiziente Lösungen für eine bezahlbare und klimaneutrale Wärmewende voran zu bringen. 
Konflikte mit dem Denkmalschutz lösen wir konstruktiv, damit die Unabhähigkeit von fossilen Energien und die Bewahrung unserer historischen Bausubstanz im Einklang stehen – denn auch denkmalgeschützte Gebäude sollen ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten. Wir fordern beispielsweise seit Jahren die Priorisierung von energetischen Sanierungsmaßnahmen und die Verbesserung der Barrierefreiheit im Rathaus Schöneberg. Erfreulicherweise hat der Senat dieses Jahr endlich Mittel in Höhe von 147 Millionen Euro für die Sanierung eingeplant und wir werden die Umsetzung kritisch begleiten.

Unsere Bürgerämter, Bibliotheken und Sporthallen müssen fit werden für die Herausforderungen des Klimawandels. Viele Liegenschaften sind allerdings marode und verursachen hohe Energieverbräuche. Der Bezirk wird seine Sanierungsprogramme deshalb fortsetzen und die Vorgaben des bezirklichen Klimaanpassungskonzepts konsequent durchsetzen. Energetische Sanierungen senken nicht nur dauerhaft Kosten, sondern verbessern auch das Raumklima. Man lernt und arbeitet besser, wenn man nicht friert oder in der Hitze zergeht. Bei Neubauten und Sanierungen werden wir durch Begrünung, ein intelligentes Regenwassermanagement, verbindliche Entsiegelungsquoten und Verschattung den Hitzeschutz voranbringen. Gegenüber dem Senat werden wir darauf drängen, die dafür notwendigen Mittel verlässlich bereitzustellen.

In Tempelhof-Schöneberg sind bebaubare Flächen ein seltenes und wertvolles Gut. Wir setzen uns deshalb für eine zukunftsorientierte Liegenschaftspolitik ein, die öffentliche Flächen langfristig sichert und verantwortungsvoll entwickelt. Das strategische Flächenmanagement, das Bau- und Nutzungspotenziale bislang ungenutzter Flächen ermitteln soll, werden wir stärken.

Bei Neu- und Umbauten müssen Rampen, Aufzüge, verständliche Wegeführung, gute Erreichbarkeit und inklusive Nutzbarkeit für alle Menschen von Anfang an mitgedacht werden. Um allen Menschen selbstbestimmte Teilhabe zu ermöglichen, werden wir uns weiterhin dafür einsetzen, dass Rampen, Hörschleifen sowie taktile und visuelle Orientierungssysteme den Zugang zu bezirklichen Einrichtungen erleichtern. Um insbesondere älteren oder mobilitätseingeschränkten Menschen den Weg zu Bürgerämtern zu ermöglichen, wollen wir die von uns schon lange geforderten mobilen Bürgerämter insbesondere im Süden des Bezirks endlich umsetzen.

4.4 SPORTFLÄCHEN AUSBAUEN – SPORT UND BEWEGUNG FÜR ALLE ERMÖGLICHEN

Sport und Bewegung fördern die Gesundheit und bringen Menschen zusammen. Unser vorrangiges Ziel ist es deshalb, bestehende Sportflächen zu sichern und auszubauen. Leider fehlen uns in allen Teilen unseres Bezirks die notwendigen Flächen. Neue Sportflächen lassen sich nur schwer erschließen. Viele bestehende Sportanlagen sind außerdem sehr marode. Die meisten Sportstätten sind zudem für Menschen mit Einschränkungen kaum nutzbar. Zudem reichen die Landesmittel zur Sanierung unserer Sportanlagen bei weitem nicht aus, um den Investitionsbedarf abzubauen. Unserem Grünflächenamt ist es dennoch in Rekordzeit gelungen, die Kunstrasenplätze in der Markgrafenstraße, im Volkspark Mariendorf und in der Halker Zeile in Lichtenrade zu sanieren. Und es wurden zusätzliche kostenlose Sportanlagen im öffentlichen Raum geschaffen wie die erfolgreichen Calisthenics-Anlagen entlang der Grünzüge im Bezirk.

Für eine schnellere Sanierung unserer Sportanlagen werden wir das Bezirksamt weiterhin auffordern, sich konsequenter auf Bundesmittel aus der „Sportmilliarde“ zu bewerben. Landesmittel („SSP-Mittel“) sind so einzusetzen, dass sie allen Teilen unseres Bezirks gleichermaßen zugutekommen. Um Vereinen dringend benötigte Räume zur Verfügung zu stellen, werden wir verstärkt Containerlösungen einfordern.

Die Vergabe unserer Sportstätten muss niedrigschwellig, geschlechtergerecht und transparent vonstattengehen. Trotz unserer Forderungen können die Bezirke jedoch noch immer nicht flächendeckend auf die digitale Sportflächenvergabe zurückgreifen. Damit das Bezirksamt interessierte Bürger*innen umfassend über die Sportangebote im Bezirk informieren kann, wollen wir die Ressourcen des Bewegungskoordinators erweitern.

Dank unserer Initiative investiert das Bezirksamt jährlich mindestens 100.000 Euro in die Barrierefreiheit unserer Sportanlagen. Den Abbau von Barrieren an unseren Sportstätten werden wir weiterhin konsequent einfordern. Darüber hinaus setzen wir uns für mindestens zwei komplett inklusive Sportanlagen und zusätzliche barrierefreie Sportflächen im öffentlichen Raum ein.

Auch die fehlende Geschlechtergerechtigkeit in der Sportförderung und in der Sportstättenvergabe ist noch immer ein Problem. Um den Mädchen- und Frauensport sichtbarer zu machen, haben wir den Mädchen- und Frauensportpreis ins Leben gerufen. Auch das jährliche Mädchensportfest ist durch unser Engagement entstanden. Um zusätzliche Bewegungsangebote machen zu können, werden wir gemeinsam mit geeigneten sozialen Trägern geschlechtergerechte Formate entwickeln.

Die bauliche Situation der Bäder in Tempelhof-Schöneberg ist ein Desaster. Das Stadtbad Schöneberg wird gerade saniert und ist deshalb nicht nutzbar. Für die Sanierung des ebenfalls geschlossenen Kombibads in Mariendorf existiert noch immer kein seriöses Finanzierungskonzept. Die beiden derzeit geöffneten Bäder in der Götzstraße und am Sachsendamm sind extrem marode und bieten nur wenige Stunden Schwimmzeit pro Woche für die Öffentlichkeit an. Das regelmäßige Schul- und Vereinsschwimmern sowie das mittlerweile eingerichtete Schulschwimmzentrum ist dadurch massiv gefährdet. Gemeinsam mit unseren Mandatsträger*innen auf Landesebene werden wir uns entschieden für die dringend notwendige Erneuerung unserer Infrastruktur einsetzen.

4.5 KULTURELLE ANGEBOTE FÜR DEN GANZEN BEZIRK

Kultur ist das Herz unseres lebendigen Bezirks – sie verleiht unseren Kiezen ihre Einzigartigkeit, verbindet, inspiriert und schafft Gemeinschaft. Unsere öffentlichen Bibliotheken, Musikschulen, Volkshochschulen, Museen, Gedenkstätten, Kunstwerke, Parks, Gärten, Galerien und Theater sind Orte der Begegnung und des Austauschs. Wir stärken sie als lebendige Räume für alle, denn Kultur gestalten wir alle zusammen. Wir setzen uns dafür ein, die kulturelle Infrastruktur auskömmlich zu finanzieren, zu stabilisieren und auszuweiten, um eine flächendeckende Versorgung mit kommunalen Kultureinrichtungen zu erreichen. Dabei setzen wir uns für Kulturangebote für alle Altersgruppen, unabhängig von Herkunft, Religion, Sprache, Geschlecht oder finanziellen Möglichkeiten, ein – mit einem Schwerpunkt auf Kindern und Älteren. Barrierefreie Zugänge und die Möglichkeit für alle mitzuwirken, sind unersetzlich für eine demokratische Gesellschaft.

