Vorrang für kleine und große Füße

Im Mittelpunkt kommunaler Verkehrspolitik hat die Sicherheit der schwächsten Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer zu stehen. Das sind in erster Linie Kinder und ältere Menschen. Sie haben ein anderes Sichtfeld, können oft Entfernungen, Geschwindigkeiten und Gefahren noch nicht oder nicht mehr realistisch einschätzen. Darum sagen wir: Besonders im Bereich von Schulen, Kindergärten, Spielplätzen und Senioreneinrichtungen muss der Verkehr den Bedürfnissen der Betroffenen entsprechend angepasst werden. Zugeparkte Einmündungen und Kreuzungen sind überall schwer einsehbar; für Kinder, die hier über die Straße wollen, aber besonders gefährlich. Auf Schulwegen darf es das nicht geben! 

Vom Südtiroler Bozen wollen wir lernen. Eltern, die ihre Kinder aus Sorge um die Sicherheit selbst mit dem Auto zur Schule bringen, gefährden die Sicherheit der anderen Kinder. Zur Verringerung dieser Eltern-Taxis wurde das „Projekt Schulstraße“ erprobt: Eine halbe Stunde vor Unterrichtsbeginn sind diese Schulstraßen nur noch für den Fuß- und Radverkehr frei. Diesen Vorschlag wollen wir in Abstimmung mit den Elternvertretungen und der Polizei modellhaft erproben.

Je mehr die Kinder über den Straßenverkehr wissen, je mehr sie mitreden können, desto sicherer werden sie sein. Darum dürfen die Jugendverkehrsschulen und die Mobilitätserziehung keinem Sparzwang zum Opfer fallen. Im Rahmen des schulischen Mobilitätsmanagements wollen wir die Kinder soweit wie möglich an der Verkehrsplanung beteiligen.

Das lässt sich nicht von heute auf morgen verwirklichen, aber einige Erfolge auf dem Weg dahin haben wir erzielt. Auf eine grüne Initiative hin wirbt die Schulverwaltung regelmäßig für die Aktion „Zu Fuß zur Schule“. Den von der Elternvertretung der Ruppin-Grundschule geforderten Zebrastreifen über die Offenbacher Straße haben wir durchgesetzt.

Die Kinder sind aber nicht die einzigen, die im Verkehr besonderer Rücksichtnahme bedürfen. Auch Menschen mit Handicap, zum Beispiel Gehbehinderte oder Ältere, die nicht mehr so schnell zu Fuß sind, finden sich beim Überqueren einer Straße mit Hürden konfrontiert. Ihnen wollen wir, wo immer es machbar ist, den Alltag erleichtern, zum Beispiel mit Bordsteinabsenkungen, Gehwegvorstreckungen, Mittelinseln, Zebrastreifen und fußgängerfreundlicheren Ampelschaltungen.

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