Um die möglichen, vielfältigen Nutzungen des größten Kulturortes im Bezirk, des ehemaligen Flughafen Tempelhof, fast 20 Jahre nach seiner Schließung realisieren zu können, setzen wir uns für eine Stärkung der technischen Infrastruktur und Professionalisierung des Managements ein. Wir versprechen uns davon eine deutliche Reduzierung der Kosten und höhere Frequenz der Nutzung. Auch hier legen wir Wert auf barrierefreien und kostengünstigen Zugang.

Die Alte Mälzerei in Lichtenrade ist ein Leuchtturmprojekt für Kulturpolitik in Tempelhof-Schöneberg, für das wir uns seit Jahren eingesetzt haben. Seit seiner Neueröffnung als Kulturzentrum finden sich in dem Industrie-Denkmal eine Bibliothek, ein Kindermuseum sowie Räume für die Leo-Kestenberg-Musikschule und für die Volkshochschule samt einer Lehrküche für Ernährungsbildung. Die Alte Mälzerei zieht nicht nur Menschen aus Lichtenrade an, sondern strahlt auch über den Bezirk hinaus aus und ist ein wichtiger Treffpunkt für Bildung, Kultur und Gemeinschaft im Süden Berlins. Mit der „Neuen Mitte Tempelhof“ wollen wir auch in Tempelhof einen attraktiven Kulturort mit einer neuen Bibliothek, einer kommunalen Galerie und Räumen für die Volkshochschule schaffen.

Darüber hinaus wollen wir die Bibliotheken im Bezirk gezielt als Dritte Orte stärken, sie mit modernen Medien und Angeboten für alle Altersklassen ausstatten, um sie zu noch lebendigeren Treffpunkten und Räumen des gemeinsamen Lernens und Gesprächs zu machen. Wir verstehen Bibliotheken als niedrigschwellige und inklusive Kulturorte, welche mehr bieten als die Möglichkeit, Bücher auszuleihen. Die Stadtteilbibliotheken sind Horte der kulturellen Daseinsvorsorge, Orte der Kommunikation, Bildung und Informationsbereitstellung, ohne Konsumzwang. In den Bibliotheken wird unser kulturelles Erbe bewahrt, gepflegt und gelebt. Hier werden neueste Technologien zugänglich gemacht und auch Dinge verliehen, seien es Werkzeuge oder Festausstattungen. Bibliotheken sind Aktivposten im Kampf gegen Einsamkeit im Winter warm, im Sommer kühl und generationenübegreifende „Safe Spaces“. 2021 musste die Gertrude-Kolmar-Bibliothek ihre Räumlichkeiten in der Sophie-Scholl-Schule aufgeben und hat bis heute keinen neuen Standort gefunden. Wir setzen uns weiterhin aktiv für einen neuen Standort ein, damit der Bezirk diesen wichtigen Lern- und Bildungsort baldmöglichst zurückerhält.

Die vielfältigen und günstigen Angebote der Volkshochschule leisten einen unverzichtbaren Beitrag zu kultureller Teilhabe, integrieren Neuberliner*innen, vermitteln Medienkompetenz und stehen für lebenslanges Lernen. Wir setzen uns dafür ein, dass ihre Programme weiter ausgebaut werden können und nicht eingeschränkt werden müssen. Den Lehrenden der Volkshochschule werden wir Anstellungsangebote machen, niemand soll genötigt werden, als Selbstständige*r zu arbeiten.

Die vielfältigen Angebote der Volkshochschule leisten einen wichtigen Beitrag zu kultureller Teilhabe, sozialer Integration und lebenslangem Lernen. Wir setzen uns dafür ein, dass ihre Programme weiter ausgebaut werden können und nicht eingeschränkt werden müssen.

Die Musikschule und die Jugendkunstschule sind zentrale Orte kultureller Bildung im Bezirk. Ihr vielfältiges Angebot ermöglicht Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen den Zugang zu Musik und Kunst. Sie bieten Räume zum kreativen Ausprobieren und zur künstlerischen Entfaltung, weitgehend unabhängig vom Geldbeutel. Wir setzen uns für eine gesicherte Finanzierung, ausreichend Räume, eine gute Ausstattung und verlässliche Arbeitsbedingungen für Lehrkräfte ein, damit ihr Angebot weiter wachsen kann. Auch aufgrund unseres Engagements wurden auf Landesebene mehr Mittel bereitgestellt, um wenigstens ein Viertel der zuvor freiberuflich tätigen Lehrkräfte an Musikschulen fest anzustellen. Wir setzen uns beim Senat für die zügige Festanstellung weiterer Lehrkräfte an Musik- und Kunstschulen ein. Scheinselbstständigkeit wird es in bezirklichen Institutionen mit uns nicht geben.

Die freie Kulturszene ist eine der großen Stärken Tempelhof-Schönebergs. Wir wollen freie Kulturschaffende finanziell und räumlich bestmöglich unterstützen. Bezirkliche Förderprogramme sollen erhalten, nach Möglichkeit ausgebaut und stärker bekannt gemacht werden. Gleichzeitig wollen wir bezahlbare Räume für kulturelle Produktion und Präsentation sichern. Ateliers, Studios, Proberäume und Werkstätten, Galerien und Bühnen sind unverzichtbar für ein lebendiges Kulturleben. Nicht zuletzt durch unser Engagement konnten wir vor einigen Jahren das Kulturhaus Schöneberg mit vielen Kulturräumen in der Kyffhäuserstraße etablieren. Daran werden wir anschließen, indem, wo möglich, kostengünstige oder kostenfreie Räume für kulturelle Initiativen und Akteur*innen zur Verfügung gestellt werden.

Kultur lebt auch von Veranstaltungen im Kiez. Deshalb setzen wir uns für die Förderung von Kiezkultur und lokalen Veranstaltungen ein. Das jährliche Kultursommerfest des Amts für Kultur soll weiter bestehen und als Treffpunkt für Kulturschaffende, Nachbarschaft und zum direkten Austausch erhalten bleiben.

Wir unterstützen die Fête de la Musique Berlin, Straßenfeste, Atelierrundgänge und Fensterkonzerte.

Wir Bündnis 90/DIE GRÜNEN stehen zu unserem Wort.

Nach wie vor wollen wir das ehemalige Straßenbahndepot in der Belziger Straße zu einem sozialen und kulturellen Standort mit einem Schwerpunkt auf Kindern und Jugendlichen entwickeln. Die Menschen aus der Umgebung benötigen dringend Räume für Kultur und Begegnung. Die Pläne des Senats, den Standort bis 2030 als Parkfläche für konfiszierte Fahrzeuge zu nutzen und perspektivisch zu einem Blaulicht-Museum umzubauen, lehnen wir ab. Wir wollen das Depot bis zur endgültigen Entscheidung über die Zukunft des Standorts für soziale und kulturelle Zwischennutzungen öffnen.

Viele kulturell genutzte Immobilien im Bezirk sind stark sanierungsbedürftig, z.B. das Haus am Kleistpark. Gemeinsam mit unseren Grünen Mitgliedern des Abgeordnetenhauses werden wir dafür eintreten, dass das Haus endlich beim Senat priorisiert und barrierefrei umgebaut wird. Wir kämpfen dafür, dass damit ein wichtiger kommunaler Kulturort in unserem Bezirk für wirklich alle Menschen zugänglich sein wird.

Wir werden sicherstellen, dass der Betrieb des Haus‘ am Kleistpark unterbrechungsfrei weiterläuft und weder durch private noch öffentliche Bau- und Sanierungstätigkeiten Lücken entstehen.

4.6 ERINNERUNGSKULTUR WACHHALTEN FÜR EIN VIELFÄLTIGES ERINNERN

Wir Bündnisgrünen setzen uns für eine vielfältige Erinnerungskultur ein. Nur so ist es uns möglich, Verantwortung für die Gegenwart zu übernehmen. In unserem Bezirk gibt es jedoch noch immer viel zu wenige Erinnerungsorte an die Kolonialzeit. Das wollen wir ändern. Im Haus am Kleistpark und im Tempelhof-Museum gab es bereits Ausstellungen zur kolonialen Vergangenheit unseres Bezirks. Daran werden wir anknüpfen und weitere koloniale Erinnerungsorte im Bezirk identifizieren und sichtbar machen, um die kritische Auseinandersetzung mit unserer kolonialen Vergangenheit zu ermöglichen– etwa am Kleistpark als Ort der sogenannten „Botanischen Zentralstelle für die Deutschen Kolonien“ oder in Friedenau im Zusammenhang mit der Kolonialausstellung und der Völkerschau DAMUKA 1907. Zu einer konsequenten Erinnerungskultur gehört auch der kritische Umgang mit Straßennamen und Ortsbezeichnungen im öffentlichen Raum. Straßennamen und Orte, die Kolonialherren oder Personen mit kolonialer beziehungsweise nationalsozialistischer Verstrickung ehren, haben in unserem Bezirk keinen Platz. Dazu zählen beispielsweise der Simpsonweg oder der Franckepark. Wir setzen uns deshalb für ihre Überprüfung und schrittweise Umbenennung ein. Stattdessen sollen Persönlichkeiten sichtbar gemacht werden, die sich für Demokratie, Menschenrechte und gesellschaftliche Vielfalt eingesetzt haben oder einsetzen. Bis zu einer Umbenennung sollen erklärende Informationsschilder die historischen Hintergründe der Namensgebung transparent machen.

Die Erinnerung an die nationalsozialistische Gewaltherrschaft bleibt uns stets Verpflichtung. Die Geschichte der Kori Ofenfabrik in Schöneberg, in der Öfen für KZ-Krematorien und das Euthanasie-Programm der Nazis hergestellt wurden, darf deshalb nicht in Vergessenheit geraten. Auf unsere Initiative hat der Bezirk ein Forschungsprojekt zu dem Thema in die Wege geleitet. Darüber hinaus werden wir uns für einen Mahn- und Erinnerungsort am ehemaligen Standort der Fabrik einsetzen. Ein lebendiges Gedenken braucht aktive Beteiligung. Deshalb wollen wir Schulen in Tempelhof-Schöneberg dabei unterstützen, Verantwortung für die Stolpersteine in ihrem Umfeld zu übernehmen und sich regelmäßig an deren Pflege zu beteiligen. So wird Erinnerungskultur im Alltag verankert und historisches Lernen unmittelbar erfahrbar gemacht.

Als „Grenzbezirk“ werden wir außerdem die Erinnerung an die DDR-Geschichte und die Teilung unserer Stadt wachhalten und sichtbarer machen. Die Lückenschließung des Mauerradwegs bei Lichtenrade war ein erster Erfolg, um die Verbundenheit unseres Bezirks mit der deutsch-deutschen Geschichte zu verdeutlichen. Wir kümmern uns auch weiterhin um den Mauerweg, bspw. für eine bessere Ausschilderung. Daran werden wir anknüpfen, indem wir weitere erinnerungskulturelle Initiativen unterstützen.

4.7 EHRENAMT UNTERSTÜTZEN UND SICHTBAR MACHEN

Ehrenamt ist das Rückgrat unseres Zusammenlebens in Tempelhof-Schöneberg. Tausende Menschen engagieren sich Tag für Tag in Vereinen, Initiativen, Nachbarschaften und sozialen Projekten – sie halten unseren Bezirk lebendig, solidarisch und vielfältig. Zivilgesellschaftliches Engagement macht unsere Demokratie wehrhaft, indem sie Teilhabe an politischen Prozessen ermöglicht und so gegen Polarisierung wirkt. Dieses Engagement wollen wir stärken, unterstützen und sichtbar machen. Wir haben uns für das Ehrenamtsbüro stark gemacht, sodass es seit vielen Jahren hervorragende Arbeit leistet: Es berät, vernetzt und begleitet zahlreiche ehrenamtlich Aktive und Initiativen im Bezirk.

Mit der Verleihung der Ehrenamtskarten in verschiedenen Kategorien würdigen wir Menschen, die sich in besonderer Weise für das Gemeinwohl einsetzen. Darüber hinaus zeichnet der Bezirk Persönlichkeiten mit der Verdienstmedaille aus – der höchsten Auszeichnung unseres Bezirks – für langjähriges und herausragendes ehrenamtliches Engagement. Mit der jährlichen Ehrenamtsbörse schaffen wir zudem einen wichtigen Treffpunkt für Austausch, Vernetzung und Sichtbarkeit der vielen Vereine, Verbände und Initiativen, die Tempelhof-Schöneberg so besonders machen.

Einsamkeit stellt in urbanen Räumen wie in Tempelhof-Schöneberg ein wachsendes Risiko dar. Einsamkeit beeinflusst soziale Teilhabe, psychische und körperliche Gesundheit, aber auch Arbeitsmarktchancen nachhaltig. Einsamkeit ist ein Querschnittsthema in der Gesellschaft, bürgerschaftliches Engagement trägt nachweislich insbesondere zur Stärkung sozialer Netzwerke bei, fördert Zugehörigkeit und schützt langfristig vor sozialer Isolation.

Engagement schafft Begegnung, stärkt Selbstwirksamkeit und verbindet Menschen über unterschiedliche Lebenslagen, Generationen und Herkunft hinweg, genau dort wo Einsamkeit überwunden werden kann. Im Rahmen der bezirklichen Initiative „Engagiert gegen Einsamkeit“ wurden bereits erste Maßnahmen zur Einsamkeitsbewältigung und -prävention umgesetzt, darunter der Aufbau eines kommunalen Netzwerkes gegen Einsamkeit.

Tempelhof-Schöneberg hat 2025 erstmals den „Gemeinschaftspreis des Bezirksbürgermeisters zur Würdigung von Engagement gegen Einsamkeit“ verliehen. Als erster Berliner Bezirk setzt Tempelhof-Schöneberg damit ein deutliches Zeichen im Kampf gegen Einsamkeit.

Weitere Fachtagungen zum Thema Einsamkeit, das neue Veranstaltungsformat „Lange Tafeln gegen Einsamkeit“ in den einzelnen Regionen und eine Kampagne „Wir sind die Nachbarschaft“ werden wir zur Aktivierung nachbarschaftlichen Zusammenhalts gegen Einsamkeit voranbringen.

Die Zukunft unseres Bezirks gestalten wir alle gemeinsam!

Kapitel 4 – Unser lebenswerter Bezirk

Ob es um unsere Schulen, Kultureinrichtungen oder Sportanlagen geht: Alle Menschen in unserem Bezirk sollen in einem Umfeld leben, das attraktiv ist, niemanden ausschließt und dazu einlädt, sich am öffentlichen Leben zu beteiligen. Unser Ziel: Wir möchten die Jugendarbeit verstetigen, unsere Schulen zukunftsfest machen und unsere Sportflächen sichern. Unseren Kindern und Jugendlichen wollen wir die bestmögliche Bildung vermitteln. Dafür brauchen wir gut ausgestattete Schulen und ausreichend Schulplätze in allen Ortsteilen. Kulturelle Angebote und Orte der Wissensvermittlung wollen wir den Menschen überall im Bezirk zur Verfügung stellen. Die Menschen in Tempelhof benötigen außerdem eine moderne Infrastruktur, die ihnen ohne Barrieren die Teilhabe am sozialen und politischen Leben ermöglicht. Öffentliche Gebäude wollen wir modernisieren, damit sie künftig allen Menschen offenstehen. Und nicht zuletzt ehren wir das Ehrenamt: Die Ehrenamtlichen in Tempelhof-Schöneberg leisten unverzichtbare Arbeit für unser Gemeinwohl – wir werden sie dabei unterstützen.

Unsere Ziele:

  • Wir schaffen Beteiligungsmöglichkeiten und soziale Räume für Kinder und Jugendliche.
  • Wir sanieren Schulen und sichern Schulplätze für ein gutes Lernen im Bezirk.
  • Wir modernisieren öffentliche Gebäude und Sportanlagen und sorgen für eine gerechte Sportstättenvergabe.
  • Wir finanzieren Kultur- und Bildungsorte auskömmlich und stärken die Erinnerungs- und Gedenkkultur.
  • Wir unterstützen das Ehrenamt und stärken den Zusammenhalt für eine lebendige Gemeinschaft.

4.1 MEHR RAUM FÜR KINDER UND JUGENDLICHE

Für eine zielgenauere kommunale Jugendhilfe benötigt unser Bezirk dringend einen Jugendhilfeplan. Grundsätze, die die Entscheidungsfindung im Jugendamt erleichtern, sind in Zeiten knapper Kassen wichtiger denn je. Wir werden deshalb weiterhin auf die zügige Aufstellung eines Jugendhilfeplans drängen.

Vor dem Hintergrund zunehmender queerfeindlicher Angriffe sind Rückzugsräume für queere Jugendliche wichtiger denn je. Dank unserer Beharrlichkeit wurde in Tempelhof ein queeres Jugendzentrum etabliert. Damit erreichen wir weit über den Süden unseres Bezirks hinaus Jugendliche aus ganz Berlin und machen ihnen ein Angebot.

Unsere Jugendeinrichtungen brauchen moderne Gebäude, in denen man sich gerne aufhält. Nach Jahrzehnten des Sparens ist die Bausubstanz unserer Jugendeinrichtungen allerdings stark angegriffen. Zudem fehlen uns für die Jugendarbeit noch immer bezirkseigene Räume, die unabhängig vom Mietenmarkt sind. Auch dank unseres Engagements wurden mit dem Lortzingclub in Lichtenrade und der Friedenauer Burg als erster Schritt zwei sanierungsbedürftige Jugendclubs in die Investitionsplanung aufgenommen. Dennoch existiert noch immer kein Sanierungsprogramm auf Landesebene. Der „Boseclub“ in Tempelhof erhält weniger Geld und in der Prioritätensetzung des Bezirks sind die Jugendfreizeiteinrichtungen weiter nach unten gerutscht. Dieser Entwicklung stellen wir uns gemeinsam mit unseren Abgeordneten auf der Landesebene entgegen. Auch die Finanzierung des Kindercircus‘ in der UfaFabrik wurde durch die Sparpolitik der Senatsverwaltung gestrichen. Dank unserer Politik was es uns möglich, den Circus durch Überschüsse aus der Parkraumbewirtschaftung kurzfristig für 2025 zu retten. Langfristig muss die Finanzierung aber wieder vom Land übernommen werden. Hierfür setzen wie uns ein.

Damit „Potse“ und „Drugstore“ endlich wieder eine Heimat bekommen, unterstützen wir nach wie vor den Bau des lange geforderten „Hauses der Jugend“. Dabei ist uns der Dialog mit den Anwohner*innen wichtig. Darum werden wir den Lärmschutz sehr ernst nehmen und Perspektiven für gemeinsame Formate  erarbeiten.

Durch den Rückgang der Geburtenrate leidet Tempelhof-Schöneberg mittlerweile nicht mehr unter einem Mangel an Kita-Plätzen. Bei weniger Einnahmen hat sich der Sanierungsbedarf an Kita-Immobilien gleichzeitig drastisch erhöht. Wir werden uns dafür stark machen, den Betrieb unserer kommunalen Kitas zu sichern und auf eine solide finanzielle Grundlage zu stellen.

Spätestens seit der Corona-Krise leiden Kinder und Jugendliche zunehmend unter Einsamkeit. Um für junge Menschen zusätzliche Begegnungsorte zu schaffen, setzen wir uns deshalb weiterhin für den Ausbau kostenfreier Spiel- und Sportmöglichkeiten ein, insbesondere im Süden des Bezirks. Unter Federführung unserer Grünen Stadträtin haben wir deshalb in Lichtenrade zwei neue Spielplätze errichtet. Weitere Spielplätze sind in Planung. Des Weiteren leiden Kinder und Jugendliche immer mehr an mentalen und psychischen Problemen, im Bezirk sollen deswegen Beratungs- und Unterstützungsangebote ausgebaut und gefördert werden. Des Weiteren setzt sich dieser für eine Stärkung von Sozialarbeiter*innen an allen Schulen ein, sowie einer Sensibilisierung von Lehrkräften.

Um am öffentlichen Leben teilnehmen zu können, benötigen Jugendliche außerdem zusätzliche Beteiligungsmöglichkeiten. Neben dem großartigen Kinder- und Jugendparlament fordern wir deshalb weitere Beteiligungsformate, die einen Austausch verschiedener Altersgruppen und deren Beteiligung am Gemeinwesen ermöglichen. Wir werden deshalb prüfen, ob wir für unseren Bezirk ein selbst verwaltetes Jugendbudget verwirklichen können. Darüber hinaus setzen wir uns für weitere Beteiligungsformate ein. Kinder und Jugendliche sollen noch stärker mitsprechen und mehr bindende Entscheidungen treffen können.

Des Weiteren möchten wir die Möglichkeiten unseres Kinder- und Jugendparlaments erweitern, indem äquivalent zum Jugendhilfeausschuss ein beratendes Mitglied für den Schulausschuss vorschlagen werden kann. Ein niederschwelliges Teilnahmeangebot für Kinder und Jugendliche kann durch quotierte Schulnominierungen und Öffnung der Sitzungen für alle Kinder und Jugendlichen unabhängig von Nominierungen erfolgen. Die Umsetzung der Nominierungen durch Kinder- und Jugendeinrichtungen wollen wir verbessern, damit alle Teile unseres Bezirks bestens vertreten sind. Selbstwirksamkeit der Teilnehmer*innen am Kinder- und Jugendparlament ist uns besonders wichtig. Deshalb unterstützen und stärken wir weiterhin die Autonomie und Entscheidungsfähigkeit des Kinder- und Jugendparlaments.

4.2 Die beste Schule für alle – gerecht, inklusiv, zukunftsfest

Tempelhof-Schöneberg soll ein Bezirk sein, in dem jedes Kind unabhängig von Herkunft und Lebenslage gleiche Chancen auf hochwertige Bildung erhält. Schulen sind nicht nur Lernorte, sondern soziale Räume, in denen Vielfalt geschützt, Sicherheit gewährleistet und demokratische Teilhabe erlebt wird.

Dazu braucht es ein verlässliches Schulmonitoring, das Bedarfe frühzeitig erkennt und vorausschauende Planung ermöglicht. Schulplätze müssen wohnortnah und bedarfsgerecht zur Verfügung stehen, ohne zulässige Klassengrößen zu überschreiten. Aufnahmeverfahren sind transparent und effizient zu gestalten, inklusive verbindlicher Beratung und frühzeitiger Vergabe der Schulplätze.

Die Qualität schulischer Bildung hängt auch von den baulichen Rahmenbedingungen ab. Sanierung und Modernisierung der Schulgebäude bleiben zentrale Aufgaben. Bauprozesse sollen den Unterricht möglichst wenig beeinträchtigen und geeignete Ausweichstandorte bereitstehen. Angesichts der Klimakrise gewinnen energetische Maßnahmen und Klimaanpassung sowie die Entsiegelung an Bedeutung. Der Ausbau von Photovoltaik, die Verbesserung des Raumklimas und die Begrünung von Schulhöfen als Beitrag zur Vegetations- und Gewässerinfrastruktur sind wesentliche Bausteine. Die Reinigungssituation an Schulen ist weiterhin unbefriedigend, besonders bei den Toiletten. Wir setzen uns für die Rekommunalisierung ein, um verlässliche Qualitätsstandards sicherzustellen.

Ein zukunftsfähiges Bildungssystem ist inklusiv. Statt Selektion braucht es Strukturen für gemeinsames Lernen und individuelle Förderung. Gemeinschaftsschulen leisten hierzu einen wichtigen Beitrag. Die Friedenauer Gemeinschaftsschule ist ein etabliertes Vorzeigeprojekt. Die Johanna-Eck-Schule und die Mascha-Kaléko-Schule wollen wir weiterentwickeln. Ein zusätzlicher Standort, etwa an der Halker Zeile in Lichtenrade, soll das Angebot im Süden ergänzen.

Die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention ist handlungsleitend. Eine bedarfsgerechte Ressourcensteuerung, multiprofessionelle Teams, ausreichend Schulhelfer*innen und verlässliche sonderpädagogische Förderung stellen sicher, dass Unterstützung dort ankommt, wo sie benötigt wird. Schulstationen leisten einen wichtigen Beitrag, indem sie niedrigschwellig beraten und frühzeitig intervenieren. Deshalb setzen wir uns für ihren Erhalt und ihre personelle Absicherung ein. Zugleich wollen wir die Kooperation zwischen Kitas und Schulen sowie die Vernetzung mit Jugendfreizeiteinrichtungen stärken, damit Bildungsverbünde zur Regel werden.

Auch für neu zugewanderte und geflüchtete Kinder gilt: Bildungsgerechtigkeit entsteht durch Teilhabe von Anfang an. Dafür braucht es eine schnelle Aufnahme in den Regelunterricht, ergänzt durch systematische Sprachförderung und individuelle Unterstützung. Willkommensklassen in Außenstellen staatlicher Schulen, die ausschließlich von Geflüchteten besucht werden, dürfen nur eine befristete Notlösung sein, solange Schulen in erreichbarer Nähe keinen Platz haben. In diesen Fällen sind besondere Anstrengungen zur Integration erforderlich. Separierende Beschulungen wollen wir schnellstmöglich beenden.

Demokratische Kompetenzen entwickeln sich durch Mitwirkung. Deshalb stärken wir Beteiligungsformate wie den Schüler*innen-Haushalt und setzen auf verbindliche Mitbestimmung. Ein ausgewogenes, regionales und biologisches Schulessen stärkt das Wohlbefinden. Schüler*innen sollen wieder an Verkostungen teilnehmen und bei der Auswahl der Caterer mitentscheiden.

Außerschulische Lernorte ergänzen schulische Bildung um praxisnahe Erfahrungsräume. Die Gartenarbeitsschule vermittelt ökologische Zusammenhänge und nachhaltiges Handeln und ist ein wichtiger Baustein der Umweltbildung. Ihre finanzielle und personelle Absicherung sowie die Weiterentwicklung der Angebote wollen wir sichern. Auch die Jugendverkehrsschule ist Teil moderner Bildungsinfrastruktur. Sie fördert sichere Teilnahme am Straßenverkehr und eigenständige Mobilität. Die Standorte am Sachsendamm und in Mariendorf sollen dauerhaft gesichert und im Süden des Bezirks ausgebaut werden.

Die Rahmenbedingungen für den Schwimmunterricht müssen verbessert werden, insbesondere durch mehr Schwimmzeiten, qualifiziertes Personal und eine verlässliche Organisation der Wege. Schulwegsicherheit ist dabei ebenso zentral. Schulstraßen tragen zur sicheren Gestaltung des Verkehrsraums bei, das Modellprojekt an der Bruno-H.-Bürgel-Schule wollen wir verstetigen. Auch die Digitalisierung der Schulen treiben wir weiter voran – mit verlässlicher IT-Betreuung, modernen Endgeräten sowie Weiterbildungsangeboten für Lehrkräfte, Eltern und Schüler*innen.

4.3 BEZIRKLICHE GEBÄUDE FÜR DIE ZUKUNFT FIT MACHEN

Tempelhof-Schöneberg verfügt über zahlreiche Schulen, Verwaltungsgebäude und weitere öffentliche Liegenschaften. Deren Entwicklung wollen wir konsequent an den Zielen der Klimaneutralität, der sozialen Gerechtigkeit und der Barrierefreiheit ausrichten. Ebenso berücksichtigen wir die Funktion öffentlicher Gebäude als Schutzraum und Anlaufstelle im Katastrophenfall.

Bei der Nutzung erneuerbarer Energien muss das Bezirksamt seiner Vorbildfunktion gerecht werden. Neben dem weiteren Ausbau von Photovoltaik, idealerweise in Kombination mit Gründächern und Stromspeichern, ist dafür die Umstellung der Wärmeversorgung auf erneuerbare Energien ein wichtiger Baustein. Unter Berücksichtigung der Ende Juni feststehenden kommunalen Wärmeplanung nutzen wir für bezirkseigenen Liegenschaften ohne Fernwärmeanschluss gezielt vorhandene Wärmequellen wie Abwärme aus Abwasser und Rechenzentren oder Erdwärme. Besonders in Hinblick auf heißer werdende Sommer können dabei sogenannte Kalte Nahwärmenetze eine entscheidende Rolle spielen, welche zum Kühlen und Heizen eingesetzt werden können. Zur Initierung und Koordination von Nahwärmenetzen und effizienten Quartierskonzepten stellen wir Personal für Wärmewendemanagement ein und sichern die Finanzierung dazu auf Landesebene ab. Um den Aufbau von Wärmenetzen zu ermöglichen, werden wir bezirkliche Liegenschaften als Ankerkunden oder bei geeigneten Wärmequellen auch als Produzenten einbringen. Gemeinwohlorientierte Initiativen, Vereine und Genossenschaften, die im Bereich Wärmewende aktiv sind, wie z. B. der Quartiersrat Schöneberger Norden oder die Bürgerinitiative Wärmewende Friedenau, unterstützen wir aktiv, um effiziente Lösungen für eine bezahlbare und klimaneutrale Wärmewende voran zu bringen. 
Konflikte mit dem Denkmalschutz lösen wir konstruktiv, damit die Unabhähigkeit von fossilen Energien und die Bewahrung unserer historischen Bausubstanz im Einklang stehen – denn auch denkmalgeschützte Gebäude sollen ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten. Wir fordern beispielsweise seit Jahren die Priorisierung von energetischen Sanierungsmaßnahmen und die Verbesserung der Barrierefreiheit im Rathaus Schöneberg. Erfreulicherweise hat der Senat dieses Jahr endlich Mittel in Höhe von 147 Millionen Euro für die Sanierung eingeplant und wir werden die Umsetzung kritisch begleiten.

Unsere Bürgerämter, Bibliotheken und Sporthallen müssen fit werden für die Herausforderungen des Klimawandels. Viele Liegenschaften sind allerdings marode und verursachen hohe Energieverbräuche. Der Bezirk wird seine Sanierungsprogramme deshalb fortsetzen und die Vorgaben des bezirklichen Klimaanpassungskonzepts konsequent durchsetzen. Energetische Sanierungen senken nicht nur dauerhaft Kosten, sondern verbessern auch das Raumklima. Man lernt und arbeitet besser, wenn man nicht friert oder in der Hitze zergeht. Bei Neubauten und Sanierungen werden wir durch Begrünung, ein intelligentes Regenwassermanagement, verbindliche Entsiegelungsquoten und Verschattung den Hitzeschutz voranbringen. Gegenüber dem Senat werden wir darauf drängen, die dafür notwendigen Mittel verlässlich bereitzustellen.

In Tempelhof-Schöneberg sind bebaubare Flächen ein seltenes und wertvolles Gut. Wir setzen uns deshalb für eine zukunftsorientierte Liegenschaftspolitik ein, die öffentliche Flächen langfristig sichert und verantwortungsvoll entwickelt. Das strategische Flächenmanagement, das Bau- und Nutzungspotenziale bislang ungenutzter Flächen ermitteln soll, werden wir stärken.

Bei Neu- und Umbauten müssen Rampen, Aufzüge, verständliche Wegeführung, gute Erreichbarkeit und inklusive Nutzbarkeit für alle Menschen von Anfang an mitgedacht werden. Um allen Menschen selbstbestimmte Teilhabe zu ermöglichen, werden wir uns weiterhin dafür einsetzen, dass Rampen, Hörschleifen sowie taktile und visuelle Orientierungssysteme den Zugang zu bezirklichen Einrichtungen erleichtern. Um insbesondere älteren oder mobilitätseingeschränkten Menschen den Weg zu Bürgerämtern zu ermöglichen, wollen wir die von uns schon lange geforderten mobilen Bürgerämter insbesondere im Süden des Bezirks endlich umsetzen.

4.4 SPORTFLÄCHEN AUSBAUEN – SPORT UND BEWEGUNG FÜR ALLE ERMÖGLICHEN

Sport und Bewegung fördern die Gesundheit und bringen Menschen zusammen. Unser vorrangiges Ziel ist es deshalb, bestehende Sportflächen zu sichern und auszubauen. Leider fehlen uns in allen Teilen unseres Bezirks die notwendigen Flächen. Neue Sportflächen lassen sich nur schwer erschließen. Viele bestehende Sportanlagen sind außerdem sehr marode. Die meisten Sportstätten sind zudem für Menschen mit Einschränkungen kaum nutzbar. Zudem reichen die Landesmittel zur Sanierung unserer Sportanlagen bei weitem nicht aus, um den Investitionsbedarf abzubauen. Unserem Grünflächenamt ist es dennoch in Rekordzeit gelungen, die Kunstrasenplätze in der Markgrafenstraße, im Volkspark Mariendorf und in der Halker Zeile in Lichtenrade zu sanieren. Und es wurden zusätzliche kostenlose Sportanlagen im öffentlichen Raum geschaffen wie die erfolgreichen Calisthenics-Anlagen entlang der Grünzüge im Bezirk.

Für eine schnellere Sanierung unserer Sportanlagen werden wir das Bezirksamt weiterhin auffordern, sich konsequenter auf Bundesmittel aus der „Sportmilliarde“ zu bewerben. Landesmittel („SSP-Mittel“) sind so einzusetzen, dass sie allen Teilen unseres Bezirks gleichermaßen zugutekommen. Um Vereinen dringend benötigte Räume zur Verfügung zu stellen, werden wir verstärkt Containerlösungen einfordern.

Die Vergabe unserer Sportstätten muss niedrigschwellig, geschlechtergerecht und transparent vonstattengehen. Trotz unserer Forderungen können die Bezirke jedoch noch immer nicht flächendeckend auf die digitale Sportflächenvergabe zurückgreifen. Damit das Bezirksamt interessierte Bürger*innen umfassend über die Sportangebote im Bezirk informieren kann, wollen wir die Ressourcen des Bewegungskoordinators erweitern.

Dank unserer Initiative investiert das Bezirksamt jährlich mindestens 100.000 Euro in die Barrierefreiheit unserer Sportanlagen. Den Abbau von Barrieren an unseren Sportstätten werden wir weiterhin konsequent einfordern. Darüber hinaus setzen wir uns für mindestens zwei komplett inklusive Sportanlagen und zusätzliche barrierefreie Sportflächen im öffentlichen Raum ein.

Auch die fehlende Geschlechtergerechtigkeit in der Sportförderung und in der Sportstättenvergabe ist noch immer ein Problem. Um den Mädchen- und Frauensport sichtbarer zu machen, haben wir den Mädchen- und Frauensportpreis ins Leben gerufen. Auch das jährliche Mädchensportfest ist durch unser Engagement entstanden. Um zusätzliche Bewegungsangebote machen zu können, werden wir gemeinsam mit geeigneten sozialen Trägern geschlechtergerechte Formate entwickeln.

Die bauliche Situation der Bäder in Tempelhof-Schöneberg ist ein Desaster. Das Stadtbad Schöneberg wird gerade saniert und ist deshalb nicht nutzbar. Für die Sanierung des ebenfalls geschlossenen Kombibads in Mariendorf existiert noch immer kein seriöses Finanzierungskonzept. Die beiden derzeit geöffneten Bäder in der Götzstraße und am Sachsendamm sind extrem marode und bieten nur wenige Stunden Schwimmzeit pro Woche für die Öffentlichkeit an. Das regelmäßige Schul- und Vereinsschwimmern sowie das mittlerweile eingerichtete Schulschwimmzentrum ist dadurch massiv gefährdet. Gemeinsam mit unseren Mandatsträger*innen auf Landesebene werden wir uns entschieden für die dringend notwendige Erneuerung unserer Infrastruktur einsetzen.

4.5 KULTURELLE ANGEBOTE FÜR DEN GANZEN BEZIRK

Kultur ist das Herz unseres lebendigen Bezirks – sie verleiht unseren Kiezen ihre Einzigartigkeit, verbindet, inspiriert und schafft Gemeinschaft. Unsere öffentlichen Bibliotheken, Musikschulen, Volkshochschulen, Museen, Gedenkstätten, Kunstwerke, Parks, Gärten, Galerien und Theater sind Orte der Begegnung und des Austauschs. Wir stärken sie als lebendige Räume für alle, denn Kultur gestalten wir alle zusammen. Wir setzen uns dafür ein, die kulturelle Infrastruktur auskömmlich zu finanzieren, zu stabilisieren und auszuweiten, um eine flächendeckende Versorgung mit kommunalen Kultureinrichtungen zu erreichen. Dabei setzen wir uns für Kulturangebote für alle Altersgruppen, unabhängig von Herkunft, Religion, Sprache, Geschlecht oder finanziellen Möglichkeiten, ein – mit einem Schwerpunkt auf Kindern und Älteren. Barrierefreie Zugänge und die Möglichkeit für alle mitzuwirken, sind unersetzlich für eine demokratische Gesellschaft.

Um die möglichen, vielfältigen Nutzungen des größten Kulturortes im Bezirk, des ehemaligen Flughafen Tempelhof, fast 20 Jahre nach seiner Schließung realisieren zu können, setzen wir uns für eine Stärkung der technischen Infrastruktur und Professionalisierung des Managements ein. Wir versprechen uns davon eine deutliche Reduzierung der Kosten und höhere Frequenz der Nutzung. Auch hier legen wir Wert auf barrierefreien und kostengünstigen Zugang.

Die Alte Mälzerei in Lichtenrade ist ein Leuchtturmprojekt für Kulturpolitik in Tempelhof-Schöneberg, für das wir uns seit Jahren eingesetzt haben. Seit seiner Neueröffnung als Kulturzentrum finden sich in dem Industrie-Denkmal eine Bibliothek, ein Kindermuseum sowie Räume für die Leo-Kestenberg-Musikschule und für die Volkshochschule samt einer Lehrküche für Ernährungsbildung. Die Alte Mälzerei zieht nicht nur Menschen aus Lichtenrade an, sondern strahlt auch über den Bezirk hinaus aus und ist ein wichtiger Treffpunkt für Bildung, Kultur und Gemeinschaft im Süden Berlins. Mit der „Neuen Mitte Tempelhof“ wollen wir auch in Tempelhof einen attraktiven Kulturort mit einer neuen Bibliothek, einer kommunalen Galerie und Räumen für die Volkshochschule schaffen.

Darüber hinaus wollen wir die Bibliotheken im Bezirk gezielt als Dritte Orte stärken, sie mit modernen Medien und Angeboten für alle Altersklassen ausstatten, um sie zu noch lebendigeren Treffpunkten und Räumen des gemeinsamen Lernens und Gesprächs zu machen. Wir verstehen Bibliotheken als niedrigschwellige und inklusive Kulturorte, welche mehr bieten als die Möglichkeit, Bücher auszuleihen. Die Stadtteilbibliotheken sind Horte der kulturellen Daseinsvorsorge, Orte der Kommunikation, Bildung und Informationsbereitstellung, ohne Konsumzwang. In den Bibliotheken wird unser kulturelles Erbe bewahrt, gepflegt und gelebt. Hier werden neueste Technologien zugänglich gemacht und auch Dinge verliehen, seien es Werkzeuge oder Festausstattungen. Bibliotheken sind Aktivposten im Kampf gegen Einsamkeit im Winter warm, im Sommer kühl und generationenübegreifende „Safe Spaces“. 2021 musste die Gertrude-Kolmar-Bibliothek ihre Räumlichkeiten in der Sophie-Scholl-Schule aufgeben und hat bis heute keinen neuen Standort gefunden. Wir setzen uns weiterhin aktiv für einen neuen Standort ein, damit der Bezirk diesen wichtigen Lern- und Bildungsort baldmöglichst zurückerhält.

Die vielfältigen und günstigen Angebote der Volkshochschule leisten einen unverzichtbaren Beitrag zu kultureller Teilhabe, integrieren Neuberliner*innen, vermitteln Medienkompetenz und stehen für lebenslanges Lernen. Wir setzen uns dafür ein, dass ihre Programme weiter ausgebaut werden können und nicht eingeschränkt werden müssen. Den Lehrenden der Volkshochschule werden wir Anstellungsangebote machen, niemand soll genötigt werden, als Selbstständige*r zu arbeiten.

Die vielfältigen Angebote der Volkshochschule leisten einen wichtigen Beitrag zu kultureller Teilhabe, sozialer Integration und lebenslangem Lernen. Wir setzen uns dafür ein, dass ihre Programme weiter ausgebaut werden können und nicht eingeschränkt werden müssen.

Die Musikschule und die Jugendkunstschule sind zentrale Orte kultureller Bildung im Bezirk. Ihr vielfältiges Angebot ermöglicht Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen den Zugang zu Musik und Kunst. Sie bieten Räume zum kreativen Ausprobieren und zur künstlerischen Entfaltung, weitgehend unabhängig vom Geldbeutel. Wir setzen uns für eine gesicherte Finanzierung, ausreichend Räume, eine gute Ausstattung und verlässliche Arbeitsbedingungen für Lehrkräfte ein, damit ihr Angebot weiter wachsen kann. Auch aufgrund unseres Engagements wurden auf Landesebene mehr Mittel bereitgestellt, um wenigstens ein Viertel der zuvor freiberuflich tätigen Lehrkräfte an Musikschulen fest anzustellen. Wir setzen uns beim Senat für die zügige Festanstellung weiterer Lehrkräfte an Musik- und Kunstschulen ein. Scheinselbstständigkeit wird es in bezirklichen Institutionen mit uns nicht geben.

Die freie Kulturszene ist eine der großen Stärken Tempelhof-Schönebergs. Wir wollen freie Kulturschaffende finanziell und räumlich bestmöglich unterstützen. Bezirkliche Förderprogramme sollen erhalten, nach Möglichkeit ausgebaut und stärker bekannt gemacht werden. Gleichzeitig wollen wir bezahlbare Räume für kulturelle Produktion und Präsentation sichern. Ateliers, Studios, Proberäume und Werkstätten, Galerien und Bühnen sind unverzichtbar für ein lebendiges Kulturleben. Nicht zuletzt durch unser Engagement konnten wir vor einigen Jahren das Kulturhaus Schöneberg mit vielen Kulturräumen in der Kyffhäuserstraße etablieren. Daran werden wir anschließen, indem, wo möglich, kostengünstige oder kostenfreie Räume für kulturelle Initiativen und Akteur*innen zur Verfügung gestellt werden.

Kultur lebt auch von Veranstaltungen im Kiez. Deshalb setzen wir uns für die Förderung von Kiezkultur und lokalen Veranstaltungen ein. Das jährliche Kultursommerfest des Amts für Kultur soll weiter bestehen und als Treffpunkt für Kulturschaffende, Nachbarschaft und zum direkten Austausch erhalten bleiben.

Wir unterstützen die Fête de la Musique Berlin, Straßenfeste, Atelierrundgänge und Fensterkonzerte.

Wir Bündnis 90/DIE GRÜNEN stehen zu unserem Wort.

Nach wie vor wollen wir das ehemalige Straßenbahndepot in der Belziger Straße zu einem sozialen und kulturellen Standort mit einem Schwerpunkt auf Kindern und Jugendlichen entwickeln. Die Menschen aus der Umgebung benötigen dringend Räume für Kultur und Begegnung. Die Pläne des Senats, den Standort bis 2030 als Parkfläche für konfiszierte Fahrzeuge zu nutzen und perspektivisch zu einem Blaulicht-Museum umzubauen, lehnen wir ab. Wir wollen das Depot bis zur endgültigen Entscheidung über die Zukunft des Standorts für soziale und kulturelle Zwischennutzungen öffnen.

Viele kulturell genutzte Immobilien im Bezirk sind stark sanierungsbedürftig, z.B. das Haus am Kleistpark. Gemeinsam mit unseren Grünen Mitgliedern des Abgeordnetenhauses werden wir dafür eintreten, dass das Haus endlich beim Senat priorisiert und barrierefrei umgebaut wird. Wir kämpfen dafür, dass damit ein wichtiger kommunaler Kulturort in unserem Bezirk für wirklich alle Menschen zugänglich sein wird.

Wir werden sicherstellen, dass der Betrieb des Haus‘ am Kleistpark unterbrechungsfrei weiterläuft und weder durch private noch öffentliche Bau- und Sanierungstätigkeiten Lücken entstehen.

4.6 ERINNERUNGSKULTUR WACHHALTEN FÜR EIN VIELFÄLTIGES ERINNERN

Wir Bündnisgrünen setzen uns für eine vielfältige Erinnerungskultur ein. Nur so ist es uns möglich, Verantwortung für die Gegenwart zu übernehmen. In unserem Bezirk gibt es jedoch noch immer viel zu wenige Erinnerungsorte an die Kolonialzeit. Das wollen wir ändern. Im Haus am Kleistpark und im Tempelhof-Museum gab es bereits Ausstellungen zur kolonialen Vergangenheit unseres Bezirks. Daran werden wir anknüpfen und weitere koloniale Erinnerungsorte im Bezirk identifizieren und sichtbar machen, um die kritische Auseinandersetzung mit unserer kolonialen Vergangenheit zu ermöglichen– etwa am Kleistpark als Ort der sogenannten „Botanischen Zentralstelle für die Deutschen Kolonien“ oder in Friedenau im Zusammenhang mit der Kolonialausstellung und der Völkerschau DAMUKA 1907. Zu einer konsequenten Erinnerungskultur gehört auch der kritische Umgang mit Straßennamen und Ortsbezeichnungen im öffentlichen Raum. Straßennamen und Orte, die Kolonialherren oder Personen mit kolonialer beziehungsweise nationalsozialistischer Verstrickung ehren, haben in unserem Bezirk keinen Platz. Dazu zählen beispielsweise der Simpsonweg oder der Franckepark. Wir setzen uns deshalb für ihre Überprüfung und schrittweise Umbenennung ein. Stattdessen sollen Persönlichkeiten sichtbar gemacht werden, die sich für Demokratie, Menschenrechte und gesellschaftliche Vielfalt eingesetzt haben oder einsetzen. Bis zu einer Umbenennung sollen erklärende Informationsschilder die historischen Hintergründe der Namensgebung transparent machen.

Die Erinnerung an die nationalsozialistische Gewaltherrschaft bleibt uns stets Verpflichtung. Die Geschichte der Kori Ofenfabrik in Schöneberg, in der Öfen für KZ-Krematorien und das Euthanasie-Programm der Nazis hergestellt wurden, darf deshalb nicht in Vergessenheit geraten. Auf unsere Initiative hat der Bezirk ein Forschungsprojekt zu dem Thema in die Wege geleitet. Darüber hinaus werden wir uns für einen Mahn- und Erinnerungsort am ehemaligen Standort der Fabrik einsetzen. Ein lebendiges Gedenken braucht aktive Beteiligung. Deshalb wollen wir Schulen in Tempelhof-Schöneberg dabei unterstützen, Verantwortung für die Stolpersteine in ihrem Umfeld zu übernehmen und sich regelmäßig an deren Pflege zu beteiligen. So wird Erinnerungskultur im Alltag verankert und historisches Lernen unmittelbar erfahrbar gemacht.

Als „Grenzbezirk“ werden wir außerdem die Erinnerung an die DDR-Geschichte und die Teilung unserer Stadt wachhalten und sichtbarer machen. Die Lückenschließung des Mauerradwegs bei Lichtenrade war ein erster Erfolg, um die Verbundenheit unseres Bezirks mit der deutsch-deutschen Geschichte zu verdeutlichen. Wir kümmern uns auch weiterhin um den Mauerweg, bspw. für eine bessere Ausschilderung. Daran werden wir anknüpfen, indem wir weitere erinnerungskulturelle Initiativen unterstützen.

4.7 EHRENAMT UNTERSTÜTZEN UND SICHTBAR MACHEN

Ehrenamt ist das Rückgrat unseres Zusammenlebens in Tempelhof-Schöneberg. Tausende Menschen engagieren sich Tag für Tag in Vereinen, Initiativen, Nachbarschaften und sozialen Projekten – sie halten unseren Bezirk lebendig, solidarisch und vielfältig. Zivilgesellschaftliches Engagement macht unsere Demokratie wehrhaft, indem sie Teilhabe an politischen Prozessen ermöglicht und so gegen Polarisierung wirkt. Dieses Engagement wollen wir stärken, unterstützen und sichtbar machen. Wir haben uns für das Ehrenamtsbüro stark gemacht, sodass es seit vielen Jahren hervorragende Arbeit leistet: Es berät, vernetzt und begleitet zahlreiche ehrenamtlich Aktive und Initiativen im Bezirk.

Mit der Verleihung der Ehrenamtskarten in verschiedenen Kategorien würdigen wir Menschen, die sich in besonderer Weise für das Gemeinwohl einsetzen. Darüber hinaus zeichnet der Bezirk Persönlichkeiten mit der Verdienstmedaille aus – der höchsten Auszeichnung unseres Bezirks – für langjähriges und herausragendes ehrenamtliches Engagement. Mit der jährlichen Ehrenamtsbörse schaffen wir zudem einen wichtigen Treffpunkt für Austausch, Vernetzung und Sichtbarkeit der vielen Vereine, Verbände und Initiativen, die Tempelhof-Schöneberg so besonders machen.

Einsamkeit stellt in urbanen Räumen wie in Tempelhof-Schöneberg ein wachsendes Risiko dar. Einsamkeit beeinflusst soziale Teilhabe, psychische und körperliche Gesundheit, aber auch Arbeitsmarktchancen nachhaltig. Einsamkeit ist ein Querschnittsthema in der Gesellschaft, bürgerschaftliches Engagement trägt nachweislich insbesondere zur Stärkung sozialer Netzwerke bei, fördert Zugehörigkeit und schützt langfristig vor sozialer Isolation.

Engagement schafft Begegnung, stärkt Selbstwirksamkeit und verbindet Menschen über unterschiedliche Lebenslagen, Generationen und Herkunft hinweg, genau dort wo Einsamkeit überwunden werden kann. Im Rahmen der bezirklichen Initiative „Engagiert gegen Einsamkeit“ wurden bereits erste Maßnahmen zur Einsamkeitsbewältigung und -prävention umgesetzt, darunter der Aufbau eines kommunalen Netzwerkes gegen Einsamkeit.

Tempelhof-Schöneberg hat 2025 erstmals den „Gemeinschaftspreis des Bezirksbürgermeisters zur Würdigung von Engagement gegen Einsamkeit“ verliehen. Als erster Berliner Bezirk setzt Tempelhof-Schöneberg damit ein deutliches Zeichen im Kampf gegen Einsamkeit.

Weitere Fachtagungen zum Thema Einsamkeit, das neue Veranstaltungsformat „Lange Tafeln gegen Einsamkeit“ in den einzelnen Regionen und eine Kampagne „Wir sind die Nachbarschaft“ werden wir zur Aktivierung nachbarschaftlichen Zusammenhalts gegen Einsamkeit voranbringen.

Die Zukunft unseres Bezirks gestalten wir alle gemeinsam!